„Begegnungen“

Manchmal reicht schon ein einfaches, mit offenen Augen durch die Stadt gehen, um diverse witzig bis abwegige Beobachtungen zu machen. Nehmen wir einfach mal die letzten 48 Stunden. Gewisse Trends, die man trotz Verweigerungshaltung zumindest am Rand trotzdem mitbekommt, sind so lächerlich, dass man immer der Meinung ist, dass es das außerhalb des Privatfernsehens – ja RTL2, ich meine explizit und abstrafend dich – nicht gibt.

Begegnungen - logoWie ich lernen musste, gibt es allerdings wirklich Menschen, die Plüsch-Titten-Mützen, Neon-Schnürsenkel und Hawaii-Tarnhosen tragen. Es gibt echte Atzen. Wer da nun wen inspiriert hat – Realo-Atzen die Medienversion oder die Fiktion die Realität – keine Ahnung. Immerhin sind die recht harmlos, wenn sie nicht gerade Party bei einem zu Hause machen. Weitaus schlimmer sind da schon hässliche, übergewichtige Menschen, die lauthals herausschreien, wie toll und „Supastar“ sie doch sind. Sprich, es gibt durchaus das deutsche Äquivalent zum Jersey Shore-Proletenpack. Eigentlich denkt man ja: Sollen die Spackos ruhig machen, aber mich stören Leute die saublöd sind und dies auch noch lauthals als Pluspunkt herausstellen. Dagegen sind die Atzen absolut sozialverträglich.

In der Bank am Schalter – man wählt immer den falschen: Vor mir versucht eine ranghöhere Angestellte der Bank mit Jungazubi(männlich) an der Seite einem Süd-Südländer zu erklären, wie das mit dem Bausparvertrag funktioniert und gibt sich dabei sichtlich Mühe, während die verschleierte Begleitung des Mannes – keine Ahnung ob die verschleierte Person männlich oder weiblich war, denn es war aufgrund der Verschleierung nicht ersichtlich – Abseits ruhig warten darf. Problem (das Sprachproblem war sogar relativ überschaubar): Der nette Mann unterbricht die Bankangestellte alle zwei Sekunden rüde und unhöflich und wenn er was sagt, schaut er demonstrativ nur den Jungazubi an, dem langsam der Schweiß ausbricht und der vor seinem geistigen Auge schon den Sprengstoffgürtel detonieren sieht. Wobei das eine vollkommen übertriebene Angstreaktion war. Der Jungazubi war vollkommen sicher, aber die Bankangestellte war kurz davor totgeschlagen zu werden, weil diese unverschleierte Hure es wagte den Herren Pascha andauernd anzureden. Meine kulturelle Feinfühligkeit hält sich bei sowas stark in Grenzen. Immerhin war der Schalter nebenan schnell frei, da sich eine Abstandsblase um den Möchtegern-Jihadisten bildete.

Bei der Post war alles wie immer. Egal welche Uhrzeit, es steht eine Schlange bis in den Vorraum. Immerhin nicht wie sonst bis auf die Straße. Der Optimierungsplan der Beraterfirma hat wunderbar funktioniert. Der Kunde fühlt sich wie in der DDR, die Angestellten sind gestresst bis zum Anschlag und die Deutsche Post konnte zwei Stellen einsparen, Applaus. Lustig war die junge Frau, die ihren Brief etwas kreativ beschriftet hatte und sich vom Postangestellten anhören musste: „Haben sie noch nie einen Brief geschrieben?„. Daraufhin wurde sie leicht rot im Gesicht und antwortete: „Nein, noch nie, das ist mein erster.“ Was auch vollkommen möglich ist. Menschen die nach 1995 geboren wurden können durchaus noch nie einen physikalischen Brief geschrieben haben. Nach dieser Antwort hat sich der Postangestellte aber netterweise jede Bemerkung erspart und hat ihr ganz lieb erklärt, wie das nach Postregularien zu funktionieren hat. Als ich dann dran kam konnte es mir nicht verkneifen ihn zu fragen, wie man das denn macht, wenn man wen bei einem Brief CC setzen will. Ob er das dann fotokopieren würde, oder so. Sein Kollege musste immerhin grinsen.

Unter interessant verbuche ich die Begegnung mit einem muslimischen Libanesen aus Beirut, der in England zur Schule gegangen ist und den es beruflich nach Deutschland verschlagen hat und der mir bei einem Bier – nachts darf man trinken, Allah sieht das nicht – 1-2 Geschichten erzählt hat. Nach der broderschen Definition ist er ein böser Antisemit,  nach Definition der Hamas ist er ein böser Judenliebhaber und Hochverräter. Dazu meinte er „Man muss schon irgendwas richtig gemacht haben, wenn man von Broder und der Hamas gehasst wird„. Und dann war da noch der süddeutsche Katholik, dem ein „Gott verhüts‘“ entfuhr und der mich damit zu einem Lachanfall bewegte. Aber wahrscheinlich finde nur ich sowas witzig.

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16 Antworten zu „Begegnungen“

  1. Korsar schreibt:

    @Atzennebenschauplatz: Wie bemerkte mein Kumpel doch gestern so treffend in der Küche: Wenn diese Klamotten Mainstream sind und Goths im Anzug schräg angeschaut werden, dann hoffe ich bei Gott, das Anzüge bald wieder in sind…

  2. Andai schreibt:

    Peer komm mal einen Tag nach Berlin ^^. Ich glaube du wirst deine helle Freude haben (oder eben auch nicht *g*)

  3. sirdoom schreibt:

    Immerhin könnte man die Hipster-Gebiete für einen orbitalen Schlag markieren! 😀

  4. DarkISI schreibt:

    Weißt du Doomy, ich mag dich ja… aber wenn du da nicht nachträglich ein paar Absätze einbaust, dann erkläre ich dir mal haargenau, wie das mit dem Jihad so funktioniert 😉

  5. sirdoom schreibt:

    Wenn du mir erst mal erklärst was du genau meinst? Ich vermute du meinst meine „kulturunsensible und politisch inkorrekte“ Gedankenkette von Süd-Südländer, Burka-Ding zu Jihad? Das ist zwar schon klischeebeladen und polemisch, aber doch recht einfach verständlich.

  6. DarkISI schreibt:

    Nein, ich meine den Text lesbar machen. Ist wirklich anstrengend, diese dicke Textwand 😉

  7. farmerboy schreibt:

    Es fällt mir ja schwer das zu sagen, aber: da hat der ISI sogar mal recht ;)=
    Was natürlich nicht sein kann, da ja der Doomperator unfehlbar ist und daher auch seine Texte…
    Ergo muss es sich um eine nachträgliche Veränderung des Textes durch das Rebellenpack handeln…

    *geht auf Hexenjagd im Umfeld des Imperators..*

  8. sirdoom schreibt:

    Weicheier*g*. Ich hab in letzter Zeit ziemlich viel Fachliteratur gelesen, die komplett „wall of text“ war, da bin ich also etwas abgestumpft, sorry. Ich habe extra für euch zumindest ein paar sinngemäße Absätze eingebaut!

  9. The Nightwatcher schreibt:

    Also prinzipiell hast Du mir ein Lächeln – ok spastisches Zucken der Mundwinkel trifft es wohl eher – entlockt, aber
    „Der Optimierungsplan der Beraterfirma hat wunderbar funktioniert. Der Kunde fühlt sich wie in der DDR, die Angestellten sind gestresst bis zum Anschlag und die Deutsche Post konnte zwei Stellen einsparen, Applaus.“
    hat mich dann doch enttäuscht. Das solltest Du mittlerweile besser wissen.
    Gestresst hat sich damals wohl keiner, Stellen wurden ebenfalls nicht eingespart, irgendwie mußte man ja die Vollbeschäftigung erreichen – auch wenn der Säu… Alkoholabhängige nur immer wieder den Hof gefegt hat. Wobei auch das falsch ist, Alkoholabhängige gabs damals auch nicht!
    Prinzipiell wars eh sehr ruhig und idyllisch bei uns … und jeder hat gerne dort gelebt … bis die imperialistische westdeutsche Propaganda und später deren unersättlichen Marodeure kamen … 😉

  10. sirdoom schreibt:

    Hätte man vielleicht klarer trennen müssen. Das „Der Kunde fühlt sich wie in der DDR“ bezieht sich nur auf die langen Schlangen zum Anstehen als bekanntestes DDR-Klischee. Der Rest ist natürlich kapitalistisches Ausbeuter-Terror-Klischee. Ich beleidige also beide Seiten, darauf lege ich viel Wert!

  11. DarkISI schreibt:

    Gleichberechtigung und so 😉

  12. sirdoom schreibt:

    Kann man so verkaufen, der Wahrheit näher ist aber „hab eine leicht cholerische Ader und mag die alle nicht“ 😉

  13. Cunningham schreibt:

    Ich überlege seit Tagen, was Du für ein Problem mit Hawaii-Tarnhosen hast…

  14. sirdoom schreibt:

    Hawaii-Tarnhosen eigenen sich nicht unbedingt als Tarnung auf Hawaii, sondern sind einfach schreiend und Kopfschmerzen auslösend bunt!!!*grrr*

  15. Cunningham schreibt:

    Aber bunt* ist doch toll, bei mir ist heute mein neues Hawaii-Hemd angekommen… *G*

    *Oder meine ich jetzt bund

  16. sirdoom schreibt:

    „Waaaaaaaaaaaaaaachen!!!“

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