„In verdammt schlechter Gesellschaft“

Jakob Augstein wird vom Simon Wiesenthal Center auf die Liste der 2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs  (Verunglimpfungen) [Link] gesetzt. Sekundant dieser Aktion ist ausgerechnet Henryk M. Broder, für den alles und jedes antisemitisch ist, sofern es nicht auf der offiziellen Linie der israelischen Regierung liegt und der persönlich ein Hühnchen mit Augstein zu rupfen hat. Und somit befindet sich Augstein in der Gesellschaft des iranischen Regimes, der Muslimbrüder und bekennender Nazis aus Osteuropa, samt wohlwollender Charakteranalyse von Broder: „Jakob Augstein ist kein Salon-Antisemit, er ist ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder, ein Überzeugungstäter, der nur Dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen. Das Zeug dazu hätte er.

In verdammt schlechter Gesellschaft - LogoAugstein schreibt viel Mumpitz und es gibt durchaus einen gerne gepflegten Antisemitismus bei der Linken, aber Augsteins Aufnahme in diese Liste ist nicht nur kontraproduktiv, sondern auch einfach nur dämlich. Als „Belege“ für Augsteins Antisemitismus werden nämlich Zitate herangezogen, die zwar weder diplomatisch noch harmlos sind, aber auch eine gewisse Wahrheit enthalten. Durchgeknallte Ultraorthodoxe? Check! Ausufernder Lobbyismus? Check, wobei man das nach den historischen Erfahrungen der Israelis natürlich vollkommen verstehen kann. Israels Atomwaffen als gleichgroße oder schlimmere Bedrohung für die Region darzustellen als die iranischen Mullahs ist zwar pauschal Unsinn, aber auch nicht komplett falsch. Leute mit Atomwaffen, die auch vorhaben sie zu benutzen, sind grundsätzlich als gefährlich zu betrachten, egal in welchem Zusammenhang. Und auch die sonstigen Kritiken von Augstein gegen Netanjahus Regierung sind vielleicht mit harten Bandagen ausgetragen, aber eben keine antijüdische Propaganda, sondern Kritik an der Regierung eines Staates. Aber dank Broder als vorbelastetem Kronzeugen und der Übereifrigkeit des Wiesenthal Centers haben wir nun eine Situation, in der Augstein als Opfer darsteht und die echten Antisemiten lauthals bekunden können, dass jegliche Form des gefährlichen, historischen Antisemitismus nicht -mehr – existiert, weil wir dieses Beispiel haben, dass eindeutig belegt: Antisemitismus ist das, was Broder doof findet. Bravo!

Weitere Standpunkte dazu: Clemens Wergin: Augsteins Verteidiger sind auf linkem Auge blind [WELT Online], Nils Minkmar: Eine offene Gesellschaft [FAZ], Christian Bommarius: Broder diffamiert Augstein [Berliner Zeitung].

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45 Antworten zu „In verdammt schlechter Gesellschaft“

  1. 3-6 schreibt:

    Augsteins Problem ist, dass er eigentlich etwas historisches Hintergrundwissen aufbringen dürfte. Damit könnte er, wenn er es denn wollte, all diese eigentlich sachlich richtige Kritik in den Kontext setzen, in den sie gehört:

    Israel ist das Land in der Region, dass von allen Nachbarn angefeindet wird. De facto fehlen für Frieden in der Region nämlich erstmal Friedensverträge bzw. die Rücknahme der Kriegserklärungen, in deren Folge alle Nachbarstaaten dann Kriege gegen Israel verloren haben. Die annektierten Gebiete sind ja nicht durch Angriffskriege Israels entstanden, noch haben sie vorher den armen Palästinensern gehört.

    Israel ist nicht das Problem, die anderen Staaten sind es. Königreiche, Pseudodemokratien, bürgerkriegszerfressene Pseudostaaten. Mit einer religionshörigen, ungebildeten, aufgrund des geringen Altersdurchschnitts und der wirtschaftlichen Lage aggressiven Bevölkerungsmehrheit, in der 50% der Bevölkerung gar nichts zu melden haben.

    Augstein erzeugt Opfer, die keine sind. Er erzeugt Täter, die keine sind. Und das mit einer lächerlichen, typisch bildungslinken Selbstüberzeugung, die sogar schon Macken bekommt, wenn jemand nur Brötchen im falschen Dialekt bestellt (Okay, dass war der ostdeutsche Problembär, aber die Klientel ist die gleiche.).

    Von daher: selbst schuld. Der Typ ist ein Volldepp.

  2. flippah schreibt:

    ich denke, niemand hat sich so um die Förderung des Antisemitismus verdient gemacht, wie Herr Broder. Wer bisher keiner war, wird es durch Broders Rants mit hoher Wahrscheinlichkeit.

  3. flippah schreibt:

    Dass die umliegenden Staaten die Kriege begonnen haben (bis auf wenige Ausnahmen), wird von niemandem bestritten. Auch von Augstein nicht.
    Die Frage ist: wo beginnt der Notwehrexzess? Was können die Palästinenser dafür? Denn die haben noch garkeinen Krieg angefangen, die Israelis immerhin einen.
    Und dass es keinen Gesprächspartner für den Frieden gibt, ist schlicht israelische Propaganda. Es gibt einen, man muss nur mal mit ihm reden, statt seine Position zu schwächen und sich dann zu wundern, dass er von den eigenen Leuten abgewählt wird.

  4. 3-6 schreibt:

    Notwehrexzess? Süß. Und wie war nochmal die Position der Fatah? Liegt die so weit entfernt von der Hamas?

  5. sirdoom schreibt:

    Ob Augstein ein Volldepp ist oder nicht will ich hier nicht beurteilen. Darum geht es auch gar nicht wirklich. Ich habe oben dargelegt warum die die Einreihung von Augstein in diese Liste mit Broder als Zeugen der Anklage dämlich ist und im Gegenteil geradezu schädlich für die Bekämpfung des Antisemitismus ist.

    Zum Nahostkonflikt hatte ich mir ansonsten nachdem letzten Mal eigentlich vorgenommen nichts mehr hinzuzufügen, aber eine Sache kann ich mal nicht unkommentiert lassen.

    „Augstein erzeugt Opfer, die keine sind.“

    Was totaler Bullshit wäre, wenn israelische Bomben nicht eine eingebaute Funktion hätten, die dafür sorgt, dass nur Hamas-Terroristen und Fatah-Extremisten getroffen und alle Zivilisten verschont werden… oder was wolltest du damit andeuten? 😉 Umgekehrt gilt das natürlich genauso, aber du verwendest das „Argument“ ja auch nur für eine Seite.

  6. sirdoom schreibt:

    Der für die Erstellung der Rangliste zuständige Mitarbeiter des Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, bleibt bei seiner Auswahl. „Wenn jemand in dieser Position ein Bild zeichnet, wonach zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung in Israel, die ja auch eine religiöse Bevölkerung ist, von den Deutschen genauso gesehen werden sollten wie islamische Extremisten und Terroristen, dann ist das nicht nur komplett unrichtig und falsch, sondern dann überschreitet er die Grenze, was Dämonisierung angeht„, zitierte ihn die ARD.

    Nun ja: Haredi , or Charedi/Chareidi Judaism (pl. Haredim), is the most conservative form of Orthodox Judaism, often referred to by outsiders as ultra-Orthodox. Israel is home to the largest Haredi population, at approx. 700,000 (out of 6 million Israeli Jews) [annähernd 12%]. The number of Haredi Jews in Israel is rising rapidly. Und natürlich sind das keine Terroristen, aber der Unterschied zu muslimischen Extremisten ist nicht wirklich vorhanden. Wie das bei Extremisten JEGLICHER Coleur nun mal so ist.

    Man könnte da jetzt noch so einiges zu sagen, Vergleiche ziehen – wenn es bei Haredi-Extremisten „Dämonisierung“ ist, sind dann Salafisten auch ganz harmlos? Usw. – aber ich lass das einfach mal im Raum stehen.

  7. ravensroft schreibt:

    Die Palästinenser haben die Hamas selbst gewählt und damit eine damals durchaus greifbare Chance zum dauerhaften Frieden verschenkt, von daher hält sich mein Mitleid in Grenzen.

  8. ravensroft schreibt:

    Da bin ich absolut deiner Meinung.

  9. 3-6 schreibt:

    Der Unterschied zu Extremisten ist, dass sie keine Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzen. Oder gibt es israelische Selbstmordattentäter oder homemade Missiles, mit denen sie auf Gaza feuern?

    Ein weiterer Beleg, den Cooper und auch Broder anführen, ist, dass „Augstein der Antisemit“ die Demonstranten und Aufständischen in Libyen, Tunesien, Syrien als durch die US-Regierung und israelische Regierung fehlgeleitete bzw ferngesteuerte Opfer bezeichnet hat. Da ist die jüdische Weltverschwörung nicht mehr fern, ganz klassisch also…

  10. Cunningham schreibt:

    Naja, wenn die Palestinenser ein ähnliches Verteidigungsbudget hätten wie die Israelis, würden sie sicherlich auf Selbstmordattentäter und selbstgebastelte Raketen verzichten und anständig und fair Krieg führen… aber das ist nur meine Meinung.

    Darüber hinaus bin ich ziemlich sicher, dass die Israelis den Charm selbstgestrickter Sprengfallen und Raketen sehr schnell zu schätzen lernen würden, wenn ihnen ihre Armee abhanden kommen sollte.

  11. ravensroft schreibt:

    Zum Thema Broder:
    http://www.spiegel.de/spam/aus-dem-zusammenhang-gerissen-und-falsch-zitiert-a-875755.html
    Stimmt schon, der Herr Broder geht mit dem Begriff an sich und der Deutungshoheit schon etwas eigen um, ändert aber nichts an der Tatsache das Augstein zu recht „Ausgezeichnet“ wurde.

  12. ravensroft schreibt:

    Das ist keine Frage des Budgets. Die eigene Zivilbevölkerung als Schutzschild nutzen damit Gegenschläge des Feindes möglichst auch zivile Opfer fordern, so etwas sehe ich auf Seite Israels nicht.
    Die Hamas hat statt die Räumung des Gazastreifens friedlich zu nutzen und die damals greifbare Zweistaatenlösung anzustreben lieber mit Raketenbeschuß und Tod allen Juden Parolen reagiert, von daher kann man die Hamas definitiv nur als Terroristen wahrnehmen.

  13. Cunningham schreibt:

    Natürlich ist das eine Frage des Budgets:
    Wenn ich Krieg führe, tue ich das nach meinen Möglichkeiten:
    – Habe ich eine gutausgerüstete Armee rücke ich meinem Feind damit zu laibe
    – Habe ich nur selbstgebastelte Sprengsätze, dann mit den Mitteln des Partisanenkrieges

  14. sirdoom schreibt:

    Ihr habt beide recht: Natürlich ist es auch eine Budget und Landfrage, was die Art des Krieges angeht.

    Das Verwenden der eigenen Bevölkerung als Schutzschild durch die Hamas ist sowohl den praktischen Grund geschuldet, dass es eine funktionierende, militärische Taktik ist – und die Hamas sind jetzt nicht die ersten, die sowas machen – und der Tatsache, dass Hamas natürlich keinen Frieden und/oder richtige zivile Strukturen will. Damit wäre ihre Machtbasis verschwunden. Solange Krieg herrscht sitzen sie fest im Sattel.

  15. sirdoom schreibt:

    Extremisten: Ich sehe hier Extremisten als die Stufe unter Terroristen, sprich Gewalt ist durchaus Teil der Agenda, aber man ist noch nicht vollständig im bewaffneten Krieg. Und die Haredi sind zumindest teilweise auf dem Weg über die Grenze. Ob Gewalt gegen Frauen, Atheisten, Christen, christliche Kirchen(verdammte christliche Palästinenser!), oder kleine Jagdausflüge im Westjordanland.Nur mal die allerersten Google Hits [Link 1, Link 2].

    Arabischer Frühling von den USA/Israel ferngesteuert: So formuliert ist es schon Propaganda, aber es ist etwas naiv eine Beteiligung beider Parteien auszuschließen. Es geht eher um die Wertung der Intentionen.

    Broder das Lueger-Zitat unterzuschieben, finde ich schon etwas krass.

  16. 3-6 schreibt:

    Die Hamas nutzt die eigene Bevölkerung nicht als Schutzschild, sie zieht aktiv Feuer auf sie, um Nachrichten zu produzieren.
    Abgesehen davon zielen Aktionen der Hamas fast ausnahmslos auf die israelische Zivilbevölkerung, weil sie gegen die Armee keine Chance hätten.

    Im Gegensatz dazu lässt Israel dutzende Mörder frei, nur um die sterblichen Überreste der eigenen Soldaten zurückzuerhalten.

    Ich weiß da einfach, auf wessen Seite ich stehe.

  17. Cunningham schreibt:

    Da ich weder Palestinenser bin, noch Israeli, stehe ich per se erstmal auf keiner Seite.

    Nur, was ich nicht bereit bin mitzutragen ist, dass der Staat Israel oder gar dessen Regierung in irgendeiner weise über der Kritik steht und dass jemand für seine Kritik die Antisimitismuskarte gezeigt bekommt.
    Jetzt mal ganz von den beiden geistigen Brandstiftern, die Gegenstand von dooms Artikel sind, abgesehen.

    Darüber hinaus ist Israel, meiner Meinung nach, genau so teil des Problems geworden, wie alle anderen Beteiligten dort unten.
    Es gibt da eine schöne Textzeite zu einem Song zum Nordirlandkonflikt:
    „The priests they stood on both sides the priests they stood behind
    Another fight in Jesus name the blind against the blind“
    Und erschreckend ist, dass auf beiden Seiten die größten Arschlöcher den meißten Einfluss haben…

  18. 3-6 schreibt:

    „Wir folgen dabei sehr genau der Definition von Nathan Sharansky, dem Vorsitzenden der israelischen Einwanderungsorganisation. Entscheidend sind demnach Doppelmoral, Dämonisierung und Delegitimierung. Trifft eines dieser drei „D“ zu, handelt es sich nicht mehr um bloße Kritik.“

    Finde ich transparent genug.

  19. sirdoom schreibt:

    Transparent ja, objektiv funktionierende Definition nein. Alleine bei Doppelmoral gehts schon los. So gut wie kein Bürger eines Landes kann dann irgendwas sagen, weil sein eigenes Land garantiert auch irgendwo Leichen rumliegen hat. „Dämonisierung“ soll was genau heißen? o.O Delegitimierung hat auch 1-2 Haken: Palästinenser sind auch Semiten. Die von den Unterstützern israelischer Hardliner betriebene Kampagne der Delegitimierung des Staates Palästina ist also antisemitisch. Das ist nicht meine Meinung, aber ich hoffe das logische Problem ist ersichtlich.

    Nebenbei mal was grundsätzliches, da ich schon 2-3 hate mails bekommen habe, ich Nazi – was witzig ist, da mir aus dem PI-News-Umfeld neulich schon gedroht wurde, da ich ja so ein linker Kommie-Spinner bin: Es gibt genug Meinungen und Aussagen von Augstein, die ich für totalen Unfug halte. Ich mag den Kerl nicht mal. Und ich fühle mich nicht wohl dabei, dass ausgerechnet ich den quasi verteidigen „muss„. Aber unabhängig davon sind meine Probleme mit dem Gesamtkonstrukt dieses „Affärchens“ und der Implikationen so groß, dass ich mich doch dazu gezwungen sehe, was mir aber nicht besonders Spaß macht.

  20. sirdoom schreibt:

    ^^Nachdem Link auf das Interview mit Rabbi Cooper vom SWC mal die andere Seite. Fleischhauer berichtet bei SPON wie die Interviewverhandlungen von Spiegel und dem SWC abgelaufen sind: Der Fall Augstein

    Und noch mal ein Nachschlag über den Kommunikationsversuch: Nicht im selben Zimmer

  21. 3-6 schreibt:

    Du bekommst Hate-Mails? lol

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/antisemitismus-debatte-israel-gehoert-nicht-seiner-regierung-12016138.html

    Großer Sport: Herrn Levi als Zeugen dafür hernehmen, dass der Augstein kein Antisemit ist…

  22. sirdoom schreibt:

    Ja, durchaus. Die ersten, recht harmlosen Hate-Mails kamen damals wegen der FantasyDays-Geschichte. Das war dann aber doch eher lächerlich.

    Etwas ernster habe ich dann die insgesamt 20-30 Hate-Mails von Salafisten – weil ich böser Ungläubiger den Islam verunglimpfe und Nazi-Deutscher bin – und einigen Rechtsextremisten aus dem PI-News-Umfeld genommen. Keine direkten Morddrohungen, aber halt Beschimpfungen der derbsten Art und Unfälle passieren ja. Da beid eSeiten angepisst sind, muss ich allerdings einiges richtig gemacht haben.

    Zum Thema zurück: Levi ist doch der Haretz-Journalist irgendwo zwischen aufrechtem Wahrheitssucher und Hamas-Propaganda-Sprecher, je nachdem, wem man zuhört, oder? Ist vielleicht eine ebenso falsche Wahl als Kronzeuge wie es Broder ist ;).

    Der folgende Absatz aus dem Artikel ist aber wiederum nicht allzufern der Realität: „Ihre Mittel sind klar. Das erste ist die Gleichsetzung von Netanjahus Regierung mit dem Staat Israel an sich. „Time Magazine“ hatte im letzten Mai leider völlig recht, als es Netanjahu zum „King Bibi“ auf seinem Titelblatt krönte. Denn wer sich gegen Netanjahu oder seine Spießgesellen äußert, wird als Feind Israels bezeichnet. L’État, c’est moi.“

  23. sirdoom schreibt:

    Harald Martenstein/Der Tagesspiegel: Ich will auch auf die Antisemiten-Liste!

  24. sirdoom schreibt:

    *hihi*

    Wobei dieser Audio-Feed auch aus einer ganzen Reihe[!] anderer Köpfe stammen könnte*g*

  25. 3-6 schreibt:

    WELT Online – Henryk M. Broder – Brief an meinen Lieblings-Antisemiten Augstein – Das Vorwort zur aktuellen Debatte

    Welt online – Henryk m. Broder – Die modernen Antisemiten argumentieren subtil – Broders aktueller Kommentar zu den Kommentaren

    [Admin Edit: Hab das mal ich schick und mit Beschreibungstext gemacht]

  26. sirdoom schreibt:

    Problem: Broder hat durchaus in einigen Punkten vollkommen recht. „Moderne Antisemiten argumentieren subtil: Sie sagen, Israel sei die Weltgefahr Nummer eins sei und hinter allem stecke die allmächtige „Israel-Lobby“. Und unterstellen damit: Gäbe es Israel nicht, dann wäre der Frieden auf Erden kein Problem. Das ist Antisemitismus pur.“ Damit hat er recht!

    Aber Broders Hass auf Intellektuelle – den er ausnahmsweise mal vollkommen offen zeigt – und seine wutschnaubende Subjektivität bei Augstein sorgen dafür, dass er hier an falschen Haustür rumrandaliert.

    Bei Augstein schüttel ich in 80% der Fälle den Kopf und in 20% der Fälle hat er einen Punkt, wo ich mich dann ärgere, dass drumherum so viel Grütze steht. Bei Broder war es ähnlich. Aber da ist der Krug nun voll. Ich kann Paranoia-Tourette-Broder einfach nicht mehr ernst nehmen…

  27. sirdoom schreibt:

    Das SWC relativiert seine Aussage. Augstein äußere sich zwar kritisch über Israel, sei dadurch aber nicht automatisch ein Juden-Hasser. Entschuldigen müsse er sich für die Aussagen trotzdem. [Link]

    WTF? o.O

  28. Pingback: “Begegnungen” |

  29. Brutus schreibt:

    Also wenn ich die Sache richtig verfolgt habe, hat das SWC nichts relatviert, sondern eher die Panikmache in der deutschsprachigen Presse richtiggestellt: Es ging doch nie darum ob J.A. jetzt echt ein Antisimit ist oder eben nicht, sondern nur darum, dass seine Aussagen es in die “Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs” geschafft haben. Ich kann aber verstehen, dass das Wunschdenken der Redaktion der Studenten-Bravo in eine andere Richtung geht 😉

    Imo sind seine Aussagen in dieser Liste gut aufgehoben, ungeachtet der Tatsache ob sie denn nun „eine gewisse Wahrheit enthalten“ oder eben nicht. Die einseitige Dauer-„Kritik“ gegen Israel seitens J.A. gepaart mit seiner Wortwahl, etc. würde für mich noch weitergehende Schlüße zulassen aber das ist ja erstmal egal.

    Kann schon sein, dass ich da was nicht mitgeschnitten habe, da ich der üblichen Abfolge – Antisemitisches-Verhalten wird benannt + reflexartige Abwehr + darauf folgende Histerie (USrale, PC-Regime, Antisemitismuskeule, etc.) – mit immer weniger Aufmerksamkeit folge. Ändert am virulenten Antisemitismus wenig und macht deutschen Journalismus erst recht nicht erträglicher 😉

  30. sirdoom schreibt:

    Statt „Relativierung“ wäre wohl „Differenzierung“ oder „Erläuterung“ passender, aber für die Schlagzeile macht sich halt „Relativierung“ besser. 😉

    Und ja, die dt. Presse hat kollektiv statt anti-semitic/anti-israel slurs „PERSON > ANTISEMIT“ verstanden, was so nicht stimmt. ABER die Gleichsetzung von anti-semitic/anti-israel ist sowieso schon eine „gewagte“ Konstruktion und zumindest in Deutschland – Geschichte und so – wird die Unterscheidung zwischen den Argumenten und der Person bei dem Thema eh nicht gemacht.

    Mein WTF? Bezog sich auf „Augstein äußere sich zwar kritisch über Israel, sei dadurch aber nicht automatisch ein Juden-Hasser. Entschuldigen müsse er sich für die Aussagen trotzdem.“ Wieso sollte er sich dann entschuldigen MÜSSEN?

  31. 3-6 schreibt:

    Weil die Aussagen antisemitisch sind. (Und er vielleicht auch.)

  32. sirdoom schreibt:

    Nach wessen Definition? Seine Aussagen sind vielleicht dumm, anti-Netanjahu-Regierung, sogar in Teilen anti-zionistisch, aber ich kann da keine antisemitischen Äußerungen erkennen. Sprich die pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums.

    Wobei es natürlich darauf ankommt welche Definition man nimmt. Die wissenschaftliche oder Broders. Bei letzterer ist schleißlich alles antisemistisch was nicht pro Netanjahu ist.

  33. 3-6 schreibt:

    Nach Meinung des SWC natürlich.

  34. sirdoom schreibt:

    a) Da hat Broder mal Respekt für verdient
    b) Ist seine Argumentation da wesentlich nachvollziehbarer

  35. sirdoom schreibt:

    BTW, ist das jetzt auch Antisemitismus? 😉 Wobei ich hier Richtung der zitierten Augstein-Zitate schiele…

    Israels früherer Ministerpräsident Ehud Olmert hat Amtsinhaber Benjamin Netanjahu kurz vor der Wahl die Vergeudung von elf Milliarden Schekel (etwa 2,2 Milliarden Euro) für Angriffsvorbereitungen auf den Iran vorgeworfen. Die Gelder seien für „verrückte Abenteuer ausgegeben worden, die nicht Wirklichkeit wurden und es auch nicht mehr werden„, weil 2012 das entscheidende Jahr für einen Angriff auf das iranische Atomprogramm gewesen sei.

    Die Regierungsmitglieder hätten „die Welt ein Jahr lang in Schrecken versetzt und am Ende gar nichts getan„, sagte Olmert im Hinblick auf die israelischen Drohungen mit einem Überraschungsangriff gegen iranische Atomanlagen im Verlauf des vergangenen Jahres. [Link]

  36. 3-6 schreibt:

    Kurz vor der Wahl 😉

    Für mich hatte es eine Zeit den Anschein, dass Israel durchaus dabei war, im Iran zuzuschlagen. Ein Teil dieser Bemühungen (AFAICR Verhandlungen mit Saudi-Arabien (!) um Nutzungsrechte für einen militärischen Flughafen) kamen dann aber über die US-Medien in die Presse.

    Ein Schuft, wer bös drüber denkt. Obama will die iranischen Nukes wohl genauso im Alleingang erledigen, wie er Osama gekillt hat. o.o

  37. sirdoom schreibt:

    Also meine Vermutung war ja, dass Obama durchaus beim Durchsickern von Angriffsoptionen aktiv mitgemacht hat, um Druck aufzubauen, so dass der Iran vielleicht doch einknickt, wenn sie damit rechnen müssen von Israel und den USA zusammen weggebombt zu werden. Aber einen echten Krieg mit dem Iran will Obama natürlich nicht. Nach Afghanistan und Irak und der wirtschaftlichen Lage kann Obama alles nur keinen weiteren Krieg brauchen. Bei einem begrenzten Einsatz mit Luftschlägen würde die Sache natürlich schon etwas anders aussehen, aber sowas kann auch ganz schnell eskalieren. Bei Israel hatte ich verständlicherweise eher das Gefühl, dass sie das ernst meinen. Aber ohne zumindest logistisches Backup der USA würde das nichts.

    Um zum Anfang zurückzukommen: 2013 ist Bundestagswahl. Wenn Augstein also im Wahlkampf Israel als Gefahr bezeichnet, dann ist das okay? 😛 😉

  38. 3-6 schreibt:

    Naja, mit einem Flugfeld zwischendrin wäre es durchaus einfacher gewesen. Bis in den Irak haben sie es ja schon einmal geschafft.

    Augstein taugt wohl nur als Beispiel dafür, dass Nepotismus schlecht ist.

  39. sirdoom schreibt:

    Iran poses a short-term threat to Israel’s survival; Israel’s own behavior poses a long-term one.“ President Barack Obama [Link]

    Simon Wiesenthal Center – übernehmen Sie!

  40. sirdoom schreibt:

    Das SWC und Rabbi Cooper haben letzten Donnerstag(21.01.2013) in Berlin nachgelegt: Ja, Augstein ist ein Antisemit

    Zu den 3 D’s – Dämonisierung, Delegitimation und Doppelmoral – habe ich ja weiter oben schon was gesagt. Also gin es wohl doch nicht um antisemitic „Slurs“, sondern darum, dass jede Kritik an der aktuellen Regierung Israels antisemitisch ist. Küntzel hat ja gleich noch einen draufgelegt und Augstein als rechtsradikal bezeichnet. Konsequenz wäre ja eigentlich: SWC auf die Liste irrelevant/Propaganda setzen, aber das ist wahrscheinlich antisemitisch…

  41. Pingback: “Weltkrieg, Broder und das Jobcenter Mossul” |

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