„Boy Scouts – Hier wird noch selbst Hand angelegt“

Die Boy Scouts of America (BSA) sind der größte US-amerikanische Jugendverband. Die Pfadfinderorganisation ist Mitglied der World Organization of the Scout Movement und richtet sich hauptsächlich an Jungen und junge Männer zwischen 7 und 21 Jahren. In den Altersstufen ab 14 Jahren werden auch Mädchen und Frauen aufgenommen, wenn auch eher widerwillig.

Schon länger gibt es allerdings Kontroversen um Mitgliedschaftsregelungen der Boy Scouts. Homosexuellen, Atheisten und Agnostikern sind nämlich von der Mitgliedschaft und insbesondere von Leitungsfunktionen ausgeschlossen . Die BSA begründen dies mit den Zielen des Verbandes, zu denen auch die religiöse Erziehung und die Vermittlung von „Werten“ gehören. Nach Aussage des Verbandes sind „homosexuelle Leiter kein positives Rollenvorbild für Heranwachsende„. Versuche, die Mitgliedschaftsbestimmungen gegenüber homosexuellen Mitgliedern zu ändern, scheiterten bisher.

Bei einer anderen „Baustelle“ sieht die Sache mit der moralischen Integrität und dem Anstand schon nicht mehr ganz so stringent aus. Über Jahrzehnte wurde der Kindesmissbrauch innerhalb der Boy Scouts durch Gruppenleiter, Betreuer und andere Angestellte der Boy Scouts aktiv vertuscht. Nach Berichten der L.A. Times[Quelle] haben alleine zwischen 1970 bis 1991 Betroffene, Eltern oder Mitarbeiter der Organisation 500 Vorfälle gemeldet, die Dunkelziffer kann nur geschätzt werden. In 80% der in Akten erfassten Vorfällen wurden die Vorfälle nicht weitergeleitet oder aktiv verdunkelt. Beschuldigten Betreuern – viele von ihnen wurden bei weiteren Taten erwischt –  wurde meist ein Rücktritt nahegelegt, man vergaß aber die Polizei zu informieren. Rechtfertigung der Boy Scouts of America: Man wollte die Privatsphäre der Kinder und den Ruf der Boy Scouts schützen. Aber nicht vergessen: Homosexuelle, Atheisten und Agnostiker geht gar nicht und Frauen nur in wenigen Sonderpositionen, denn sie sind alle böse…

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14 Antworten zu „Boy Scouts – Hier wird noch selbst Hand angelegt“

  1. Ben Teddy schreibt:

    Naja, Homosexuelle von der Mitgliedschaft auszuschließen schien ja nicht ganz gelungen zu sein, oder um welche Art von Kindesmissbrauch handelte es sich?

  2. sirdoom schreibt:

    Alles was geht. Sexueller Missbrauch von Jungen und Mädchen und auch einfach nur Prügel. Die Täter müssen aber nicht per se homosexuell veranlagt sein, weil sie Jungen missbrauchen. Sadismus, Herrschaft und Machtausübung reichen da vollkommen aus.

  3. asel schreibt:

    Man könnte jetzt eine Verbindung von *christlichen* Pfadfinderverbänden und Missbrauch ziehen…
    Aber leider sieht es in allen großen Jugendorganisationen so aus, bzw. jede Organisation hat eben Probleme mit Missbrauch. Begründet in der Masse und natürlich in der Attraktivität solcher Gruppierungen gegenüber potentiellen Tätern.

    Und es ist ja nicht so, als wären die BSA mit der eingeschränkten Mitgliedschaft allein. Ich kenne mehrere Fälle von Frauen, Schwulen und Lesben, die zum Beispiel in der DPSG drangsaliert und beschimpft wurden. Darunter auch langjährige Mitglieder die in der Pubertät dann eben keine konforme Sexualität entwickelten.

  4. nick999999 schreibt:

    Gib ja noch eine Andere Organisation, die sich in dieser Hinsicht hervorgetan hat. Diese ist auch weiterhin in der Jugendarbeit tätig. Für mich schädigt es denn Ruf mehr, wenn es vertuscht wird, als das diese schwarzen Schaafe angezeigt werden, und sich damit verantworten müssen.

  5. 3-6 schreibt:

    Wie schon bei den Burschis gesagt: es gibt kein Anrecht darauf, irgendwo mitmachen zu dürfen.

  6. sirdoom schreibt:

    Ja und nein.

    Ein privater Verein der ausschließlich privat finanziert wird, darf sich natürlich aussuchen, wen er aufnimmt und wen nicht. Ein Verein, der staatliche Unterstützung(Geld, Gelände, whatsoever) bekommt, kann sich hingegen nicht auf sowas berufen.

    Außerdem muss es zumindest halbwegs greifende Beschränkungen gegen Missbrauch geben. Wenn ein Mensch wegen seiner Hautfarbe in JEDEM Geschäft einer Stadt Hausverbot hat, dann hat das nicht mehr so viel mit Entscheidungsfreiheit zu tun(Oder der Weiße, der plötzlich Hausverbot in Berlin hat oder so 😉 )

    Aber um vom Generellen wieder zu diesem Fall zu kommen. Eine Organisation, die aus „religiös-moralischen“ Gründen Frauen und Homosexuelle ausschließt und Kindesmissbrauch vertuscht und/oder fördert stellt für mich einfach eine kognitive Dissonanz sondergleichen dar, worüber ich mich zurecht aufregen darf.

  7. sirdoom schreibt:

    Jupp, denn die Vertuschung ist Komplizenschaft bei einem Verbrechen und die Verantwortlichen machen sich damit die Einstellung der Täter zu eigen.

  8. 3-6 schreibt:

    Du darfst Dich nur öffentlich aufregen, weil es Meinungsfreiheit gibt 😉

    Vereine fördern einen Teilaspekt der Gesellschaft im Rahmen der Interessen ihrer Vereinsmitglieder.
    Wenn die jemanden nicht dabeihaben wollen, ist das nur legitim. Und das ist auch nicht ungesetzlich oder so, wieso auch?
    Und natürlich, das kann auch extreme Formen annehmen. Stört aber meist nur, wenn Personen betroffen sind, gegen die man nichts hat…

  9. sirdoom schreibt:

    Ich darf mich NOCH aufregen, „Censilia“ Malmström ist wieder auf dem Kriegspfad, schreib ich noch was zu…

    Du siehst also kein Problem darin, wenn in einer Kleinstadt in Brandenburg alle Geschäfte und Vereine NPDlern gehören und die Hausverbote für Juden, Nigger, Linke Zecken, usw. erteilen? Oder wenn die Salafisten einen Stadtteil übernehmen und jede deutsche Kartoffel verbannen? o.O

    Und du siehst auch kein Problem darin, dass ein christlich-moralisch überlegender Verein einerseits aus moralischen Gründen die_und_die Leute auschließt, andererseits aber Kinderschänder beschützt und unterstützt? o.O

    Wenn dein Arbeitgeber-„Verein“ dich rausschmeisst, weil du keinen bart trägst und nicht 5x am Tag gen heilige Stätte betest, siehst du das dann immer noch so? 😉

  10. 3-6 schreibt:

    Das diese Dinge nicht passieren, bzw. wenn diese Dinge passieren sie oft nicht medial transportiert werden, liegt einfach an einer normal eingestellten Bevölkerung.

    Du kannst nichts dagegen machen, wenn z.B. ein Stadtviertel von Salafisten gekauft werden würde. Natürlich hast Du weiter die Möglichkeit, über den öffentlichen Bereich (Straße, Bürgersteig, Parks) zu gehen. Aber wenn ein Ladeninhaber nicht möchte, dass Du sein Geschäft betritts: Pech, dann darfst Du eben nicht rein.

    Wenn also ein genügend Großer Teil der Eltern, deren Kinder bei den Boyscouts sind, sich gegen ein Homosexuellenverbot artikulieren – dann würde sich vielleicht etwas ändern, oder es gäbe irgendwann eben nen alternativen Verein. Solange das nicht passiert, ist es eben Wille der Mitglieder, dass ein Teil der Bevölkerung nicht mitmacht.

    Verschleierung von Misshandlung bzw sexuellem Missbrauch hat IMHO auch nichts mit Homophobie zutun, sondern mit Scham, de „rettenden Meinung“ nicht zuständig zusein, und falsch verstandener Solidarität.

  11. sirdoom schreibt:

    Dann wollen wir mal hoffen, dass die Ghettoisierung jeglicher Art nicht weiter voranschreitet und somit eine „normale“ Verteilung und Liberalität in solchen Dingen erhalten bleibt.

    Wobei ich natürlich auch hätte unterscheiden müssen. Bei öffentlich zugänglichen Räumen kann zum Beispiel nicht einfach so ein Hausverbot ausgesprochen werden, private Vereine sind da eine andere Sache. Ein gewisser Grundschutz besteht da also schon.

  12. 3-6 schreibt:

    Ja, hoffen wir mal, dass das Gros der Leute „normal“ bleibt 😉

  13. Agent Pöhlemann schreibt:

    Der Fussballverein hat mich auch nicht aufgenommen weil ich keinen Fussball spielen kann. Und die kassieren auch öffentliche Gelder! *hmph*

  14. sirdoom schreibt:

    Scheint übrigens nach durchsicht des riesigen Aktenberges eher schlimmer geworden zu sein: Missbrauch bei US-Pfadfindern – Die Akten der Perversion

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