„Burschenschaftlicher Offenbarungseid“

Es kommt ja immer wieder die Frage auf, was man so von gewissen Burschenschaften halten soll. Sind sie nur konservativ und alten Traditionen verbunden? Oder sind sie ganz einfach rechtsextreme Ewiggestrige? Meistens wird bei dieser Diskussion geschrien. Zumindest eine Burschenschaft hat es in den letzten Jahren ganz klar geschafft sich zu positionieren und für Aufklärung zu sorgen[hier hatten wir auch schon mal was zu]. Dafür immerhin herzlichen Dank. Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks (kurz Raczeks) ist eine 1817 als „Breslauer Burschenschaft“ gestiftete, pflichtschlagende Studentenverbindung im Dachverband der Deutschen Burschenschaft und gehört als Gründungsmitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft an.

Mitte Juni 2011 wurde bekannt, dass die Burschenschaft der Raczeks zum Burschentag der Deutschen Burschenschaft einen Antrag auf Ausschluss der dort ebenfalls organisierten Burschenschaft Hansea zu Mannheim vorbringen wollte. Diese Verbindung hatte zuvor einen Studenten in die Aktivitas aufgenommen, der zwar in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, jedoch chinesische Eltern hat. In ihrer Begründung zu diesem Antrag hieß es von den Raczeks: Es sei „besonders in Zeiten fortschreitender Überfremdung nicht hinnehmbar, dass Menschen, welche nicht vom deutschen Stamm sind, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen werden„[Quelle]. In einem in der Mitgliederzeitung der Burschenschaft 2011 abgedruckten Leserbrief bezeichnete der Raczek Norbert Weidner den Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als „Landesverräter“ und seine Verurteilung zum Tode durch ein SS-Standgericht als „rein juristisch für gerechtfertigt„*. Der Leserbrief war eine Antwort auf den Brief eines anderen Raczeks, welcher Bonhoeffer als „Vorbild für heutige Burschenschafter“ bezeichnet hatte.

*Natürlich war die Exekution Bonhoeffers selbst nach geltendem Recht des Deutschen Reiches illegal. Theoretisch musste man sich auch in der faschistischen Diktatur an die eigenen Gesetze halten. Wobei das in dieselbe Kategorie fällt wie „Der Holocaust war juristisch gerechtfertigt, es gab ja Rassengesetze„…

Dies ging dann aber sogar Verbindungsbrüdern zu weit. Raczeks-Mitglied Christian J. Becker, Mitbegründer der Initiative Burschenschafter gegen Neonazis, bloggte über rechtsextreme Umtriebe in der Burschenszene und auch über Norbert Weidner den er als einen „der Köpfe einer rechtsextremen Bewegung aus Burschenschaften, NPD und Kameradschaften“ bezeichnete. Weidner ging dagegen gerichtlich vor und verlor den Prozess. Anscheinend war dies etwas zu viel des Guten für die Raczeks, denn Christian Becker ist nun aus der Studentenverbindung ausgeschlossen worden. Die Raczeks haben ihn und ein weiteres Mitglied am Wochenende mit großer Mehrheit wegen „bundschädigenden Verhaltens“ ausgeschlossen. Als Begründung wurde verlautet, dass die beiden ehemaligen Mitglieder das Ansehen der Burschenschaft in der Öffentlichkeit beschädigt haben und die Burschenschaft als rechtsextrem dargestellt hätten. Norbert Weidner, der den NS-Widerstandskämpfer als Landesverräter bezeichnet und den man nach Feststellung der deutschen Justiz als Kopf einer rechtsextremen Bewegung aus Burschenschaften, NPD und Kameradschaften betrachten darf, ist hingegen von der Burschenschaftsversammlung bestätigt worden[Quelle]. Womit die Diskussion wohl endgültig überflüssig geworden ist…

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8 Antworten zu „Burschenschaftlicher Offenbarungseid“

  1. Gondrino schreibt:

    Wo diese braune Scheisse blos immer wieder herkommt? Vielleicht doch ein psychischer Defekt?

  2. sirdoom schreibt:

    Die natürliche Xenophobie des Menschen mit Gruppenbildungsmechanismen, d.h. äußeres Feindbild, reicht da vollkommen aus, wenn der Verstand es nicht aktiv aufhält. Dafür entwickelt man dann hoch“wissenschaftliche“ Rassetheorien, um damit zu erklären, warum ein in Deutschland geborener, Deutsch sprechender Deutscher, der asiatische Vorfahren hat, nicht mitmachen darf.

  3. 3-6 schreibt:

    Zunächst mal finde ich es gut, dass in den Verbindungen kontroverse Diskussionen stattfinden. Da könnten sich viele Parteien, Verbände und sonstige Organisationen ne Scheibe abschneiden. Diskussion ist ja Möglichkeit, die eigenen Meinung zu hinterfragen.

    Darüber, wer im eigenen Verein mitmachen darf, kann man ebenfalls diskutieren. Auch unser Grundgesetz kennt die Eigenschaft des Deutschseins (Klingt kacke, mir fällt grad kein besserer Begriff ein.) aufgrund der Volkszugehörigkeit. Jeder, der deutsche Vorfahren vorweisen kann, ist Deutscher im Sinne der Verfassung und kann die Staatsbürgerschaft beantragen.
    Der obige Deutsche chinesischer Abstammung ist eingebürgert, seine Eltern sind ebenfalls maximal eingebürgert. Staatsrechtlich egal, aber anscheinend nicht für die Statuten dieser Verbindungen – und eben ihr gutes Recht. Ich kann als Basketballspieler auch Mitglied im Fußballverein werden wollen – anfangen können die mit mir aber nichts.

    Zu dem Teil über Bonhoeffer ist alles gesagt.

  4. Cunningham schreibt:

    Wieso? Nicht alle Basketballspieler sind Neger.

  5. 3-6 schreibt:

    Zumal der Basketballspieler dann auf einen wirklich riesigen Korb spielen kann 😉

  6. sirdoom schreibt:

    Man zerlegt sich übrigens munter weiter: Die Burschen zerlegen sich(ZEIT Online)

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