„The Golf of Senkaku Incident“

Während in der muslimischen Welt einige Staaten und radikale Organisationen den Mob anfeuern, damit dieser Botschaften pünktlich vor laufenden Kameras stürmt und die üblichen Verdächtigen nach Vergeltung schreien, findet etwas ähnliches, aber weitaus geschickter und besser organisiertes gerade in Asien statt. Da wird bloß nicht so oft und laut „Allah Akbar“ geschrien und man hat andere Flaggen als die US-Flagge zum verbrennen. Dabei könnten die Auswirkungen geopolitisch und wirtschaftlich weitaus gravierender sein, als ein paar religiöse Irre die sich in die Luft jagen.

(siehe Golf von Tonkin-Zwischenfall)

Die Senkaku-Inseln [chinesisch: Diaoyu(tai)-Inseln] sind eine unbewohnte Inselgruppe auf dem Festlandsockel im Ostchinesischen Meer etwa 200 km nordöstlich von Taiwan und 300 km westlich von Okinawa. Seit dem 15. Mai 1972 werden sie (wieder – vorher US-verwaltetes Gebiet nach WW2) von Japan verwaltet. Die Republik China und die Volksrepublik China beanspruchen unabhängig voneinander seit 1970/71 diese Inseln. Doch was macht diese Inseln so interessant? Ganz davon ab, dass im Umfeld große Rohstoffvorkommen vermutet werden (Erdöl, Erdgas, Seltene Erden, usw.), sind die Senkaku-Inseln der Schlüssel zu Chinas hegemonialer Ausbreitung und Machtwahrnehmung im Pazifik. Ein weiterer Schritt Richtung Taiwan, ein Zeichen an die Welt und vor allem an die Japaner, wer das Sagen vor Ort hat.

Nach einigen kleineren Aktionen findet seit 2010 eine generalstabsmäßig geplante Operation statt, um den Willen der Volksrepublik durchzusetzen. Als erster Schritt rammten arme, bedrängte chinesische Fischer ein Küstenwachschiff der Japaner, woraufhin China Handelssanktionen aus tiefer Opferrolle heraus initiierte. Später folgten Grenzverletzungen durch chinesische Patrouillenboote. Im August 2012 enterten dann mehrere chinesische Aktivisten aus Hongkong die Insel, um gegen die feindliche Annexion von chinesischem Land zu protestieren. Nationale Aktivisten für China. Aus Hongkong. Die einfach so die Ausrüstung bekommen, eine Website haben und von niemandem gehindert werden ihr Ziel zu erreichen. Wer’s glaubt… Als Japan den Kauf der Inseln von den privaten Besitzern tätigte, um eine bessere Handhabe im Streit zu haben, protestierte China, schickte wieder Patrouillenschiffe und setzte Manöver der Flotte an. Und nun begannen die Ausschreitungen in China.

In einem Land wo Demonstrationen normalerweise in 10 Minuten niedergeknüppelt werden, protestieren seit Wochen zehntausende gegen die imperialistischen Japaner, belagern Botschaften, greifen japanisch aussehende Menschen, japanische Autos, Restaurants und Unternehmen an. Da es um die Senkaku-Inseln auch reiche Fischvorräte gibt, laufen dann jetzt auch hunderte – also 100x mehr also sonst – chinesische Fischerboote aus, um vor Ort zu fischen. Natürlich begleitet von chinesischen Patrouillenbooten, die die wehrlosen Fischer gegen die japanische Bedrohung schützen sollen. Der nächste Vorfall ist also vorprogrammiert. Noch will sich China aber nicht direkt mit der US Navy anlegen, die höchst alarmiert ist von den Vorgängen, weshalb es wohl erstmal darum geht Konzessionen herauszuschlagen. Sobald die chinesische Navy weiter aufgerüstet wurde, wird das schon anders aussehen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu „The Golf of Senkaku Incident“

  1. 3-6 schreibt:

    Bis die Chinesen eine gleichwertige Flotte haben, bin ich Pensionär …

    Interessant wäre zu wissen, was der Auslöser ist – will man nur mal die Muskeln spielen lassen oder denkt man, innerer Unruhe so ein Ventil bieten zu können?

  2. sirdoom schreibt:

    Ich tippe auf eine Kombination. Der gepflegte Nationalismus, der sich derzeit in China austobt, lenkt von den ganzen Skandalen im Politbüro und den Problemen beim anstehenden Generationswechsel ab. Auch das wirtschaftliche Ungleichgewicht (Land vs Stadt) und ethnische Konflikte treten erstmal in den Hintergrund. Zusätzlich kann man die Muskeln spielen lassen, was auch dringend nötig ist, seitdem die USA ihre neue Pazifik-Strategie fahren. Am Ende bilden sich die Taiwanesen noch ein mit ihrer Fiktion eines eigenen Staates durchzukommen. 😉

    Ich bin übrigens davon überzeugt, dass China hart daran arbeitet ihre Flotte vor deiner Pensionierung so weit upzugraden, um die USA zumindest zweimal drüber nachdenken zu lassen, ob man sich wirklich auf einen Waffengang einlässt.

  3. XDragoon schreibt:

    Die Flotte muss garnicht gleichwertig sein. Wenn sie ausreicht, genug der US-Flotte zu binden dass diese nicht mehr weltweit agieren kann, tut das schon weh. Und natürlich wenn eine realistische Chance besteht, einen amerikanischen Träger zu versenken (auch wenn das Echo der Verlust der gesamten eigenen Flotte wäre). Aber ich erwarte beim besten Willen keinen Krieg zwischen China und den USA. Dafür sind beide Staaten zu eng über Handelsbeziehungen verflochten. Das ist eine ganz andere Lage als im Nahen Osten.

  4. 3-6 schreibt:

    China hat momentan Seestreitkräfte, die aus der eigenen Küstenzone kaum hinauskommen. Gegen eine Trägergruppe der Navy haben die keine Chance.

    Bis China eine funktionsfähige, schlagkräftige Hochseeflotte hat, bin ich definitiv in Pension. In ~20 Jahren schaffen die das nicht.

  5. Ben Teddy schreibt:

    Chinesen und Japaner können sich normalerweise überhaupt nicht leiden.

    Ursprünglich gehörten die Inseln wohl schon zum chinesischen Kaiserreich, waren aber zwischendurch wohl auch im Besitz der Japaner.

    Der Konflikt entscheidet aber nicht nur allein die Flottenstärke, die “wirtschaftlichen Kräfte“ spielen eine genauso große Rolle.

    Zu Hoffen bleibt auf eine faire diplomatische Lösung, wie die Aufteilung der Inseln unter den entsprechenden Ländern.

  6. farmerboy schreibt:

    Mir wird mal wieder bewusst wie schnell gewisse Leute in bestimmten Berufen ins Rentenalter kommen… 😛

  7. 3-6 schreibt:

    Wenn ichs gesundheitlich packe, werd ich gern länger machen 🙂

  8. sirdoom schreibt:

    Die Liaoning wurde übrigens offiziell an Chinas Marine übergeben, auch wenn das Ding noch nicht einsatzbereit ist. Aber man wollte wohl ein Zeichen setzen.

  9. sirdoom schreibt:

    USA zeigen verstärkte Präsenz um den Chinesen ihre Grenzen aufzuzeigen, wie erwartet[Link].

  10. Pingback: “China – Ein Platz an der Sonne” |

  11. sirdoom schreibt:

    Statt Patrouillenbooten sind es diesmal Militärübungen mit richtigen Kriegsschiffen: China hält Militärübung in umstrittenem Gebiet ab

  12. sirdoom schreibt:

    Und gleich hinterher: Die US Air Force hat die eingerichtete Luftverteidigungszone denn auch gleich mal möglichst offensichtlich ignoriert – Link

  13. sirdoom schreibt:

    Die „Provokationen“ von Japan und den USA bleiben nicht ohne Folgen. China reagiert und hat Kampfjets in seine Luftverteidigungszone über dem Ostchinesischen Meer geschickt. [Link]

  14. sirdoom schreibt:

    Säbelrasseln und Kalter Krieg – Link

  15. sirdoom schreibt:

    Südkorea spielt auch mit und man streitet sich mittlerweile schon um Unterwasserfelsen, nicht mal mehr Inseln: Südkorea kontert Chinas Gebietsansprüche

  16. sirdoom schreibt:

    Auch die USA zeigen Präsenz: Territorialstreit um Spratly-Inseln: USA schicken Kriegsschiff ins Südchinesische Meer [Link]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s