„Mit Eisen und Blut“

Dr. Alexander Gauland(CDU), ehemaliger Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei, ehemaliger Herausgeber und Geschäftsführer der Märkischen Allgemeinen Zeitung und regelmäßiger Kolumnist des Tagesspiegel, der gerne den Verlust des konservativen Profils der CDU beklagt, hat sich in einem Tagesspiegel-Artikel[Warum sich die Deutschen mit Gewalt so schwer tun] dann doch mal ganz weit aus dem Fenster gelehnt.

Die Deutschen haben ein gestörtes Verhältnis zur militärischen Gewalt. Sie betrachten sie nicht als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln im Sinne von Clausewitz, sondern als das schlechthin Böse und Falsche, als ein Mittel, aus dem nie und unter keinen Umständen Brauchbares entstehen könne. […] Statt […] immer von Neuem die pazifistische Melodie zu singen, wäre es klug, eine politische zu intonieren, weil eben militärische Gewalt […] nicht an sich schlecht, sondern nur als falsche Politik schlecht ist. Das aber setzt voraus, dass die Deutschen wieder eine Tatsache der Weltgeschichte akzeptieren lernen, die Bismarck in seiner ersten Regierungserklärung als preußischer Ministerpräsident 1862 in die berühmten Worte fasste: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen – sondern durch Eisen und Blut.

(Militärische) Gewalt ist immer schlecht, sie ist bloß – leider viel zu – häufig unvermeidbar. Sei es als Selbstverteidigung oder Nothilfe. Der Unterschied ist nicht gerade klein. Und wie man sich mehr davon ernsthaft herbeiwünschen kann, ist mir ein Rätsel. Deutschland empfehlen sich mehr an Clausewitz zu orientieren, ist schon ziemlich kackdreist, denn jedes Mal, wenn Deutschland dies in den letzten 100 Jahren versucht hat, war das Ergebnis eher „suboptimal„. Und die Bismarck-Anleihe an „Eisen und Blut„(Verfassungsbruch Bismarcks im Zuge der Heeresreform) ist jetzt auch nicht unbedingt besonders „schlau„.

Auch  Dr. Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht, der neben seiner richterlichen Tätigkeit vor allem zu Fragen des Verfassungs- und Völkerrechts sowie der Verfassungsrechtsgeschichte vor und während des Nationalsozialismus publiziert, hat da ein paar recht eindeutige Worte zu…

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18 Antworten zu „Mit Eisen und Blut“

  1. Agent Pöhlemann schreibt:

    Lass mich raten… der Herr ist knapp 1.60 gross, hat in einem Keller eine riesige Sammlung an Zinnsoldaten, liebt Hüte mit spitzen Ecken und stolziert gerne durch seinen Garten mit einer Hand auf Brusthöge in den Anzug gesteckt?
    Jeweils Montags und Freitags beklagt er dann auch im Max-Havelaar-Shop den Verlust der Übersee-Kolonien 🙂

  2. sirdoom schreibt:

    Ich weiß es nicht, aber die Vermutung ist schon naheliegend 😉

  3. 3-6 schreibt:

    Deiseroth ist nicht nur in meinen Augen ein Wehrzersetzer und Kommunist … aber das stört Dich ja sicher nicht, oder? 😉

  4. 3-6 schreibt:

    Nachtrag: Krieg bzw militärische Gewalt ist ein Mittel zur Durchsetzung von Interessen. Und Mittel sind entweder geeignet oder ungeeignet bzw. zulässig oder unzulässig. Die Ziele dahinter können dann gern mit gut oder schlecht gewertet werden.

    Zur Haltung Deutschlands bzw der veröffentlichten Meinung und dem Ergebnis von Meinungsumfragen zum Einsatz von Militär bleibt nicht viel zu sagen – der Mann liegt richtig.

    Mehr dazu hier:

    https://sirdoomsbadcompany.wordpress.com/2012/08/09/waffengeschafte/#comment-8787

  5. sirdoom schreibt:

    Anhand dessen was in der Wikipedia steht und seiner Argumentation in diesem Fall, kann ich nicht erkennen, dass Deiseroth „Wehrzersetzer“(wobei ich hoffe, dass du § 109d Störpropaganda gegen die Bundeswehr meinst) oder Kommunist ist. Wenn du eine Quelle hast, danke. Wobei ich Schwierigkeiten habe mir vorzustellen, wie er in der Hochzeit der Berufsverbote fürs linke/linksextreme Spektrum Richter am Verwaltungsgericht geworden ist.

    Was den Gauland angeht: Mir geht es nicht um die reale Tatsache, dass sich manche Dinge nur militärisch lösen lassen. Mir geht es nicht darum hier einen auf Pazi-Hippie zu machen. Es geht mir hier darum, dass ein Sesselpfurzer einen auf Kriegstreiber macht und es gerne sehen würde, wenn unsere Soldaten noch an ganz viel anderen Schauplätzen mitkämpfen und mitsterben und bitte alle dies gutheißen sollen. DAS ist abartig…

  6. lawgunsandfreedom schreibt:

    Den Beitrag von Gauland habe ich schon vor ein paar Tagen gelesen – und so sehr das meine friedliebende und Gewalt ablehnende Ader schmerzt … er hat leider in der Sache recht.

    Kratzt an der hauchdünnen Schicht des „zivilisierten“ Menschen, dann kommt ein recht primitiver Primat zum Vorschein. Vor allem wird sich das kriegerische, brutale im Menschen – das evolutionsgeschichtlich sehr, sehr viel älter ist, als der gerade mal 100 Jahre alte Pazifismusbegriff – nicht mit der angesprochenen „diffusen“ pazifistischen Ideologie wegkriegen lassen. Die meisten Menschen wissen ja nicht mal, was Pazifismus genau ist, geschweige denn, daß es viele verschiedene Facetten davon gibt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Pazifismus

    Beigebracht hat man uns den absoluten Pazifismus. „Schlägt man Dich auf die eine Wange – so halte die andere auch hin“. Das ist auch der Tenor bei den Grünen, bei der Friedensbewegung und bei so manchen politischen Parteien. Als Totschlag-Argument kommen immer Ghandi und der Fall der Mauer. Aber hätte Ghandi nicht die Medien und viele Anhänger hinter sich gehabt, wäre das britische Empire nicht schon stark angeschlagen gewesen, gäbe es dann heute ein freies Indien? Und daß beim Mauerfall eine ganze Menge Glück im Spiel war, das kommt jetzt so nach und nach auch langsam raus. Denn das Militär war in Alarmbereitschaft und daß ein paar strategisch wichtige Telefonleitungen nicht funktionierten, war sicher nur Zufall …

    Wie viele Revolutionen und Freiheitskämpfe wurden tatsächlich gewaltfrei geführt? Wir leben in der Illusion einer gewaltfreien Gesellschaft und wünschen uns eine gewaltfreie Welt. Ich wünsche mir das auch. Aber ich brauche nur die polizeiliche Kriminalstatistik anzusehen, die sozialen und gesellschaftlichen Probleme in Deutschland, die Zustände in anderen Ländern … da ist ein gigantisches Konfliktpotenzial vorhanden, das wir nicht mit einem christlichen Spruch auf den Lippen und geheuchelter Nächstenliebe friedlich lösen können. Die echte pazifistische Ideologie/Philosophie leben wirklich nur die allerwenigsten Menschen. Die meisten Leute sind sicher friedliebend. Sie wollen keine Gewalt. Sie wollen vor allem nicht, daß ihnen Gewalt entgegengebracht wird – sei es nun durch Schläger in der U-Bahn oder durch ein politisches Regime.

    Man sollte sich klar machen, daß Gewalt tief in allen irdischen Kulturen verwurzelt ist und in sehr vielen verschiedenen Formen auftritt.

    Si vis pacem, para bellum … aber wenn ich mir dann ansehen muß, daß das Bundesverfassungsgericht gerade den Bundeswehreinsatz im Inneren durchgewunken hat …
    http://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehreinsatz-im-inneren-mit-vollem-potenzial-in-den-anti-terrorkampf-1.1444304
    http://www.sueddeutsche.de/politik/einsatz-der-bundeswehr-im-inneren-was-sich-mit-der-karlsruher-entscheidung-aendert-1.1443366
    und Prantls Kommentar dazu:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehreinsaetze-im-inland-karlsruhe-faellt-katastrophen-entscheidung-1.1443401
    Was befürchtet unsere Regierung von ihren Bürgern – von ihrem Souverän?

    Wir Deutschen leben seit vielen Jahrzehnten im Frieden. Wir mussten nicht kämpfen – erst weil wir als unzuverlässig galten und keine Waffen haben durften und auch nicht wollten (siehe dt. Wiederbewaffnungsdebatte), später, weil wir von Freunden umzingelt waren. Wir glauben, daß wir Pazifisten sind und wir schauen auch heute lieber weg, statt auf die überall vorhandene und ausgeübte Gewalt angemessen zu reagieren – nicht weil wir Pazifisten wären, sondern weil wir nicht gelernt haben, mit Gewalt umzugehen. Weil man uns beigebracht hat Opfer zu sein.

    A land consists of sheep denying there may be a wolf. But a wolf is always there, lurking and preying. Can’t disarm the wolf. Arm the sheep.

    Fazit: Wer glaubt, daß die Welt jetzt so weit ist, daß man allgemein mit Gewaltlosigkeit auf Gewalt reagieren kann, der träumt (eine schöne Utopie). In vielen Ländern der Welt wird Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit immer noch als Schwäche ausgelegt. Mit dieser Tatsache müssen wir nun mal leben – und mit der höchst unangenehmen Aussage von Gauland, die an unserem illusionären Selbstverständnis rüttelt.

  7. farmerboy schreibt:

    Wehrzersetzer? oO
    Arc, überprüf mal ernsthaft deinen Wortschatz…

  8. 3-6 schreibt:

    Ich kenne jemanden, der D beruflich von früher kennt. Und zwar von der anderen Seite des „Schreibtischs“.
    Was der Typ entschieden hat, ist der Hammer.

  9. 3-6 schreibt:

    Och. Da gibt es Reden des aktuellen Verteidigungsministers, die das Gleiche sagen.

  10. 3-6 schreibt:

    Der Prantl war ja mal Richter … merkt man nicht.

  11. sirdoom schreibt:

    Tonfall und Musik und so… ;)^^

  12. Wallace schreibt:

    Nur mal so als Einschub, muss ich an der Stelle auch noch mal darauf hinweisen, dass man Herrn von Clausewitz auch oft genug (meiner Ansicht nach) im falschen Kontext zitiert. Es sagt eben nicht „Krieg ist doch auch nur Politik, also stellt euch mal nicht so an wegen dem Bisschen Krieg“. Das ist nur, wie es gerne hingestellt wird.

    Er sagt viel eher sinngemäss „Krieg ist Politik, also gelten die gleichen Regeln wie in der Politik: Egal was wir tun, es wird nicht nur die unmittelbaren Folgen haben.“

    Der viel zitierte Satz vom Krieg als Politik mit anderen Mitteln stellt in der Tat den Wendepunkt zwischen seinen theoretischen Überlegungen und der Definition eines „totalen Krieges“ (in dem keine Mittel um den Sieg zu erringen verboten sind), zu seinen Überlegungen zu einem realen Krieg dar – namentlich, dass man mit den Folgen dessen was man im realen Krieg tut leben können muss…

  13. Agent Pöhlemann schreibt:

    Für Interessierte welche immer wieder mit Clausewitz um sich werfen:
    Guckt euch mal Jomini an – er führt die Ideen Clausewitz‘ in eher praktische Sphären.

    Passendes Zitat zum obigen Thema aus dem Text den ich verlinke:
    „Clausewitz does not, in Jomini’s eyes, disclose discoveries in those areas in
    which Jomini’s main interests lie: how does the international system work? How can one
    wage war, with all its different purposes, not only successfully but also legitimately,
    efficiently, and humanely? What makes the civil-military relationship work? How does one
    create an operational plan taking all foreign and domestic restraints into consideration?“

    Einfach einfach Übersicht was man zu erwarten hat findet sich in diesem Papier:
    http://www.homepage.bluewin.ch/abegglen/papers/clausewitz_influence_on_jomini.pdf

    Aber Vorsicht: Jomini im Original zu lesen ist ein harter Brocken – vor allem weil vieles an zitatwürdigem, effektiven Schlagworten fehlt (im Gegensatz zu Clausewitz…)

  14. Wallace schreibt:

    Wer gerne mit Clausewitz um sich wirft, sollte erst mal Clausewitz lesen. Daran scheitert es ja bei den Meisten schon. 😀

  15. sirdoom schreibt:

    Womit es ja nicht getan ist. Vom Kriege isoliert zu lesen ist auch nur so mittelmäßig hilfreich. So ein absoluter Grundstock ist eigentlich Machiavellis Il Principe und die Discorsi, ein Haufen Geschichtsbücher zum Umfeld von Clausewitz, die militärischen Aspekte von Leo Tolstoys Werken, 1-2 Fachbücher zur napoleonischen Staats- und Kriegsführung, die französische Seite mit Antoine-Henri, der Baron Jomini(s.o.) und eventuell noch Marx/Lenins Reflektionen/Umsetzungen in Bezug auf Russland…

  16. Cunningham schreibt:

    @doomi:
    Mit welchen dieser Bücher würdest Du denn den Einstieg empfehlen?

  17. sirdoom schreibt:

    Preiswert gehalten: Ein passendes Geschichtsbuch und „Vom Kriege“ aus der Bücherrei, dazu der ENGLISCHE(!) Wikipedia Text mit den weiterführenden Links, eventuell noch Clausewitz: A Very Short Introduction von Michael Howard(Enlightened War: German Theories and Cultures of Warfare from Frederick the Great to Clausewitz ist einfach verdammt zu teuer mit).

    Wenn du dann weitere Fragen und Interesse daran hast, dann kannst du anfangen dich mit Jominin, Leo Tolstoy, Hans Delbrück(Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. 4 Bände, Berlin 1900–1920; neue Auflage, Walter de Gruyter,) und absolut alles von Edward Luttwak[Coup d’Etat(a practical Handbook ) – Harvard University Press kann und sollte man auch einfach so mal lesen, ist auch super unterhaltsam(!), hat aber nur sehr sekundär mit Clausewitz zu tun] zu beschäftigen.

  18. farmerboy schreibt:

    Kleiner Nachtrag zu „Wehrzersetzer“:
    Ich meinte eher daß es mich ein wenig beunruhigt wenn Leute unreflektiert das Vokabular des 3. Reichs benutzen so wie du oben.
    So als Ansatz wieso einmal Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Wehrkraftzersetzung.
    Hat schon seinen Grund warum der Begriff so in unserer Rechtssprechung nicht mehr auftaucht.
    Und gerade von dir, 3-6, erwarte ich als Bürger dieses Staates und damit dein Souverän(! )*g* etwas mehr Feingefühl. Wehret den Anfängen usw 😉

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