„Movie Feature of the Year 2012 – Dredd – Looper – etc.“

Zeit für einen Rückblick auf das Filmjahr 2012. Etwas spät, aber sowas muss man immer etwas sacken lassen. Gleich zwei große Gewinner wurden hier vorher noch gar nicht besprochen, die Sache hat also auch Neuigkeitswert.

Dredd LogoEnde des 21. Jahrhunderts sind die USA ein radioaktiv verseuchtes Ödland. An der Ostküste liegt Megacity One, ein 800 Millionen Megasprawl  in dem täglich 17.000 schwere Verbrechen begangen werden. Davon werden nur wenige Prozent überhaupt verfolgt und dies auch nur, weil die eingesetzte Ordnungskräfte, die Judges, als Richter, Geschworener und Vollstrecker gnadenlos durchgreifen. Die Lebenserwartung eines Judges ist dementsprechend auch nicht allzu hoch und alles wird täglich schlimmer, seitdem eine neue Designerdroge namens Slo-Mo, die das Zeitgefühl der Benutzer auf 1% der normalen Geschwindigkeit runter regelt, auf dem Markt ist und um sich greift. Der wortkarge und erfahrene Judge Dredd (Karl Urban) bekommt vom Chief Judge die Anfängerin Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) aufs Auge gedrückt, die knapp am Eignungstest gescheitert ist, aber die Hall of Justice will ihr eine zweite Chance geben, da die Anfängerin unschätzbare psychische Kräfte besitzt. Dredd soll sie deshalb bei einem Feldtest bewerten.

Dredd01Ihr erster Fall führt sie nach Peaches Trees, einer 200 Stockwerke-Arkologie, die man auch als kleinen „failed state“ bezeichnen könnte, wo drei Kleinkriminelle aus den oberen Stockwerken geworfen wurden. Dredd und Anderson gehen der Sache nach und nehmen eine Drogenhöhle auseinander, bei der sie einen Gefangenen machen, der anscheinend zu viel weiß. Der örtliche Warlord Ma-Ma /Madelaine Madrigal (Lena Headey) lässt die Arkologie abriegeln und schickt ihr Horden von Schergen los, um die beiden Judges zu eleminieren. Und das ist erst der Anfang…

Dredd TowersIch mag den 90er-Judge Dredd mit Silvester Stallone ja durchaus gerne, auch wenn er mit der Comicvorlage nicht viel zu tun hat. Es ist halt ein spaßiger Buddy-Action Movie mit coolen Designs. Dredd ist hingegen ein ganz anderes Kaliber. Alles an Härte, was das Total Recall-Remake sein wollte. The Raid mit weniger Wiederholungen und Leerlauf. Eine Schlachtplatte vom Kaliber Verhoeven -Total Recall und Robocop. Da wird nicht gekleckert, sondern amtlich gesplattert. Wenn geballert wird, dann wird auch schon mal ein ganzes Stockwerk zersiebt. Und Dredd setzt seinen Helm nie ab, was den Liebhabern der Vorlage wichtig sein dürfte, erreicht dabei aber trotzdem höhere mimische Leistungen als die gesamte Transformers-Besetzung zusammen.

Man merkt den Machern des Films einfach an, dass sie Fans guter alter 80er Actionware sind und ist dankbar, dass sie diese konsequent und stilsicher ins 21. Jahrhundert verpflanzt haben. Die Kombination aus Action, schwarzem Humor, schnörkeloser, funktionierender Story, Splatter und ziemlich guten, visuellen Effekten ergibt eine wunderbare Genre-Perle. Eines der Ausnahmebeispiele, dass das „Remake“ besser funktioniert als das Original. Und „Cersei Lannister“ bekommt auch endlich was sie verdient. Unschöne Schlussfolgerung: Das Robocop-Remake kann dagegen nur mies sein.

Action movie of the year 2012 award

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looper-logoIm Jahr 2044 befinden sich die USA in einem sozio-ökonomischen Zusammenbruch, Gewalt ist an der Tagesordnung und 10 % der Bevölkerung haben durch eine Mutation schwache telekinetische Fähigkeiten erlangt. Joe (Joseph Gordon-Levitt) verdient seinen Lebensunterhalt als sogenannter Looper. Looper sind die Auftragskiller für ein Syndikat, welches um das Jahr 2074 in der Zukunft besteht und sich im Geheimen der Zeitreisetechnologie bedient, um unliebsame Personen verschwinden zu lassen, da Morde in der Zukunft eigentlich immer aufklären lassen. Die Opfer – gefesselt und mit einem Sack über dem Kopf – werden in die Vergangenheit geschickt, von den Loopern erschossen und entsorgt. Für jeden Auftragsmord erhält ein Looper Silberbarren als Bezahlung, die seine Opfer in einer Haltevorrichtung auf dem Rücken tragen. Zur letztendlichen Spurenverwischung sind die Looper ohne Widerspruch verpflichtet, auch ihr 30 Jahre älteres Selbst auf die gleiche Weise zu eliminieren, was dem jüngeren Selbst durch eine zusätzliche Bezahlung in Gold erleichtert wird. Diese finale Selbsttötung wird als closed loop (abgeschlossener Kreis) bezeichnet. Als Joes Alter Ego (Bruce Willis) erscheint, läuft aber nichts so wie geplant, denn der ältere Joe ist nicht gefesselt und vorbereitet. Denn er will sich sein Leben wieder besorgen, Vergangenheit und Zukunft. Dafür muss er den fast allmächtigen Syndikats-Boss Rainmaker (Regenmacher) töten, bevor dieser unantastbar wird. Aber der junge Joe hat andere Pläne. Genauso wie die Syndikatskiller. Und alle sind auf dem Weg zur Farm des Regenmachers.

looper01Rian Johnsons Looper ist ein Zeitreise-Actionthriller, der mal wieder ein organisch-lineares Modell – eine Zeitlinie, keine Paralleluniversen, wellenförmige, teilweise leicht verzögerte Ausbreitung von Änderungen der Realität – bemüht und trotz der immer vorhandenen Probleme der Thematik erstaunlich logisch bleibt. An die Prothesen von Gordon-Levitt, damit er Bruce Willis ähnlicher sieht, muss man sich gewöhnen, aber nach zehn Minuten sollte man sich akklimatisiert haben und darf sich über das zwar kühle, aber gut zusammenpassende Spiel der Akteure freuen.

Wer intelligente SciFi-Filme mit etwas Anspruch und Action mag, deren Budget ausreichend bemessen ist, um neben dem üblichen Blockbuster-Krachwumm zumindest nicht lächerlich auszusehen, ist hier genau richtig. Looper ist eindeutig der beste Genrefilm des Jahres und wahrscheinlich der beste Zeitreisefilm seit 12 Monkeys, wobei er dessen Kultstatus nie erreichen wird. Aber in einer Liga mit Source Code spielt er sicherlich. Und wer Moon, den besten Film des Jahres 2010, mochte, der dürfte ob einiger ethischer Fragen hier auch nicht falsch sein. Bei Looper werden nämlich doch einige Hollywoodregeln wohltuend missachtet. Sehr empfehlenswert!

Sci-Fi movie of the year 2012 award

Auf den Sci-Fi Podiumsplätzen landen übrigens In Time und der stark unterschätzte John Carter. Der Horrorfilm des Jahres 2012 ist übrigens eindeutig The Cabin in the Woods, dicht gefolgt von The Divide. Beim besten Polit-/Spionagethriller 2012 gibt es ein Unentschieden, das Photofinish zwischen Argo und Dame, König, As, Spion ist einfach zu eng.

Honorable mentions: Beste Nazi-Action-Komödie 2012 ist eindeutig Iron Sky, beste Comicverfilmung 2012 geht an The Avengers, der Preis für beste umstrittene Neu-Kultfilme mit Fehlern und Fanspaltung 2012 geht an Prometheus – Dunkle Zeichen und The Dark Knight Rises, schlechteste Fortsetzung 2012 räumt Taken 2 ab, beste Fortsetzung 2012 geht an Men in Black 3 und bester B-Movie 2012 geht an Lockout.

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8 Antworten zu „Movie Feature of the Year 2012 – Dredd – Looper – etc.“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Hm – John Carter … nö. Ich habe die Bücher gelesen. Der Film kommt nicht mal ansatzweise an ERB’s Bücher ran. Sicher, ein nett gemachter Action-Film. Aber mit der Barsoom-Serie von ERB hat das nur entfernt zu tun. So flach die Pulps sind, sie haben immer noch mehr Tiefe als dieser Film. Effekte und Monstrositäten … geschenkt. Ich hätte sogar Tricks im Stil von Ray Harryhausen bevorzugt, um dem Alter und dem Stil der Vorlagen gerecht zu werden. Aber ich fürchte, da bin ich hoffnungslos altmodisch.

    She was as destitute of clothes as the green Martians who accompanied her; indeed, save for her highly wrought ornaments she was entirely naked, nor could any apparel have enhanced the beauty of her perfect and symmetrical figure.

    Prometheus fand ich grauslich, The Dark Knight Rises war trotz aller – teils berechtigter Kritik – ganz nett. Men in Black 3 hat jede Erwartung übertroffen und Lockout habe ich mir sogar auf DVD gekauft. Zu Taken 2 sag‘ ich nix. Verschwendete Zeit. Hätte mit dem richtigen Regisseur gut werden können.

  2. sirdoom schreibt:

    Wenn man John Carter an den Erwartungen misst, die man aus dem Lesen der Barsoom-Bücher haben KANN, dann ist das natürlich nichts. Wie fast immer bei Filmumsetzungen. Aber mir hat der trotzdem gefallen, sympathische Charaktere, schicke Designs, endlich mal wieder anständige SF-Action die nicht zum schreiend wegrennen à la Episode 1-3 ist. Und Nacktheit geht gar nicht. US-Film mit Budget so hoch, dass es PG-13 sein muss. Und da amerkikanische Teenager beim Anblick einer blanken Schulter in schwerer Gefahr sind durch Onanie blind zu werden und in der Hölle zu landen, geht sowas halt gar nicht!

    Ray Harryhausen war ein Gott! 🙂 Ich mag seine Trickeffekte immer noch, auch wenn sie teilweise schon etwas Staub angesetzt haben. Mein Lieblingsbeispiel in dieser Richtung ist aber immer noch Star Wars. Die Weltraumkämpfe in 4-6 sehen mit den Modellen wesentlich flüssiger, echter und räumlicher aus, als die CGI-Brühe bei 1-3.

    Prometheus/The Dark Rises waren echt die spaltenden Filme des Jahre, die eine Hälfte findet sie super, die andere Hlfte hasst sie. Ich muss sagen ich hab bei beiden genug zu meckern, aber auch genug zu loben. Wobei ich bei Prometheus gerade die Optik ganz berauschend fand, während mir die „Wissenschaftler“ teilweise doch echt auf de Keks gegangen sind.

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