„Das ist ja kein Vergleich“

Mit Vergleichen und Wahrnehmungen ist das ja so eine Sache[siehe hier und hier]. Man kann sie wörtlich nehmen, man kann auf strukturelle Ähnlichkeiten hinweisen oder auf Teilbereiche die gleichartige Entwicklungen aufweisen zeigen. Und man kann sich fast sicher sein, dass der Gegenüber dies grundsätzlich und absichtlich missverstehen wird. Thema Selbstreflektion und so. Aber wie auch immer: Neulich versuchte mir jemand zu erklären, dass die muslimischen Horden Europa überrennen und alle versklaven und/oder auslöschen werden. Die Person kam wohl darauf mir dies zu erzählen, weil ich kein großer Fan des Islam bin. Der Witz, dass sich der muslimische Zentralverband über die Firma Osram beschwert, weil damit der Prophet beleidigt wird, ist übrigens nicht von mir. Aber zurück zum Thema. Der Schlusspunkt dieser Person war die Aussage, dass die wenigen Glücklichen am Ende in die aufrechte USA fliehen, die für Freiheit und Anstand(Christentum) stehen. Dazu kann man jetzt vieles sagen, aber der Punkt um den es mir ging, war abgeleitet vom Aufbau des Thema, was sich noch als schwere Überforderung des Gegenübers herausstellen sollte.

Ich fragte also zurück: „Du sagst also religiöse(muslimische) Fundamentalisten wandern nach Europa ein und mit Krieg, Terror, Krankheiten und schnellerer Fortpflanzung vernichten sie uns. Einige wenige, die erkannt haben, wohin die Reise geht, flüchten dann in die USA. Ein Land, das enstanden ist, weil religiöse(christliche) Fundamentalisten dort eingewandert sind und mit Krieg, Terror, Krankheiten und schnellerer Fortpflanzung die indigene Bevölkerung vernichtet haben. Fällt dir daran irgendwas auf?

Daraufhin war ich ein antiamerikanischer, dreckiger Hetzer. Ich versuchte dann darauf hinzuweisen, dass er ja vorher sagte, dass Muslime leicht in die Luft gehen und bei Kritik immer gleich behaupten würden, man würde sie beleidigen und gegen sie hetzen. Ich fragte die Person, ob sie eventuell da einen Zusammenhang sehen würde. Darauf wurde mir gesagt, dass ich einer der miesen Verräter sei, die für den Untergang Europas verantwortlich sei. Als ich dann anbot, der Person einen Dolch in den Rücken zu rammen, wenn sie weg geht, nur um im historischen Rahmen zu bleiben, wurde die Person ausfallend. Doofer Fehler, kann ich auch, besser.

Der Punkt bei dieser sowohl lustigen wie auch traurigen kleinen Geschichte ist natürlich folgender: Ich habe gar nicht widersprochen, dass eine Gefahr vom Islamismus ausgeht. Ich habe noch nicht mal unterstellt, dass die Person vollkommen falsch liegt. Ich habe nur aufgezeigt, dass man eventuell gewisse Aussagen besser durchdenken sollte, weil man sich sonst ziemlich lächerlich macht. Erneut das Stichwort Selbstreflektion…

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu „Das ist ja kein Vergleich“

  1. XDragoon schreibt:

    Erinnert mich ein wenig daran, wie oft es mir schon passiert ist, dass man mir eine Meinung andichtete obwohl ich nur eine Tatsache aussprach oder wie oft es schon vorkam, dass man mich aufgrund von CDU-Kritik meinerseits für pro-SPD hielt. Ich kann sowas einfach nicht nachvollziehen…

  2. 3-6 schreibt:

    Unterschiede gibt es da schon. Die Pilgrims wanderten wegen fehlender Freiheiten aus und gründeten einen Staatenbund, wo man als Bürger echt seine Ruhe haben kann, wenn man will. Und in den USA kann man echt machen, was man will.

    Heute wandern Menschen in ein ziemlich freies Land ein und könnten durch ihre Zahl irgendwann durchsetzen, dass es weniger Freiheiten gibt. Und in Deutschland wird man wirklich zu wenig gezwungen, wenn man nicht komplett blöd ist.

  3. XDragoon schreibt:

    Also bei streng muslimischen Türken beispielsweise könnte man es teilweise auch wegen fehlender Freiheit begründen. Die Türkei ist ein stärker säkularisierter Staat als Deutschland und dort gilt auch in vielen Bereichen (z.B. in Schulen) Kopftuchverbot. In Deutschland gibt es das (noch) nicht. Die Türkei hat auch das Schächtverbot eingeführt (www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/schaechten-wird-in-der-tuerkei-verboten-article1051765.html) wobei ich nicht weiß, ob es dort dann so wie in Deutschland Ausnahmegenehmigungen gibt – falls nicht, wäre die Türkei auch auf diesem Gebiet restriktiver gegenüber religiösen Praktiken bzw. rücksichtsvoller gegenüber dem Schlachtvieh.

  4. 3-6 schreibt:

    Es als Beschneidung religiöser Rechte auszulegen, dass sich ein Staat gegen seine Vernichtung wehrt, ist ganz interessant.

  5. sirdoom schreibt:

    Stichwort „könnte“^^. Liegt immer im Auge des Betrachters, wo es Unterdrückung von Religionsfreiheit ist und wo es Aufrechterhaltung des Staates und Selbstschutz ist.

  6. Franz schreibt:

    „Der Schlusspunkt dieser Person war die Aussage, dass die wenigen Glücklichen am Ende in die aufrechte USA fliehen, die für Freiheit und Anstand(Christentum) stehen.“

    Es bezieht sich zwar eher weniger auf die Aussage des gesamten Textes, aber zu diesem Zitat hätte ich durchaus Einiges zu sagen (bzw. schreiben). Ich würde ja den Typen von dem das obige Zitat stammt gerne Fragen, seit wann das Christentum etwas mit Freiheit und Anstand zu tun hat? Das muss eine recht neue Entwicklung sein, die bis jetzt nicht zu mir vorgedrungen ist. Generell empfinde ich es mehr als fragwürdig, wenn irgendwelche dahergelaufenen „Aufklärer“ und „Islamkritiker“ das Christentum als positiven Gegenpol zum Islam darstellen. Denn sind wir einmal ehrlich: Beim Islam haben wir es mit einer dogmatischen, aggressiven, invasiven und anachronistisch anmutenden Religion zu tun, während das Christentum ja… äh… eigentlich ebenfalls der eben genannten Definition entspricht. Der einzige Unterschied ist das Faktum, dass wir hier in Europa die Aufklärung hatten, wodurch den christlichen Glaubensgemeinschaften nach und nach die Zähne gezogen wurden, während es in der Islamischen Welt nichts dieser Art gegeben hat.
    Aber abgesehen davon sind sich der Islam und das Christentum erschreckend ähnlich:

    • In beiden Religionen gibt es nur EINEN EINZIGEN Gott.
    • Beide Religionen beziehen sich auf EIN „heiliges Buch“.
    • In beiden Glaubensgemeinschaften hat Gott einen Gegenspieler (Teufel/Satan. Auf arabisch: „Shaitan“)
    • Beide Religionen verkünden, dass man nach dem Tod entweder in einen Himmel oder in eine Höhle kommt (je nach Lebenswandel).
    • In beiden Religionen existiert ein „heiliger“ Tag, an dem sich die Gläubigen in einem Gotteshaus (Kirche/Moschee) einzufinden haben.
    • In beiden Religionen wird ebenso das Geben von Almosen an schlechter gestellte Personen geboten.
    • Beide Religionen sind universalistisch ausgerichtet. Der eigene Gott wird als der einzig wahre angesehen, den im Idealfall alle Menschen verehren sollten.  Daher Missionierung!

    Die Liste an Gemeinsamkeiten ließe sich durchaus fortsetzen!

    Wo sind überhaupt diese beiden Religionen entstanden? Das Christentum im heutigen Israel/Palästina und der Islam in der Region Hedschas auf der Arabischen Halbinsel. Und der Hedschas befindet sich nur ein geringes Stückchen südlicher von Israel/Palästina.

    Allah und der Heiland Jesus müssen dieselbe Person sein! Oder zumindest Zwillingsbrüder!

    Es gibt ja auch ein paar Religionswissenschaftler (beispielsweise Karl-Heinz Ohlig) die behaupten, dass der Islam sich aus einer christlichen Sektengemeinschaft entwickelt hat. Ist zwar nur eine Theorie, aber es würde die massiven Ähnlichkeiten erklären.

    Was für einen Schluss kann man daraus ziehen? Ich persönlich schließe aus den eben genannten Fakten, dass eine (Re-)Christianisierung genauso ein großer Sündenpfuhl ist, wie eine Islamisierung. Keines von Beiden ist zu bevorzugen! Es ist die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera!
    Denn Hand aufs Herz: Ob man als Ungläubiger oder Blasphemiker mit einem Krummsäbel enthauptet, oder auf einem Scheiterhaufen verheizt wird ist einerlei. Das Endergebnis ist in beiden Fällen komplett gleich.

  7. sirdoom schreibt:

    Ich vermute teilweise einfach, dass die Leute die am lautestens „ALLAH“, „DEUS VULT“ oder „FREIHEIT“ gröhlen, keinen blassen Schimmer von Koran, Bibel oder Freiheit haben. 😉

  8. Franz schreibt:

    HA! Diesen Verdacht habe ich auch.

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