„Review – Total Recall(2012)“

Total Recall 2012 - Logo2084 – Nach einem mit Chemiewaffen geführten Weltkrieg, sind nur noch Großbritannien als United Federation of Britain (UFB) und Australien übrig, das nur als „die Kolonie“ bezeichnet wird und weitgehend von Britannien beherrscht und diskriminiert wird. Der Rest der Erde ist verseucht. Zahlreiche Einwohner der Kolonie pendeln täglich mit einem „The Fall“ genannten Hochgeschwindigkeitstransporter, der in einem Schacht quer durch das Erdinnere zwischen den beiden Antipoden verkehrt, um meist niedere Arbeiten in den Fabriken Britanniens zu verrichten. Beide Gebiete sind überbevölkert, bewohnbare Flächen sind extrem kostbar und knapp. In der Kolonie lebt der verheiratete Fabrikarbeiter Douglas Quaid(Colin Farrell – u.a. Fright Night) ein deprimierendes Leben als Pendler nach Britannien. Um der Routine zu entkommen entscheidet sich Quaid dafür, sich künstliche Erinnerungen an ein Abenteuer bei der Firma REKALL einpflanzen zu lassen. Da die falschen Erinnerungen sich nicht mit eventuellen realen Erinnerungen überschneiden dürfen, wird Douglas auf seine realen Erinnerungen getestet und es stellt sich heraus, dass er bereits implantierte Erinnerungen hat. In diesem Moment stürmen Sicherheitskräfte den Raum und Quaid schaltet auf Autopilot alle Soldaten aus und ist plötzlich Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen der United Federation of Britain (UFB) – Kanzler Cohaagen(Bryan Cranston – u.a. Argo) und den Rebellen der Kolonie.

Total Recall 2012 - 01Da ist es nun, das Total Recall – Remake von Len Wiseman (Underworld). Wisemans „Nichtvision“ gleicht bei Total Recall dem Problem von Stirb Langsam 4, für das er auch verantwortlich war. Eigentlich ist alles für einen guten Film vorhanden: Genug Budget, gute Darsteller, guter Kameramann, halbwegs vernünftiges Skript, usw. Aber das alles bringt nichts, wenn daraus vollkommen uninspirierter PG-13-Mist zusammengerührt wird. Paul Verhoevens Total Recall mit Schwarzenegger (legendäreres Best Of) war radikal, brachial, visionär, blutig bis zum geht nicht mehr, voller Sex und Gewalt. Wisemans Total Recall eignet sich höchstens als Design-Studie für Waffensysteme die von Apple (siehe auch iSentrys) hergestellt werden. Und wie man mit modernen CGI-Effekten das Bladerunner-Setting größer aussehen lassen kann und von den Machern von Deus Ex 3 – Human Revolution nur nicht verklagt wird, weil es Bladerunner vorher gab. Dabei hat das Remake durchaus eigene Ideen, die auch cool sind. Die werden aber nicht weiter beachtet, während sie sich zusammen mit den psychologischen Komponenten der Story im Leveldesign der blutleeren Ballerei über mehrere Stockwerke verirren. Was alles durchaus gut aussieht, aber leider nicht reicht. Dabei gibt sich Colin Farell durchaus Mühe und Bryan Cranston wird der Film bei seinem aktuellen Höhenflug wohl nicht schaden.

Total Recall 2012 - 02

Bill Nighy ist als Rebellenanführer vollkommen verschwendet, aber auch Charakterdarsteller brauchen ab und an größere Popcorn-Schecks aus Hollywood. Licht und Schatten gibt es bei der weiblichen Besetzung. Jessica Biel (u.a. A-Team) als Rebellengefährtin des Helden ist unglaublich blass, hilflos, austauschbar und irrelevant, während Kate Beckinsale (u.a. Underworld) von ihrem Ehemann und Regisseur weitaus mehr Aufmerksamkeit bekommt und dabei eine überraschend gute, eiskalte und psychopathische Figur macht, die fast an Sharon Stone im Original heranreicht, wenn natürlich auch vollkommen bekleidet. Wir reden schließlich über einen aktuellen PG-13-Hollywood-Film. Und die dreitittige Prostituierte als Hommage ans Original, die es nur im „unrated“ Cut zu sehen gibt, hilft da auch nicht weiter. Dabei ist der Film noch nicht mal richtig schlecht, weiß teilweise durchaus zu unterhalten und hat einige optische Leckerbissen.

Aber gegen Verhoevens Schlachtplatte sieht dieses Stück iPod-Porn in keiner einzigen Kategorie Land. Um mal den amtlichen Metal-Jargon zu bemühen: Man merkt einfach, dass der Film nichts will…

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13 Antworten zu „Review – Total Recall(2012)“

  1. Andai schreibt:

    Im Kino gab es die „dreitittige“ Dame, zumindest als ich drinnen war…ich würde es nicht ganz so *radikal* ausdrücen, gehe mit dir ber konform. Schömn ausgesehen hat es dennoch und ich hätte nix gegen Blade Runner in Große oder als Neuauflage. Ich weiß auch nicht, warum das Setting so unbeliebt ist udn so selten Verwendung (im großen Stile, nicht als kleines Nebenbeiwerk) findet.

  2. sirdoom schreibt:

    Der US-Original-Kino-Cut hat weniger Gewalt und keine dreitittige Hommage an den Vorgänger. Es gibt für den US-Markt eine extended Edition, wo die drei Dinger wieder drin sind und wo auch mehr CGI-Blut fließt. In Europa gibts Brüste, aber ich weiß nicht in welchem Ausmaß da am CGI-Blur rumgeregelt wurde. Drecks-Fassungswirrwarr und Drecks-PG-13-Müll, um es zusammenzufassen.

    Ich hab gar nix gegen Bladerunner-ähnliches vom visuellen Stil. Es war bloß sehr auffällig „angelehnt“.

    Was das „unbeliebt“ angeht: Die meisten Filme in dieser Art Setting sind vergleichsweise teuer herzustellen und neigen zum kommerziellen Flop. Eine Kombo die für recht wenige Einträge in der Richtung sorgt. Selbst Bladerunner ist erst mit zahlreichen VHS- & DVD-Runs „erfolgreich“ geworden.

    Davon ab: Ich hab den Film durchaus gern gesehen, aber es ist nun mal kein Vergleich zum Vorgänger und einige Sachen haben mich doch arg geärgert. Das Design ist allerdings echt n1.

  3. pseudo-anonymous schreibt:

    Natürlich will der Film was: mich dazu animieren, daß ich so flott wie möglich das ungeschnittene Original erstehe. Und das war ein klarer und unmißverständlicher Erfolg! 🙂

    Vielen Dank Paulchen! 🙂

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  8. Markus Sauerbrey schreibt:

    Sehr schön, das trifft fast komplett meine Meinung. Blutleer ist die passende Assoziation für das ansonsten mit vielen schönen Details aufgebaute Setting. Auch wenn er einfach in die 80er Jahre gehört, ist Ronny Cox – auch in Robocop – einfach der bessere Schurke!
    Die (optische) Hommage an den Klassiker Bladerunner passt im Übrigen alleine schon deswegen, weil die Vorlage für die Geschichte von Total Recall auch von Philip K. Dick stammt.

  9. sirdoom schreibt:

    Apropos Robocop: Imho ist das TR-Remake aber immer noch gelungener als das Robocop-Remake^^

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