„Review – Prometheus – Dunkle Zeichen“

Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.Clarkesche Gesetze

Im Jahr 2089 findet das Archäologenpaar Elizabeth Shaw(Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) mit ihrem Team in einer Höhle auf der Insel Skye steinzeitliche Wandmalereien, die einen Riesen in Gesellschaft von Menschen zeigen, wie er auf einige Sterne zeigt. Diese Mythologie ist allerdings nur die älteste der gefundenen und zahlreiche vergleichbare Zeichnungen finden sich in anderen Kulturen, die nicht in Kommunikation mit der jeweils anderen standen. Shaw deutet die Szene als eine Einladung von Außerirdischen und vermutet einen Zusammenhang mit der Entwicklung des Menschen, weswegen sie ihnen den Namen „Konstrukteure“ gibt. Holloway und Shaw schaffen es Sir Peter Weyland (nicht erkennbar Guy Pearce), den Begründer und Chef von Weyland Industries [Weyland Industries Homepage mit Zeitleiste des Konzerns] dazu zu überreden eine Expedition zu finanzieren. Das Ziel der Reise ist der Mond LV-223 [< Spoiler nach Link] eines jupiterähnlichen Planeten im Sonnensystem Zeta2 Reticuli. Vier jahre später erreicht die Prometheus den Planeten und der Androide David (absolut brillant Michael Fassbender), das aktuelle Topmodell von Weyland Industries, erweckt die Besatzung aus dem Kälteschlaf. Shaw und Galloway müssen feststellen, dass sie trotz der Unterstützung von Peter Wayland keineswegs die wahren Expeditionsleiter sind, sondern die hochrangige Konzernmitarbeiterin Meredith Vickers (neben Fassbender der zweite Volltreffer, Charlize Theron), die der Mission skeptisch bis ablehnend gegenüber steht. Dies ist aber nichts gegen die Gefahren, die auf LV-223 warten, denn die „Konstrukteure“ haben ein wahrhaft mörderisches Erbe hinterlassen.

100,000 BC: stone tools. 4,000 BC: the wheel. 900 AD: gunpowder – bit of a game changer, that one. 19th century: eureka, the lightbulb! 20th century: the automobile, television, nuclear weapons, spacecrafts, Internet. 21st century: biotech, nanotech, fusion and fission and M theory – and THAT, was just the first decade! We are now three months into the year of our Lord, 2023. At this moment of our civilization, we can create cybernetic individuals, who in just a few short years will be completely indistinguishable from us. Which leads to an obvious conclusion: WE are the gods now.Peter Weyland, Gründer und Chef von Weyland Industries

Da ist er nun also: Prometheus – Dunkle Zeichen. Ridley Scott begibt sich nach 23 Jahren wieder ins Alien-Universum. AvP-Filme werden dabei – zum Glück – vollkommen ignoriert, auch weil die AvP Weyland-Yutani Timeline vollkommen inkompatibel ist. Spoiler werde ich wo es geht vermeiden und wenn gesondert erwähnen. Wofür Ridley Scott schon immer ein Händchen hatte, ist die Optik und das Design, was auch bei Prometheus wunderbar gelingt. Im Gegensatz zum Star Trek Reboot fühlt man sich bei Prometheus trotz der langen Zeitspanne die seit Alien vergangen ist, sofort heimisch. Scott verzichtet bei Prometheus wo es nur geht auf Green Screen und zeigt wahrhaft epische Landschaften und der Film wurde direkt in 3D (Post-Avatar RED Epic Kameras)gedreht. Über den 3D-Effekt lässt sich sicherlich streiten. Technisch ist er hochwertig, wird aber sehr zurückhaltend eingesetzt – 3D-Übelkeit also unwahrscheinlich. Immerhin hat Scott es hinbekommen, dass der übliche 3D-Grauschleier so gut wie nicht auffällt und es nur sehr selten aus dem Bild hängende Objekte gibt. Ob man da nun 2D oder 3D favorisiert ist im Endeffekt eine Geschmacksfrage. Der Soundtrack ist eine interessante und abwechslungsreiche Mischung aus allen Alien-Motiven, einer guten Prise Star Trek und Monumentalfilm-Score, kann man echt nicht meckern. Bei den Schauspielern hat Scott bei den Hauptdarstellern ein gutes Händchen, gerade Fassbender und Theron spielen herausragend, Rapace fällt da etwas ab, dafür [SPOILER] meistert sie die wahrscheinlich brutalste und echt angsteinflößendste Kaiserschnitt-um-dein-Leben-Entbindung der Filmgeschichte [/SPOILER]. Der Rest der Darsteller spielt im Rahmen der Möglichkeiten, die ihnen das Drehbuch lässt durchaus gut, aber damit sind wir beim Problem. Den ca. 3-4 Drehbüchern, die man in eines gequetscht hat.

Holloway: What we hoped to achieve was to meet our makers, to get answers why they made us in the first place. David: Why do you think your people made me? Holloway: We made ya ‚cause we could. David: Can you imagine how disappointing it would be for you to hear the same thing from your creator?

Prometheus ist Humanity’s Beginning, Alien Origins, Weyland-Yutani Firmenkrimi, Bladerunner(ich warte darauf, dass Scott Bladerunner und Alien in ein Universum verfrachtet und schaudere UND frohlocke angesichts der Möglichkeiten und absehbaren Katastrophe), Religionskritik, Biowaffen-Thriller, Entdeckerdrama, usw. [Spoiler] Irgendwo zwischen der Prometheus-Sage und Berge des Wahnsinns [/Spoiler]. Alles in einem und sowas kann nicht gutgehen. In Teilen funktioniert der Film ganz wunderbar, nur um dann abrupt überzublenden und den Fokus zu verlieren. Man merkt regelrecht die raus gekürzten Handlungslöcher. Scott’s Director’s Cut ist 30mins länger an Handlung und selbst da habe ich meine Bedenken, ob nicht noch was fehlt. Scott will einfach zu viel und scheitert dabei. Einen Kritikpunkt möchte ich allerdings etwas entschärfen. Viele haben sich über den Intelligent Design-Plotpunkt aufgeregt, besonders in Europa, dabei hat Prometheus nichts mit dem üblichen, christlichen Kreationismus zu tun. Die Maker- oder Spreader-Theorie, sprich außerirdisches Leben ist mitverantwortlich für den Kickstart des Lebens auf der Erde – und nicht der direkten Erschaffung des Menschen – ist ein alter Hut in der Science Fiction. Das fällt auch nur negativ auf, weil Scott für den Mainstream mit viel Pathos und überdeutlichen – visuellen – Botschaften arbeitet, die im Zusammenhang teilweise doch etwas sehr dick aufgetragen sind.

Und aus diesem Sumpf kommt Prometheus auch nicht wieder raus und scheitert an seinen eigenen, viel zu hoch gesetzten Ansprüchen. Ist Prometheus deswegen ein schlechter Film? Gar nicht mal, obwohl ich jeden verstehen kann, der damit so überhaupt nichts anfangen kann. Trotz all seiner Fehler ist Prometheus nämlich immer wieder spannend und stylish. Als Alien-Fan kommt man eh nicht drum herum ihn sich anzusehen. Als Sci-Fi-Fan eigentlich auch nicht. Persönlich bin ich sowohl enttäuscht als auch gleichzeitig angetan von Prometheus. Sagen wir einfach mal: Give it a try!

A king(god) has his reign, and then he dies. It’s inevitable.“ Meredith Vickers

> FETTE SPOILER samt etwas Trivia<

-Meredith Vickers ist die Tochter von Peter Weyland, allerdings ist dieses Vater-Tochter-Verhältnis mehr als nur ambivalent. Weyland betrachtet den Androiden David als seinen eigentlichen Sohn David und beeinflusst kontinuierlich dessen Denkmuster. Ob Vickers nun die nicht gewollte Tochter ist, oder gar ein weiblicher Klon von Weyland ist sowohl als auch möglich und passt natürlich wunderbar in das Vorbild der Göttersage.

-Der „Konstrukteur„, der  beim Kickstart des Lebens auf der Erde Pate stand ist entweder ein Renegat seiner Rasse oder die Entscheidung wurde im Nachhinein revidiert. Die „Konstrukteure“ sind dabei keineswegs moralisch hochstehende, göttergleiche Wesen. Ganz im Gegenteil sind sie begabte Biotech-Spezialisten, die durch den eigenen Hochmut durch eine selbst entwickelte Biowaffe zu Fall gekommen sind. Ob dies nur für einen Außenposten gilt, oder für die gesamte Spezies ist unklar, aber ich habe so eine Vermutung, dass auf deren Heimatwelt ebenfalls die Scheiße durch den Ventilator geflogen ist. So wie die Konstrukteure die Menschen nicht als lebensberechtigt sehen, so behandeln die Menschen den Androiden David. Was doppelt ironisch ist, weil David als erster erkennt, dass die Menschen bei ihrer Kontaktaufnahme mit ihren „Schöpfern“ direkt in den Untergang laufen.

-Die Namen der Androiden in den Alien-Filmen folgen einem alphabetischen – chronologisch durch Prometheus gebrochenen – Muster: In Alien ist es Ash, in Aliens und Alien³ ist es Bishop, in Alien Resurrection ist es Call und in Prometheus ist es David.

– Gaaanz am Ende des Abspann schleicht sich ein „Brought to you by Weyland Corporation – Building better worlds. Since 10/11/12“ ein. Schauen wir uns die Weyland Industries Timeline an, findet sich unter dem Datum folgendes: „Weyland Corporation is recognized as a legal entity and corporation under United States law and receives their Certificate of Incorporation from the Companies House in the United Kingdom. Due to the combined value of Sir Peter Weyland’s various patents and patent-pendings, the company incorporates with a higher fair market valuation than any other company in history.

>>> Trailer Prometheus – Dunkle Zeichen

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13 Antworten zu „Review – Prometheus – Dunkle Zeichen“

  1. Cunningham schreibt:

    Ich habe bislang noch kein gutes Wort über diesen Film gehört…
    Gerade die Wissenschaftler sollen komplette Vollidioten sein und das Außerirdische Schiff soll in etwa so gefunden worden sein: Man guckt nach rechts „… oh, da ist es ja…“

    Hmmmm… alles in allem klingt das nicht gut.

  2. sirdoom schreibt:

    Wie gesagt: Your mileage may vary. Der Kontakt mit „dem Raumschiff“ als Kritikpunkt ist aber vollkommener Dummfug…

  3. Andai schreibt:

    Ich fand den Film dennoch guckenswert und bereue es nicht. Gab da schlimmeres.

  4. Ben Teddy schreibt:

    [Admin-Edit]Der Plot erinnert ziemlich an Aliens vs. Predator: Eine Handvoll Wissenschaftler begeben sich auf eine archäologische Reise. Sie treffen auf die Alienspezies und finden schnell heraus, [spoiler]dass sie als Menschen nur als Wirt für die Aliens eine Existenzberechtigung haben. Am Ende bleibt dann nur noch eine Frau übrig, die es mit wahnsinnigem Glück und aus unglaublichen Kräften heraus (unglaublicher als die Alienkreaturen selbst) schafft, zu überleben…[/spoiler] Die „Konstrukteure“ sind nur Mittel zum Zweck und der Film wäre auch ohne sie ausgekommen. Warum der Konstruktuer-Mensch sich am Anfang des Films selbst mit dem Alienvirus die Kugel gibt, ist mir bis jetzt noch ein Rätzel.

    Nichtsdestotrotz hatte der Film gute Ansätze, es wäre wünschenswert gewesen, hätte R. Scott das Gewicht mehr auf ruchlose Weyland Corporation gesetzt, anstatt das letzte Säureblutstropfen aus den Aliens herauszupressen.

    Die Visualen Effeckte sind dafür dann aber so umwerfend gut, dass sie einem den Kinobesuch nicht bereuen lassen.

  5. GondrinoGondrino schreibt:

    Die Anfangsszene zeigt mMn wie das Leben auf die Erde kam, hatte also nix mit dem Alien zu tun.

    Der Film ist irgendwie nicht rund, obwohl er viele gute Seiten hat (sirdoom hat sie bereits beschrieben). Es bleibt nach dem Schauen ein seltsames Gefühl zurück, vieles, zu vieles blieb ungeklärt und verwirrte mich (z. B. [Achtung Spoiler] warum machte David das mit Holloway.)

    Was mich immer wieder wundert, ist allerdings die blauäugige Darstellung einer solchen Expedition. Ein eher winziges Team. Man landet gleich mal das ganze Raumschiff, keine Angst vor fremdartigen Viren u.ä. (Helm abnehmen), die unprofessionelle Reaktion der beiden Wissenschaftler auf die fremde Spezies… MMn konnte das ganze nur in einer Katastrophe enden

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