„Ausgleichende (Presse-) Gerechtigkeit“

Zeitungssterben und damit Kultursterben! Das Ende einer Ära, wir werden alle sterben. Die Frankfurter Rundschau verschwindet – was zu Jubelstürmen im konservativ-rechten Lager führte – und auch die Financial Times Deutschland, die seit Gründung hochdefizitär arbeitet, sprich in all den Jahren des Bestehens keinen Cent Gewinn gemacht, sondern im Gegenteil hunderte Millionen Euro verbraten hat (250 Millionen Euro in unter 12 Jahren). Sicherlich nicht unbedingt ein Empfehlungsschreiben für eine Zeitung von totalen Wirtschaftscracks. Und weitere Zeitungen stehen auf der Kippe: Der Spiegel-Verlag ist zwar nicht akut bedroht, plant aber schon mal Kürzungen ein. Die WELT wird von der Axel Springer AG eh querfinanziert, da muss man nur mal schauen, wie viel Springer bereit ist da weiter zu versenken. Aber ich will nicht in den Chor der Defätisten des Nachrichtenmarktes einfallen. Stattdessen möchte ich einfach mal etwas Optimismus verbreiten!

Ausgleichende (Presse-) Gerechtigkeit - LogoNatürlich ist es ein schwerer Schlag für die zehntausenden MitarbeiterInnen der Zeitungsverlage, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Und es ist aus der Sicht jedes einzelnen Journalisten verständlich, dass er/sie sich so viel Abfederung und finanzielle Hilfe wie möglich wünscht. Doch als hilfsbedürftig und unselbstständig dargestellt zu werden, hilft ihnen auch nicht weiter. […] Die Presse-Männer und -frauen sind in Wirklichkeit sehr eigenständig, und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt stehen gut!

Hört sich das nicht wunderbar an? Na ja, eigentlich irgendwie doch nicht. Eher zynisch und herablassend. Ziemlich gemein sogar, oder? Und es kommt einem irgendwie bekannt vor. Und woher? Man ersetze mal Zeitungsverlage durch die Firma Schlecker und Journalisten durch die „Schlecker-Frauen„. Solche und ähnliche Texte wurden von der Journaille nämlich abgesetzt, als Schlecker den Bach runter ging und die Angestellten rausgeflogen sind. Hört sich plötzlich gar nicht mehr so lustig an, wenn der hart arbeitende Kulturschaffende betroffen ist, was? Glashaus und Steine, ihr Flachwi**er!

Aber zumindest der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG hat die Lösung schon parat. Als Hauptinitiator des Ankaufs des Leistungsschutzrechtes bei der Bundesregierung sieht man sich derzeit einigen unschönen Konfrontationen mit Fakten ausgesetzt. Weswegen Döpfner in die Offensive geht und Google als Hehlerbande bezeichnet. Was ist dann die Axel Springer AG? Der Straßen-Schwerstkriminelle? Zumindest das „Konzept„, warum man mehr vom Werbekuchen abhaben will, deutet auf die in diesem Milieu nicht gerade weit verbreitete Geistesleistung hin. Und ändert natürlich alles nichts daran, dass Google immer noch die nukleare Option ziehen kann und den Stecker bei Google News für Deutschland zieht. Aber all die Journalisten werden sicherlich ohne Hilfe sofort gleichwertig bezahlte, gute Arbeit finden, war doch bei den „Schlecker-Frauen“ auch so, oder?

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2 Antworten zu „Ausgleichende (Presse-) Gerechtigkeit“

  1. 3-6 schreibt:

    Die SPD als Anteilseigner der FR kann übrigens gern einen Sozialplan für die ehemaligen Angestellten auflegen… ^^

  2. sirdoom schreibt:

    Neeeee, das würde ja Geld kosten… also ihr eigenes 😉

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