„Sie wollte es!“

Abtreibung, Vergewaltigung und Republikaner. Die Demokraten müssten sie erfinden, wenn es sie nicht gäbe. Das republikanische Mitglied des Repräsentantenhauses Todd Akin, der sich gerade um einen Senatsposten bewirbt, ist ein strammer, religiöser Rechtsausleger, der u.a. der Meinung ist, dass die US-Pilgerväter ursprünglich Sozialisten waren, die zum wahren Glauben des Kapitalismus bekehrt wurden. Die Bibel solle man als Blaupause für die gesamte Gesellschaft sehen, nicht nur privat, sondern in allen Bereichen des Leben. Wirtschaft, Politik und natürlich besonders im Unterricht. Natürlich verurteilt er Homosexualität, geht dabei aber weiter als viele seiner Gesinnungsgenossen. Er warnte 2006 im Repräsentantenhaus vor der gleichgeschlechtlichen Ehe, weil die gegen Gott ist, Dekadenz pur sei und den Untergang der Zivilisation bedeute. Nachdem ausgelebte Homosexualität der Weltuntergang ist, bleiben nur wenige Schritte zu anderen Standpunkten, bei denen so mancher Taliban liberal aussieht. Natürlich ist Akin gegen Abtreibung jeglicher Art, egal ob es gesundheitliche Risiken gibt(Tod der Mutter, allerschwerste Behinderung des Kindes) oder ob es sich um eine Abtreibung nach einer Vergewaltigung handelt. Aber dabei konnte er es nicht belassen, er musste noch einen Schritt weiter gehen.


In einem Interview gab er folgendes zu Protokoll: „Well you know, people always want to try to make that as one of those things, well how do you, how do you slice this particularly tough sort of ethical question. First of all, from what I understand from doctors, that’s really rare. If it’s a legitimate rape, the female body has ways to try to shut that whole thing down. But let’s assume that maybe that didn’t work or something. I think there should be some punishment, but the punishment ought to be on the rapist and not attacking the child.“

Akin sagt also: Wenn eine Frau wirklich vergewaltigt wird, wird sie nicht schwanger. Ein geheimnisvoller weiblicher Vorgang verhindert das. Wenn eine Frau doch schwanger wird, kann es keine Vergewaltigung gewesen sein. Um es noch deutlicher zu machen: Es gibt keine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung. Wenn eine Frau behauptet, sie sei nach einer Vergewaltigung schwanger, lügt sie. Sie wollte es! Was generell eine weit verbreitete Auffassung in rechten Fundi-Christenkreisen ist. Der republikanischen Parteispitze und Mitt Romney sind natürlich kollektiv die Halsschlagadern geplatzt und sie wollen Todd Akin möglichst gestern verschwinden sehen. Ganz problematisch für Romney: Neben dem PR-Desaster steht sein Running-Mate Ryan Todd Akin ziemlich nahe und hat begeistert mit ihm zusammengearbeitet[Link]. Die Tea Party hat dazu ihre eigene Meinung: Es ist eine Verschwörung von Obama und trotzdem hat Akin eigentlich irgendwie recht… mehr Hintergrund zu Rape-Gate hier.

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30 Antworten zu „Sie wollte es!“

  1. The Nightwatcher schreibt:

    Sowas wie Vergewaltigungen gibt es doch gar nicht, nennen wir es doch einfach Überraschungssex! … *kopfschüttel*

  2. sirdoom schreibt:

    Sowas wie Überraschungssex gibt es auch nicht. In der Ehe – und nur da ist Sex wirklich erlaubt – ist es keine Überraschung wenn man sich nach Zeitplan am Wochenende paart. Und wenn das aufrechte und beliebte Gemeindemitglied von der 14-jährigen verführt wird, dann sündigt die frühreife Frucht, aber es keine Vergewaltigung, besonders wenn sie schwanger wird! Es gibt allerdings durchaus eine wirklich vorhandene Form von Vergewaltigung, die auch die Reps als solche akzeptieren. Sex zwischen verschiedenen Hautfarben/Ethnien ist immer eine Vergewaltigung. Letzteres „Argument“ habe ich mir leider nicht ausgedacht, in ultrarechten Kreisen der Reps schwirrt das so rum…

  3. XDragoon schreibt:

    „Wenn jemand an eine Jungfrau kommt, die nicht verlobt ist, und ergreift sie und schläft bei ihr, und es findet sich also, so soll, der bei ihr geschlafen hat, ihrem Vater fünfzig Silberlinge geben und soll sie zum Weibe haben, darum daß er sie geschwächt hat; er kann sie nicht lassen sein Leben lang.“
    – 5 Mose 22.28

  4. sirdoom schreibt:

    Womit immerhin eine christliche Jungfrau mehr wert ist, als wenn Jesus an die Römer verraten wird. Aber der sollte ja auch für die Menschheit sterben, was auch gut war, weil er heimlich Kommunist war. Welche bessere Lösung gibt es, als wenn der Kommunist stirbt und damit die Sünden der Menschheit tilgt? Sehr genial eingefädelt 🙂

  5. sirdoom schreibt:

    „Akin, sagen entgeisterte Parteimanager, sei weder von Romney noch von anderen Bossen einzuschüchtern. Denn er sehe sich als von Gott gesandten, gesalbten Krieger. Dass seine Parteioberen ihn um die Wette „unter den Bus werfen“, wie es das plastische Image eines Opfers für höhere Ziele im Amerikanischen vorgibt, macht ihm keine Angst. Er ist ja schon tot.“ [Link]

    Die Verschwörungstheorien im Kommentarbereich sind auch ganz großes Tennis!

    Akins Verteidigung ist übrigens ansonsten der klassische, konservative Dreikampf: Leugnen, Kleinreden, Linke sind schuld! 😀

  6. sirdoom schreibt:

    Die US-Karrikatur-Szene ist sehr dankbar für die Vorlage…
    Dropping out - small differences

  7. sirdoom schreibt:

    Auch lustig und ein weiterer Schmerz in Romneys Anus: Von überall kriechen jetzt Akin-Sympathisanten aus den dunklen Schatten der ganz rechts-religiösen Seite der GOP ans Tageslicht und verteidigen Akin mit, nun ja, „Argumenten“, die nicht besonders hilfreich sind. Zumindest nicht für die Wahlchancen der Republikaner…

    Ein Beispiel: „God chose to bless women with pregnancies from rape.“

  8. Seitliches Problem an der Sache: Für UNS sind das Gründe, keine Republikaner zu wählen. Bei den Amis… Ist das z.T. leider eine andere Geschichte…

  9. sirdoom schreibt:

    Wobei auch bei den Amis da ein Riss durchs Land geht und insbesondere die Frauen richtig angefressen sind, weswegen Romney ja auch so panisch ist. Der geringe Prozentsatz an Frauen im aktiven christlich-fundamentalistischen Umfeld macht vom Grad der Dämlichkeit und der Lautstärke her Krach für viele.

  10. Joa, da hast du durchaus recht. Ich finds nur tatsächlich immer ein bischen schwierig, weil es für uns (ja, auch für mich als liberal-konservativen Fundi-Christen 😉 ) immer leicht is danebenzustehen und zu sagen „Sieht man doch sofort!“. Man muss immer auch ein bischen daran denken, das die Bandbreite an Wählern in den USA doch ein bischen größer ist als hier in D-Land. Und: Mehr Wähler = Mehr Herdentrieb = Mehr Idioten (und ja, da gehe ich mit Josh Lyman überein und bin Elitist 😉 )

  11. sirdoom schreibt:

    Josh Lyman kann man auch schwer widersprechen*g*. Wobei die „Ausgeprägtheit“ der Religiösität in den USA wirklich um einiges höher ist, als in „good old europe“. Abgesehen von Zugewanderten und dem Backlash in der christlichen Gemeinde(Wir wollen auch Kreuzzüge und die Ungläubigen gehören aufgehängt), was aber immer noch nicht an die USA ran kommt.

  12. Cunningham schreibt:

    Jeder vierte Amerikaner (auch George W. Bush) hat deutsche Vorfahren… jetzt überlegt mal weiter…

  13. sirdoom schreibt:

    Man kann sich seine Verwandtschaft nicht aussuchen? 😉 Ein Glück sind wir die religiösen Fundis damals größtenteils losgeworden? Ne, ist schon klar, aber generell hat Religiösität in den Staaten doch einen anderen Stellenwert als in Europa.

  14. korsar schreibt:

    Jupp. Vor allem, wenn ich dann darüber nachdenke, das es Leute in meinem Bekanntenkreis gibt, die die CDU nur wegen dem „C“ wählen und sich drüber aufregen, dass die jetzt die gleichgeschlechtliche Ehe steuerlich gleichstellen wollen… Manchmal bin ich echt froh, das wir _nicht_ so wie die Amis sind…

  15. Cunningham schreibt:

    Na welch ein Wunder.
    Nehmen wir doch mal den guten Peer. Er gehört in Europa, speziel in Deutschland verfolgten religiösen Minderheit an und dieser junge Mann hat jetzt die Möglichkeit in eine neue Welt auszuwandern, braucht dort nur die heidnischen und primitiven Ureinwohner auszurotten, kann sich dort breit machen und seine in der alten Heimat verbotenen Bräuche ausleben. Natürlich wird er das bis an die Grenzen seines möglichen tun.

    Vieles, worüber wir Europäer hier die Hände über den Kopf zusammenschlagen ist in Amerika das logische Endergebnis historischer Ereignisse. Wir haben von den Amis so wenig Ahnung wie die von uns und das ist bekanntlich ziemlich wenig.

  16. sirdoom schreibt:

    Du solltest mich gut genug kennen, dass ich nicht zu freudigem Ami-Bashing aus Gewohnheit neige. Bei uns in Europa haben wir genug eigene Idioten. Aber gerade was das Thema des Artikels angeht, reden wir von einer Dimension und Einstellung dazu in den USA, die in Europa so nicht vorhanden ist.

    Allerdings wächst auch bei uns leider die sogenannte „Pro-Life-Bewegung“, die immer gegen Abtreibungen brüllen und sich im gemurmelten zweiten Satz für Vergewaltigungen – „Sie wollte es“, unterwürfige Frauen, Rassismus und den ganzen dreckigen Rest aussprechen. Ich will dabei keineswegs allen Abtreibungsgegnern sowas unterstellen, aber eine gewisse Tendenz ist da schon recht eindeutig zu erkennen, wenn man sich anschaut, was die Wortführer da von sich geben und wie sie argumentieren.

  17. 3-6 schreibt:

    Dafür haben wir hier das andere Extrem, wie man beim Kachelmann gut sehen konnte: der kann sich wegen einer eifersüchtigen Tussi jetzt wieder in der Schweiz die Berge ansehen.

    In den USA gibt es eben wirkliche Meinungsfreiheit, eine Folge davon ist nunmal, dass das gesamte Spektrum an menschlichem Denken geäußert wird.
    Und so wie wir hier vor 20 Jahren über die fetten Amis gelästert haben, lästern wir heute über die religiöse Rechte. Und keiner hat zB gemerkt, mit welchen Leuten unser Bundeswulff so rumhing / rumhängt.

  18. Cunningham schreibt:

    @doomi:
    Ich wollte Dir gar nichts unterstellen, sondern einen in Deutschland recht unbekannten Blickwinkel aufs Trapez bringen.
    Das ich Dich dabei ein wenig stichel… ja nu 😉

  19. sirdoom schreibt:

    Vorweg: NEBENKRIEGSSCHAUPLATZ, sie Ablenker! 😀

    Das Kachelmann-Beispiel ist ja nicht neu, das gabs doch auch schon bei Ex-Unterschichtsfernsehenmoderator Andreas Türck. Wenn es da angemessene Schadensersatzzahlungen geben würde, wäre sowas ja noch tragbar, aber in Deutschland bekommst ja auch nur 10€ pro Tag Schadensersatz, wenn zu 20 Jahre zu unrecht eingeknastet warst. Abzüglich der Verpflegungskosten wohlgemerkt. Das Thema ist natürlich eh ein minenfeld sondergleichen. Kleine Anekdote: In republikanischen Kriesen wird zunehmend aktiv Geschichtsfälschung begangen, da eine der Ikonen der Reps, Ayn Rand(Atlas wirft die Welt ab/Wer ist John Galt?/Original Atlas Shrugged) absolute ultraharte Verfechterin von „pro choice“ und dem Recht auf Abtreibung war. Macht sich im derzeitigen Klima ehr nicht so gut. Wobei man nicht vergessen darf, dass der extreme pro life Trend bei den Reps auch erst in den letzten 30 Jahren entstanden ist im Zuge der Radikalisierung der christlichen Subströmungen. Selbst Ronald Reagan war noch pro choice und hätte jemanden wie Todd Akin an eine ICBM binden lassen und aus dem Sonnensystem gejagd.

    Was Meinungsfreiheit angeht, muss man aber durchaus mal vorsichtig sein. Sowohl in den USA wie in Deutschland haben wir Meinungsfreiheit, Deutschland hat als Ausnahme Holocaustleugnung. In beiden Ländern wird man aber wegen unterschiedlicher Dinge sozial geächtet. Und was Bundeswulff angeht: Bemerkt wurde das u.a. in der Süddeutschen und in der Zeit, oder meinst du gar nicht Wulffs Verflechtung mit der protestantischen Sektenszene?*g*

  20. 3-6 schreibt:

    Geschrieben wurde drüber, aber thematisieren sieht doch anders aus.

    In Deutschland gibt es aber für nicht-radikale konservative Meinungen keine Presseorgane, die entsprechend berichten würden. Oder anders – es gibt eigentlich keine Medien, die nicht wertend berichten.

    Ansonsten wüsste ich nicht, was ich groß schreiben soll. Der Typ ist ein Trottel und beweist eindrucksvoll, dass rechts von einem amerikanischen Konservativen nur noch die Wand kommt.

  21. sirdoom schreibt:

    Danke :)^^

    Wobei selbst mir gerade nicht wirklich was einfällt, wo traditionell konservative Meinungen abseits des Radikalismus und mit Niveau oberhalb BLÖD-Stammtisch medientechnisch ernsthaft aufbereitet werden. Ausnahmen und Einzelfälle bestätigen die Regel. Und Süddeutsche würde wenn nicht zählen, das ist keine deutsche sondern eine bayrische Zeitung.

    Ich hab ja den Verdacht, dass das auch mit einem Generation Gap zu tun hat. Steinzeit(rein zeittechnisch, diesmal nicht wertend 😉 )-Konservative haben sich zu erfolgreich zu lange gegen Erneuerung gewehrt und jetzt gibt es da eine Lücke. Was für die allgemeine Politikkultur übrigens eher schlecht ist, auch wenn ich jetzt kein Fan der konservativen Seite bin.

  22. 3-6 schreibt:

    Solange der Prantl in der SZ schreibt, kommt mir diese Kommi-Postille nicht ins Haus.

  23. sirdoom schreibt:

    Bayernkurier?

  24. sirdoom schreibt:

    Nebenbei: Es geht auf demselben Niveau weiter. Außereheliche Kinder zu haben ist laut Pennsylvania State Senate Member Tom Smith übriegens dasselbe wie eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung, aber auch da wählt man schließlich das Leben und nicht die Abtreibung… weil man sonst in die Hölle kommt… Echt jetzt, wo finden die solche Leute immer und wie viel Spielraum nach oben ist bei den Aussagen der Reps noch? [Link]

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