„Operation Mohammed“

Eine „Terrorwelle“ wandert mal wieder durch den Nahen Osten und Afrika. Die Gefühle islamischer Gläubiger wurden durch einen Film verletzt und alles geht in Flammen auf. So weit, so banal, so cliché. Doch schauen wir uns die Sache doch mal etwas genauer an…

Laut der allgemeinen „Story“ der Medien soll ein israelischer Jude mit fünf Millionen US-Dollar Budgetgespendet von jüdischen Spendern – einen islamkritischen Film gedreht haben und ist jetzt aus Angst vor den Muslims untergetaucht. Na, habt ihr die Signalwörter schon erkannt? Das Machwerk namens „Innocence of Muslims“ hat bisher noch keiner gesehen, außer einigen Ausschnitten auf Youtube, die es da allerdings schon länger zu sehen gibt, bisher aber keine Sau interessiert haben. Nun wurden diese Ausschnitte noch mal mit arabischen Untertitel unterlegt und extra in den sozialen Netzwerken des Nahen Ostens gesäht. Befeuert von einer gut organisierten Unterstützergruppe, die inklusive  zusätzlicher Übertreibungen dafür sorgte, dass wirklich jeder davon erfuhr. Prompt kam es zu Demonstrationen, die wie üblich gegen die USA gerichtet waren. Interessant war die gute Organisation der Demonstrationen, die offensichtlich von einem Haufen Salafisten angeführt wurden. Es gibt auch gute Fernsehbilder davon zur besten Sendezeit. Zwei Stunden später sah man nur noch einen einsamen ZDF-Reporter und zehn Demonstranten, die friedlich protestierten und keinen einzigen Salafisten. Während einer dieser „spontanen Demonstrationen“ kam es auch zum Sturm der US-Vertretung in Bengasi/Libyen und dann wurde der US-Botschafter J. Christopher Stevensder in Libyen übrigens außerordentlich beliebt war, weil er die Rebellen gegen Ghaddafi von Anfang an unterstützte – bei einem Anschlag auf seinen Auto-Konvoi getötet. Zusätzlich wurde auch die US-Botschaft im Jemen gestürzt. Ägypten, Libyen und der Jemen, alles Länder wo moderate, islamische Politiker versuchen nach Absetzung der Diktatoren irgendwie Stabilität zu schaffen. Und wo Al-Kaida und die Salafisten versuchen die Revolution zu übernehmen und ihren faschistischen Gottesstaat zu etablieren.

Für diese ganze Sache gibt es jetzt genau zwei Optionen. 1. Christliche Fundis haben diesen debilen Hass-Film gedreht – wer den mit Life of Brian/Kritik an der christlichen Kirche vergleicht muss einige größere Gehirndefekte haben – und die islamischen Extremisten haben sich vor Freude die Hände gerieben und es genutzt. 2. Das Ganze war von Anfang an eine geplante Al-Kaida Operation. Würde beides passen. Und es gibt den üblichen Verdächtigen genau dass, was sie haben wollen. Barbarische Muslims sind beleidigt und töten Menschen und alle sind empört und fordern Vergeltung. Die Christennazis jubeln, die Faschomullahs auch. Die ganze Geschichte stinkt sowas von zum Himmel…

Auch schön: Es ist ja gerade Wahlkampf in den USA und natürlich wird dem regierenden US-Präsidenten jetzt vorgeworfen nicht hart genug aufzutreten. Al-Kaida reibt sich schon die Hände. Nichts ist hilfreicher als US-Kriegsschiffe vor der Küste und ein Haufen US-Marines im Land. Die eröffnen beim nächsten Mal nämlich – berechtigterweise – das Feuer auf die Menge und dann geht es richtig rund…

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2 Antworten zu „Operation Mohammed“

  1. sirdoom schreibt:

    Wie nicht anders zu erwarten schicken die USA Marines, um die Sicherheit zu verstärken, was dann prompt von den freundlichen Hasspredigern im Freitagsgebet aufgegriffen wurde, wobei es eigentlich vollkommen egal ist, ob da nun Marines hingeschickt wurden oder nicht, notfalls hätte man einen anderen Grund gefunden. Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass dieser „spontane Volkszorn“ häufig genug minutiös von Radikalen und/oder den Regimes vor Ort geplant wurde.

    Die syrischen Rebellen kommen sich dabei ziemlich verarscht vor: „Vielleicht sollten die Syrer einfach auch einen Film drehen, der den Islam beleidigt. Vielleicht stürmen die Ägypter dann die syrische Botschaft in Kairo.“

  2. Pingback: “The Golf of Senkaku Incident” |

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