„Metzger und die Schnittwerkzeuge“

Das Thema „Religiöse Beschneidung“ wandert ja noch immer durch die Landschaft. Neues zur Diskussion ist nicht mehr zu erwarten, es wurde schon alles gesagt[u.a. hier und hier]. Auf der einen Seite Brauchtum, Religionsfreiheit, spirituelle Zugehörigkeit. Auf der anderen Seite körperliche Unversehrtheit, Kindeswohl und eigene Entscheidungsfreiheit. Wenn überhaupt kommt dabei ein fauler Kompromiss raus, der das Thema für die nächsten zehn Jahre begräbt, bis es wieder ausbricht. Das hindert uns zum Glück nicht daran, uns auf die lustigen Seiten der Debatte zu stürzen. So kam dieser Tage einer der beiden Oberrabbiner Israels nach Berlin, um für Dialog zu sorgen[Link].

Wobei die Realität wieder ein Ausrufezeichen gesetzt hat, was man einem Drehbuchschreiber nie glauben würde. Der Oberrabbiner Israels, der in Sachen Beschneidung in Deutschland unterweg ist heißt ungelogen Yona Metzger! Er zählt zu den liberalen, gläubigen Kräften, wobei in dem Zusammenhang liberal auch so eine Sache ist. Aber zumindest von Seiten seiner politischen Gegner past es, die „liberal“ mit kriminell und unmoralisch gleichsetzen. Auch ohne Gerichtsverfahren fand der Generalstaatsanwalt Israels, Menachem Mazuz, klare Worte für Metzger und legte ihm im Zuge der Ermittlungen wegen Betrug, Korruption und einiger sexueller Anschuldigen, tunlichst den Rückzug nahe. Kleines Gedankenexperiment: Mullah Omar kommt nach Deutschland und legt allen Gläubigen nahe auf deutsche Gesetze zu pfeiffen und sagt man müsse auf die religiösen Gesetze hören, die Vorrang hätten. Als „Kompromiss“ bietet er etwas an, was irrelevant ist. Ich höre schon die Explosion des gerechten Volkszorns. Rabbi Metzger bleibt dies erspart. Aber kommen wir zum Schlussgag. Metzger hat in einem Interview den Muslimen jegliches „Recht“ an Jerusalem abgesprochen, denn Jerusalem gehöre den Juden. Mal abgesehen davon, dass solche Besitzansprüche aus religiösen Gründen eine Beleidigung für jeden Nichtgläubigen sind – wenn die mal so schnell beleidigt wären wie die Gläubigen – so wäre es doch interessant, ob Christen da derselben Meinung sind, Stichwort Jesus. Auch die Kasperlbude Deutscher Ethikrat hat sich mit dem Thema befasst und ist schließlich zu dem „Kompromiss“ gekommen, dass die Beschneidung unter Auflagen in Ordnung geht. Zu den Auflagen gehören: Die Einwilligung beider Elternteile, die Möglichkeit, die Schmerzen etwa durch Betäubung zu lindern, die umfassende Aufklärung über mögliche Risiken und die fachgerechte medizinische Ausführung der Beschneidung. WTF? Wie sah das denn vorher aus? Wo ist da ein verdammter Kompromiss??? Was soll man sagen, immerhin taugt die ganze Sache noch für ein paar lahme Gags…

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16 Antworten zu „Metzger und die Schnittwerkzeuge“

  1. Ben Teddy schreibt:

    Eine solche Abwägung, zwischen körperliche Unversehrtheit und Religionsfreiheit, fällt natürlich schwer und man bricht natürlich auch eine tief sitzende Tradition damit, wolle man die Beschneidung streng per Gesetz regeln, oder gar verbieten.
    Hat sich eigentlich schon einmal jemand darüber beschwert, dass er aus religiösen Gründen beschnitten worden ist? Wenn ja, dann muss eine gesetzliche Regelung zum Schutz solcher Personen getroffen werden. Wenn nein, dann ist die obige Regelung ausreichend.

    Wir sind einfach noch nicht soweit, als dass wir ohne Glaube und Religion auskommen, ein Mensch ohne Glaube und Religion ist wie eine Figur aus einem Science-Fiction-Roman.

  2. Cunningham schreibt:

    Ich bin mir sicher, Major Kira Nerys hat dazu eine durchaus differenzierte Meinung… 😉

  3. Ben Teddy schreibt:

    Das glaube ich weniger, Major Kira Nerys kann als Fantasiefigur nämlich keine echte eigene Meinung haben, denn sie existiert nicht und sie wird auch nicht in der Zukunft existieren. Die Zukunft der Menschheit wird auch wohl kaum wie in Star-Treck sein.

    Aber Okay! Es gibt wohl auch Science-Fiction-Figuren, die an Bajoranische Propheten glauben! (Beim nächsten mal frage ich vorher besser mal Lt. Cmdr. Data um Rat, bevor ich hier schreibe.) 😉

  4. Cunningham schreibt:

    >Die Zukunft der Menschheit wird auch wohl kaum wie in Star-Treck sein.<

    Ist das gut oder schlecht?

  5. Ben Teddy schreibt:

    Ich glaube für uns, die wir jetzt leben, ist diese ‚gut oder schlecht‘ – Frage bezüglich der fernen Zukunft nicht von großer Bedeutung.
    Gegenwärtig würde ich aber unsere Situation, angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Krisen (Energiekrise und die damit verbundene große Wirtschaftskriese) und möglicher Nuklear- und Naturkatastrophen, eher als „schlecht“ einstufen.

    Nach meiner Ansicht erleiden wir entweder einen Rückschlag, so schwer, dass wir uns als eine art mutierter Mensch in einer neuen Stein- oder Eiszeit wiederfinden und letztendlich aussterben, oder wir schaffen es wirklich fremde Sterne zu bereisen, dann werden wir uns jedoch derart mit unserer Technik verschmolzen haben, dass wir uns als „Mensch“ neu definieren müssten. Bei letzterem wird und kann es ein so „romantische Thema“ wie Religion nicht mehr geben.

  6. sirdoom schreibt:

    Zum Thema „wir werden alle steeerben“ fällt mir doch glatt noch was ein…

  7. farmerboy schreibt:

    Gerade bei letzterem kann ich mir durchaus einige Varianten von starker Religiösität vorstellen. Der menschliche Geist neigt nun einmal dazu Götter zu erschaffen wenn er auf neue Grenzen stösst.
    Aber wir schweifen ab.
    Abgesehen davon halte ich die Menschheit – im Gegensatz zu einzelnen Menschen – für beinahe so schwer auszurotten wie Kakerlaken… 😉

  8. Ben Teddy schreibt:

    Jetzt beleidige doch nicht die Kakerlaken, die waren schon lange vor uns da. 😉

  9. Ben Teddy schreibt:

    😀

  10. sirdoom schreibt:

    Da wir uns hier ja mal auf die witzigen Details konzentrieren wollen, einen hab ich noch!

    Wenn es um die Gurke geht, dann haben sich alle ganz schnell lieb und so protestieren jüdische Gruppen und die Hamas gegen das Beschneidungsverbot! Epic!

  11. XDragoon schreibt:

    Du hast das Update anscheinend verpasst oder übersehen. Diese hier als Hamas-nah dargestellte Organisation (ich weiß es nicht wirklich) wurde wieder von der Unterstützer-Liste gestrichen. Aber an sich doch mal schön zu sehen, wenn Muslime und Juden sich einander annähern – wäre nur schön, wenn sie sich als gemeinsames und einendes Feindbild nicht ausgerechnet Bürgerrechtler ausgesucht hätten.

  12. sirdoom schreibt:

    ^^Also das Update hatte ich nicht auf dem Radar, eben erst gesehen. Trotzdem sowohl witzig wie auch traurig…

  13. farmerboy schreibt:

    Was heist hier beleidigen, das war ein Kompliment an die kakerlak´sche Zähigkeit. 😉

  14. pseudo-anonymous schreibt:

    „Wie sah das denn vorher aus? Wo ist da ein verdammter Kompromiss?“
    (sirdoom)

    Für Personen, die ab und an mal die Denkmaschine anwerfen und leicht medienkritisch durch die Welt laufen: es hat sich nichts geändert, es gibt keinen Kompromiß. Im Westen nichts Neues. Aber irgendwie muß der bildungsferne und doch BILDungsnahe Pöbel ruhiggestellt werden. Im Journalismus spricht man gerne vom „Zurückrudern“ und einlenken, glaube ich.

    Für Otto Normalverbraucher und Gerda BLÖDzeitungsleserin: Yeah! Wir sind Pabst! Jetzt wird nicht mehr im Hinterhof des MacKoscherburger geschnippelt! Vorhaut wird nun sauber entfernt! Keine gemeinen Metzgeraktionen mehr! Wir bewegen was!

  15. 3-6 schreibt:

    Gut. Zumindest, wenn man Hosentaschen mag 😉

  16. sirdoom schreibt:

    Oder Pyjamas! 🙂

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