„Sex, Brüderle, Misogynie, Femi-Nazis, Broder und Hamas“

Und nach der Überschrift geht es mit Brüderle los. Kommt überraschend, ist aber so. Rainer Brüderle hat vor einiger Zeit zu tief ins Weinglas geschaut und den Bonner Altherren-„Charme“ ausgepackt [Link]. Seine Ernennung zum FDP-Spitzenkandidaten war dann der Anlass für die Veröffentlichung [Link]. Wobei mich ja viel mehr interessiert hätte, wer die anderen erwähnten Supermänner waren, wie der CDU-Ministerpräsidenten, der vor den beiden jungen Journalistinnen, die ihn begleiteten, plötzlich das Alpha-Männchen machte und in der Tempo-30-Zone den Rennfahrer gab, oder der „Parteihäuptling„, der zu vorgerückter Stunde auf einem Fest einer Mitarbeiterin so auf die Pelle rückte, dass die von Kolleginnen in Sicherheit gebracht werden mussten, oder der  ehemalige Wirtschaftsminister, der bei seinen Besuchen im Ausland den Frauen in den jeweiligen Botschaften so zwanghaft nachstellte, dass eine Order rausging, junge Frauen nicht mit diesem Mann alleine zu lassen.

Sex, Brüderle, Misogynie, Femi-Nazis, Broder und Hamas - LogoDer Artikel löste jedenfalls einen Aufschrei aus. An den Ausschlägen der verschiedenen Ansichten gab es einerseits die „Männer“ – eigentlich eher kleine Würstchen – die rumheulten, dass das alles erfunden wäre, nie so passiert wäre und wenn doch hätte sie [die Journalistin] ja selber schuld [Victim Blaming]. Und überhaupt musste man zur Bundeswehr und die Schlampen nicht und dann hat sie einen auch noch verlassen, also die erste eigene Ehefrau, weswegen man jetzt Heiratskataloge aus Nordkorea wälzt. Auf der anderen Seite fand man dann die als erschreckend nervenden Gender-Fuzzies verkleideten Femi-Nazis, die über die ständigen Vergewaltigungen schimpften. Und mit Vergewaltigung meinen sie die reine Anwesenheit eines Mannes. In dieser lauten Kakophonie von Vorurteilen, Panikmache, persönlicher Wut und Blafasel gingen die vernünftigen Stimmen natürlich wieder unter. Denn natürlich gibt leider immer noch mehr als genug Sexismus und einige Gesellschaftsschichten pflegen die Diskriminierung und Herabwürdigung von Frauen mit Verve. Seien es völkische Katholiken, Machtmenschen mit Gottkomplex – wobei diese meist alle Menschen scheiße behandeln – oder Nahost-Clans mit aufgesetztem Islam als „Rechtfertigung„. Dazu kommt dann noch ein Haufen Dummheit. Da gibt es genug Baustellen. Andererseits ist die grundsätzliche Kriminalisierung von männlicher Sexualität als Kontrastpunkt auf der anderen Seite auch nicht gerade hilfreich. Sie macht das Anliegen nämlich lächerlich.

Womit wir dann bei Henryk M. Broder angekommen sind. Der schafft es nämlich gleich im ersten Absatz seines Artikels komplett den Fokus zu verlieren und verbeißt sich in Claudia Roth und die Hamas [Link: Die Banalisierung des Begriffs Sexismus]. Wenn Jakob Augstein einen „Judenfixierung„(Broder) hat, dann hat Broder aber auch so einige Fixierungsproblematiken. Aber man traut Broder nicht genug zu, wenn sein Exkurs nicht noch einige weitere Hürden gen Abwegigkeit unternehmen würde. Zur Erinnerung, wir reden eigentlich immer noch über Sexismus und 60er Jahre Rollenverteilung in Deutschland! Was eindeutig der Punkt ist, wo man im Zusammenhang auf die unhaltbare Lage von Frauen in totalitären, islamistischen Theokratien in Nahost hinweisen muss. Der Zusammenhang ist bestechend. Vor allem wenn als Folgeargument die Genderpolizei kommt. Wenn Brüderle keine Journalisten mehr in Hotelbars belästigen darf, dann wird es zwangsläufig und unabwendbar eine säkulare Version eines Gottesstaats in Deutschland geben. Getrennte Saunen, Schwimmbäder und Kaufhäuser. Segregation der Geschlechter! Und der Schlusssatz  schlägt den absolut logischen Bogen zur „pösen EUdSSR„, der ich zwar auch viel Schwachsinn zutraue, die hier aber nur auftaucht, damit Broder alle seine Feindbilder unter einen Hut bekommt. Und alles begann, weil Brüderle an einer Hotelbar nach 1-2 Wein zu viel meinte, dass es Bonn 1960 wäre…

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11 Antworten zu „Sex, Brüderle, Misogynie, Femi-Nazis, Broder und Hamas“

  1. Gondrino schreibt:

    Gut, dass dieses Thema mal aus der Tabu-Ecke rausgeholt wurde. Dass es dabei Übertreibungen auf beiden Seiten gibt, ist verständlich. Wichtig ist jedoch, dass jeder mal über sein Verhalten nachdenkt. Männer und Frauen. Wir leben auch heute noch in einer weitgehend patriarchalisch geprägten Gesellschaft, ergo sind der überwiegende Teil aller Männer Alltagssexisten, d.h. ihr Sexismus ist eher unabsichtlich und unbewusst. Wir Männer reagieren auf Frauen und Männer anders, auch in Situationen, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Dazu kommt noch, dass viele Frauen hier kein oder das „falsche“ Feedback geben. Übergriffigen Männern muss hier klar die Grenze gezeigt werden, auch mit Hilfe von Polizei und Justiz. Welchen Spießrutenlauf Frauen allerdings bei diesen Institutionen auch heute noch ausgesetzt sind, ist der eigentliche Skandal.

  2. sirdoom schreibt:

    Joa, aber gerade in solchen institutionalisierten Umgebungen ändert sich ja meist erst ganz spät was.

    Disclaimer: Und bevor wieder absichtlich wer was von polizeifeindlich rummotzt, ich spreche von der Struktur, die da vorhanden ist, sowas begünstigt und die man auch woanders vorfindet.

  3. pseudo-anonymous schreibt:

    Mittlerweile bin ich jedes Mal froh, wenn sich Alice Schwätzerin wieder einmal aus ihrer Trollhöhle begibt – der Unterhaltungswert ist nicht zu verachten! Vielen lieben Dank Herr Brüderle! 🙂

    Aber im Ernst: ich bin der Meinung, daß die gute Frau an einem stark ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex, unter Mitteilungszwang und an einer krankhaften Profilierungssucht leidet. Der „Kampf der Frau gegen den Mann“ ist nur das Steckenpferd, das sie sich als erste aneignen konnte, daher hält sie so vehement daran fest.

    Ja, sie hat sehr viel Gutes geleistet für eine bessere Welt, aber es scheint leider noch nicht zu ihr durchgedrungen zu sein, daß die Ära der 1980er Jahre in Westeuropa mittlerweile schon ein paar Tage zurückliegt. Crogmog trägt keinen Pelz mehr, sondern heißt jetzt Christopher und trägt Anzug. Und weiß, daß man Servietten nicht essen sollte. 😉

    Und um zu dem Unterhaltungswert zurückkommen: ich hoffe sehr stark, daß sie nicht so schnell begreift, daß sie ein aufmerksamkeitsheischendes Relikt aus einer anderen Zeit ist, ein wandelndes Fossil und fast schon bemitleidenswerter Anachronismus ist. 😀

  4. pseudo-anonymous schreibt:

    Nachtrag: Wie weltoffen, souverän und tolerant-wohlwollend (studierte) Frauen sind, habe ich an einem Institut miterleben dürfen, als sie sich zusammengeschlossen haben, um einem homosexuellen Mann, der von seiner Natur zurückhaltend und eher devot ist (also keinen Grund für Konflikte bot), zu verhöhnen und ihm das Arbeiten zu erschweren.

    Und wer als Mann nachts durch eine Stadt läuft und von Passantinnen betrachtet und behandelt wird, als wäre man ein Triebtäter, der auf Raub und Vergewaltigung aus ist, nur weil man ein Mann und nachts auf dem Bürgersteig einer Siedlung unterwegs ist, wird verstehen, warum meine Schuldgefühle gegenüber dem weiblichen Geschlecht für gewöhnlich Mangelware sind.

  5. sirdoom schreibt:

    Ach die Alice, die nicht einsehen will, dass sie irgendwann mit ihrem grundsätzlich richtigen Anliegen in einen Kreuzzug abgerutscht ist, der nur noch Lächerlich ist. Eigentlich ziemlich traurig.

    Don Alphonso hat in der FAZ einen wirklich interessanten Artikel in der FAz zum Thema Femi-Nazis: Frau Guttenbergs Nichten: Wie man den Feminismus und den Netzdiskurs ruiniert

    Ich find das nur immer doppelt traurig, weil gerade mit solchem Schwachsinn das wichtige Anliegen untergraben und geschädigt wird.

  6. sirdoom schreibt:

    In guter Tradition von „Kim Jong Il looking at things„, „Christopher Lauer looking at things“ und „Kimble looking at things„, jetzt auch Rainer Brüderle looking at girls. 😀

  7. Andai schreibt:

    Wie war das mit Drehtüren oder Münzen? ^^

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