„Rubikon Towers“

Die Deutsche Bank muss ja im Moment stürmische Gewässer durchpaddeln. Hatte man sich schon bei der Griechenland-Blase nicht mit Ruhm bekleckert und auch munter beim LIBOR-Skandal mitgemacht, so musste man jetzt unbedingt für weitere, vermeidbare, schlechte Presse sorgen. Nachdem ein Großaufgebot an Polizei und Staatsanwaltschaft eine Razzia bei der Deutschen Bank durchgeführt hat, musste Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender des Vorstands, unbedingt einen Wulff machen und den Rubikon telefonisch bereisen. An sich ja nichts neues, höchstens deshalb, weil die Veröffentlichung des Anrufes und das offensichtliche ignorieren solcher Aktionen schon eine gewisse Neuerung darstellt. Früher blieb sowas nämlich im Verborgenen und es wurde zu Kreuze gekrochen. So weit, so witzig, so unwichtig.

Rubikon Towers - LogoEtwas erbärmlich wird es allerdings dann, wenn man anfängt dieses Verhalten zu verteidigen. Als generelles Beispiel muss hier einfach mal Bettina Röhl und ihr Artikel „Deutsche-Bank-Bashing macht Spaß!“ in der Wirtschaftswoche genannt werden – wer es paranoider, dümmer und geifernder will, der wird wie üblich bei PI-News fündig, eine Frechheit geradezu. Da wird eine Bank durchsucht, die es schon wesentlich eher hätte treffen müssen, eine Bank die weltweit in illegale Aktionen verstrickt ist und der Co-Vorsitzende versucht sich in der – vergeblichen – Beeinflussung der Behörden. Und Bettina Röhls Argument, warum das in Ordnung ist? Es wäre nicht illegal, jeder könne einen Politiker anrufen und seine Meinung kundtun. Frau Röhl, nur zur Information: 99% der Bundesbürger haben und werden die Direktdurchwahl des hessischen Ministerpräsidenten Bouffier niemals haben! Und wenn dies auch nicht per se justiziabel ist, so ist es doch offensichtlich ethisch und moralisch verwerflich. Kann man natürlich auch ausblenden und die Deutsche Bank zum armen Opfer deklarieren. Man muss dafür allerdings schon etwas sehr abwegig-konstruiert denken. Begriffe wie „gekauft“ oder „zu blöd“ sparen wir uns ausnahmsweise, wir wollen ja schließlich nicht ins „Deutsche-Bank-Bashing“ verfallen…

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16 Antworten zu „Rubikon Towers“

  1. Karel aka Carl Frieder schreibt:

    Ich will die Deutsche Bank und ihre Geschäftspraktiken jetzt gar nicht verteidigen (hab ich weder das Fachwissen noch irgend einen Grund dazu) – aber sie ist auch nicht nur schlecht: Ihre Kantinen – sowohl im Frankfurter Altbau als auch in den Towers – sind sogar ganz hervorragend, und zudem noch unglaublich günstig (respektive waren dies vor ca. 8-9 Jahren), wie ich aus persönlicher Erfahrung in der Zeit, wo ich mal als Posten-Steher für die Securitas die Einfahrt ihrer Tiefgarage bewachen musste, und ein halbes Jahr später noch mal, als ich als Datentypist einer Zeitarbeitsfirma bei denen war.

  2. Cunningham schreibt:

    Ich zitiere: „So eine unglaubliche Frechheit, früher hat man die Deutsche Bank vorher informierte, ehe die Polizei und Staatsanwaltschaft ins Haus kommt.“

  3. sirdoom schreibt:

    Dem werde ich garantiert nicht widersprechen^^ 😉

  4. sirdoom schreibt:

    Früher hat der Chefredakteur sich auch in die Hose gemacht, wenn der Bundespräsident angerufen hat, um ihm die Leviten zu lesen. Und Franz Josef Strauss hat sich persönlich um Landesverräter gekümmert, notfalls auch indem er die Gestapo-Schergen eines faschistischen Regimes auf untergetauchte Journalisten gehetzt hat. Die guten alten Zeiten, hach…

  5. sirdoom schreibt:

    Die Süddeutsche Zeitung berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, das Institut habe die aufsehenerregende Hausdurchsuchung vergangene Woche gewissermaßen selbst verschuldet. Die Bank habe Warnungen der Staatsanwaltschaft ignoriert und den Ermittlern wichtige Unterlagen verweigert. Selbstverschuldete Durchsuchung

  6. Cunningham schreibt:

    Vorallem ging damals keine Mail-Box ran.
    Aber da kannst Du mal sehen, wieviel Schaden das Amt genommen hat… ich wette vor mir würden die Pressefritzen wieder zittern…

  7. sirdoom schreibt:

    Du wärst auch nicht so doof sowas wie Pressefreiheit einzuführen, womit das Problem schon von Anfang an zuminest wesentlich geringer ausfallen dürfte 😀

  8. sirdoom schreibt:

    Fahnder haben in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Unterlagen beschlagnahmt. Dieses Mal geht es um einen möglichen Betrug im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess. Schon wieder Razzia bei der Deutschen Bank

  9. Joachim schreibt:

    Bayerns Lord Vader hat sich sogar um Ratten und Schmeißfliegen persönlich gekümmert, auch um einen kleinen Dorfbullen, der es wagte, seinen Weg zu kreuzen-m.E. der wohl kriminellste Nachkriegspolitiker in Deutschland (nicht deutscher Politiker, er war ja Bayer und nicht Deutscher). Als er Kanzlerkandidat war, hatte ich die Kloschüsseln meiner Alma mater durch Aufkleber mit seinem Konterfei verschönt. Eine meiner schönsten Erinnerungen an ihn da drin.

  10. sirdoom schreibt:

    Da musst du dich falsch erinnern. So wie ich mich falsch erinnern muss, dass da was mit Kohl und Schwarzgeld war. Denn wenn CDSU kurz davor stehen Strauss und Kohl heiligzusprechen, dann müssen unsere Erinnerungen trügen, nicht wahr?

  11. Joachim schreibt:

    Jeder wählt sich die Heiligen, die er verdient…oder die Kloschüsselbilder

  12. 3-6 schreibt:

    Naja, dann erbärmliche ich mich mal:

    In meinen Augen kann man sich schon darüber beschweren, dass Polizisten mit automatischen Waffen vor die Hauptniederlassung einer AG gestellt werden, nachdem die mutigen Fahnder unter Augen der Presse anrücken.
    In unserer total objektiven und unglaublich qualitätsvollen Medienlandschaft hat das ein wenig was von Troops! – All suspects are guilty, otherwise they wouldn’t be suspects, would they?

  13. sirdoom schreibt:

    1. Ein Teil von mir fragt sich gerade was an “ All suspects are guilty, otherwise they wouldn’t be suspects, would they?“ so falsch ist? 😉

    2. Grundsätzlich kann man sich schon über den Ablauf streiten und ob das jetzt etwas Overkill war.

    3. Die Verteidigung der Deutschen Bank als hochmoralische Institution und „Drohanrufe“ bei politischen Entscheidungsträgern als „normal“ und korrekt darzustellen, weil jeder seine Politiker anschreiben kann ist abwegiger Scheissdreck. Wie gesagt: Kein normaler Mensch hat die Direktdurchwahl des hessischen Ministerpräsidenten…

  14. XDragoon schreibt:

    Die Deutsche Bank kann den Verlust bestimmt noch kompensieren indem sie die Filmrechte zu diesen Razzien meistbietend verkauft, sich als Opfer darstellen lässt und anschließend aus Mitleid noch mehr Kunden gewinnt.

  15. 3-6 schreibt:

    Gegen das Institut wird in dem Fall doch gar nicht ermittelt.

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