„Double Feature: Act of Valor – Safe“

Auf den Philippinen wird in einer internationalen Schule in Manila ein Selbstmordanschlag verübt, bei dem der US-amerikanische Botschafter, sein Sohn und viele andere Kinder ums Leben kommen. Kinder!!! Zur Betonung! Hierfür verantwortlich ist der Terrorist Abu Shabal. In Costa Rica befindet sich die CIA-Agentin Lisa Morales, die in einem Undercover-Einsatz die Verbindung des Drogen- und Waffenhändlers Christo zu Abu Shabal nachweisen soll. Doch sie wird enttarnt, von Christos Gefolge entführt und gefoltert. Daraufhin wird eine Einheit der United States Navy SEALs mit der Befreiung der Agentin beauftragt. Die SEALs werden in der Nähe von Christos Camp abgesetzt und töten seine Männer diszipliniert, professionell und geräuschlos und befreien die CIA-Agentin, die wertvolle Informationen liefert. Zwischenzeitlich besorgt sich Abu Shabal spezielle Sprengstoffwesten, die mit Keramikkugeln gefüllt sind und von keinem Metalldetektor zu orten sind. Er plant damit verheerende Terroranschläge auf verschiedene US-Städte mittels Selbstmordattentätern. Christo ist für die Einschleusung der Terroristen in die USA verantwortlich. Die Navy SEALS gehen auf die Jagd in Afrika und Mexiko!

Zwei Regisseure drehen Werbeaufnahmen bei der US Navy und denken sich irgendwann: Da geht doch mehr! Aber wir brauchen einen Aufhänger. Nicht nur ein weiterer Militär-Actionfilm. Nein, ein Film, bei dem ECHTE Navy Seals mitspielen! Chakka! Act of Valor! Und die Navy war begeistert. Dann klapperte man alle SEAL Trainingsanlagen ab: Kolumbianischer Live Fire Dschungel- und Flusskampf in Missisippi auf dem Gelände des Stennis Space Center, mexikanischer Häuserkampf in San Diego, Boat Raid vor San Diego und als Somalia-Double ein Trainingsgelände im Umkreis von L.A., verfeinert mit ein paar Fallschirmsprüngen. Dann fing man an darum eine Geschichte zu stricken. Was man auch ganz schlimm merkt. Tschetschenischer Islamisten-Terrorist macht gemeinsame Sache mit Waffen- und Drogenhändler, beide mögen klassische Musik und sind gebildet – schlimmes Verbrechen in gewissen Kreisen. Die Familienszene des Waffenhändlers hat man rausgeschnitten und mehr Herz-Schmerz Familienstories der Seals reingepackt. Islamist versucht dann philippinische Selbstmordattentäter mit Hilfe eines Drogenkartells über die viel zu lasch gesicherte US-Mexiko-Grenze zu bringen, wo dann einer der zwei Kubaner aus Bad Boys 2 den einzig aufrechten, mexikanischen Special Forces-Typen spielen darf. Dann wird sich noch geopfert und es gibt ein Michael Bay-Gedächtnis-Begräbnis. Vorher gibt es allerdings als Zugeständnis an die Battlefield 3-Generation ziemlich viele Ego-Perspektiven beim stürmen von Gebäuden. Die darstellerische Leistung ist im besten Fall hölzern, die Dialoge furchtbar und wirklich aufdringlicher Patriotismus trieft aus jeder Pore. Und dabei ist die internationale Fassung noch entschärft worden[Link], im Original weht da noch weitaus mehr Pathos durch die Landschaft. Ansonsten werden munter Landesgrenzen ignoriert, Leute auf Verdacht umgelegt, Kollateralschäden jeder Art in Kauf genommen, das übliche halt. Ich war fast schon enttäuscht in der Videothek kein Rekrutierungsplakat für die US Navy zu finden.

Aber es gibt auch einen Lichtblick: Die Action-Szenen sind wirklich gut, spannend und wirken sehr realistisch. Wenn man den Rest ausblenden kann, es einem egal ist oder man bei Flaggenwedelei und Weichzeichner einen Ständer bekommt oder feucht wird (gender mainstreaming gerechte Formulierung), dann kann man durchaus mal einen Blick riskieren. Allerdings sollte man Act of Valor nicht im selben Satz oder gar auf derselben Seite, wie z.B. Black Hawk Down erwähnen, Schande über mein Haupt. Und Bad Boys 2 ist immerhin weitaus lustiger

Safe - Todsicher - LogoBoaz Yakin ist ein widersprüchlicher Mensch. Schrieb das Drehbuch für den Dolph Lundgren-Punisher aber auch das für Rookie – Der Anfänger. Auf das hochgelobte Drama Fresh folgt der Totalabsturz mit From Dusk till Dawn 2 – Texas Blood Money, dann Gegen jede Regel mit Denzel Washington. Dann wird es bizarr. Dirty Dancing 2, Hostel und Prince of Persia – Der Sand der Zeit. Und sein letzter Streifen ist SAFE – Todsicher mit Jason Statham, der zwischen echt guten Actionfilmen auch ganz erbärmlichen Schrott runterkurbelt.

Das chinesische Mädchen Mei (Catherine Chan) hat ein fotografisches Gedächtnis und wird ihrer kranken Mutter weggenommen, damit sie als menschlicher Computer den Triaden in New York beim „Papierkram“ hilft. Dann steht ein großer Deal bevor, sie muss einen besonderen Code auswendig lernen und wenig später wird versucht sie zu entführen und ihre Triaden-Adoptiveltern versuchen sie zu töten, damit sie nicht auspacken kann. Aber Mei kann fliehen und ist nun ganz allein in New York, verfolgt von der russischen Mafia, den Triaden und einem Haufen korrupter Bullen. Luke Wright (Jason Statham) war ein Elite-Cop, bis er gegen seine korrupten Kollegen aussagte. Dann war er mittelmäßig erfolgreicher Mixed-Martial-Arts-Preisboxer. Bei einem abgesprochenen Kampf schlägt er nur einmal zu, damit es nicht zu auffällig aussieht und schlägt seinen total überforderten Gegner ins Koma. Die russische Mafia verliert Millionen. Als Rache töten sie Wrights Frau, aber nicht Wright selber. Ihm versprechen sie nur, dass sie ihn beobachten und jeden töten, der ihm zu nahe kommt. Der selbstmordgefährdete Wright und das chinesische Mädchen Mei treffen sich in der U-Bahn, als Wright gerade vor einen Zug springen will. Durch ihre Anwesenheit rettet sie ihm das Leben und Wright hat endlich wieder eine Aufgabe. Eine Aufgabe die Fähigkeiten erfordert die Wright weit vor seiner Karriere als Cop erlernt hat. Und diese Fähigkeiten hat er auch bitter nötig, da er die russische Mafia, die Triaden und seine korrupten Ex-Kollegen gegeneinander ausspielen und -schalten muss. Und eine Ebene höher lauern noch ganz andere Monster.

Nachdem ich den Trailer gesehen hatte, lag SAFE – Todsicher lange bei mir ungesehen rum, da ich aufgrund der Vorschau von einem der wahrscheinlich beknacktesten Statham-Actionfilme aller Zeiten ausgegangen bin. Glücklicherweise hab ich mich geirrt und Safe – Todsicher ist im Gegenteil einer der besten Statham-Filme überhaupt. Klar ist das kein OSCAR-Material, aber gut gefilmte, blutige, konsequente Action, die wertig aussieht und doch mit einigen schicken Plottwists aufwarten kann, mit denen man nicht rechnet. Die FSK 18 wird mit blutigen 80er-Ballereien samt Trefferanzeige – kein PG-13-sie-fallen-einfach-um-kein-Blut – verdient. Dazu darf Statham endlich mal wieder gut choreographiert den bösen Jungs auf die Glocke hauen. Dazwischen gibt es ein Mindestmaß an halbwegs glaubhaftem Beziehungsaufbau zwischen Statham und dem Mädchen und komprimierte Story. Da findet sich kein überflüssiger Fettrand. Der Endkampf endet etwas abrupt, aber im guten Sinne überraschend. Safe – Todsicher leistet also genau das, was der Film soll. Kein Innovations- oder Künstlerpreis, aber Daumen hoch, Ziel erreicht.

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