„Richard K. Morgan – A Land Fit for Heroes“

Richard K. Morgans * Takeshi Kovacz-Romane(Altered Carbon, Broken Angels, Woken Furydt. Das Unsterblichkeitsprogramm, Gefallene Engel, Heiliger Zorn) sind sowas wie „moderne Klassiker“ und Referenz im, nennen wir es mal, Cyberpunk es 21. Jahrhunderts, irgendwo in der Schnittmenge von Transhumanismus, Sozialkritik, bluttriefend hard-boiled und niemals mit „Happy End„. Future Noir nennt Morgan es. Mit Market Forces(dt. Profit) konnte ich nicht so viel anfangen, auch wenn man nach den blutigen Entlassungen und Untersuchungen bei den Banken der Londoner City vielleicht doch nochmal reinschauen sollte. Sehr empfehlenswert ist hingegen Black Man/Thirteen (dt. Skorpion), welches ein faszinierendes Bild auf Geschlechterrollen und soziales Verhalten in Zeiten genmodifizierter Menschen wirft.

A Land Fit For Heroes - LogoSeine letzten beiden Romane stellen Morgans Versuch dar, seinen Stil im Fantasy-Bereich umzusetzen: Fantasy Noir. Die A Land Fit for Heroes – Saga (als Trilogie angelegt) besteht bisher aus The Steel Remains(Glühender Stahl) und The Cold Commands(Das kalte Schwert). Um es vorwegzunehmen: Wer ein Feelgood-Elfen-Fantasy-Leser ist hat hier gar nichts zu suchen und selbst Joe Abercrombie – Connaisseurs werden doch ab und an den Atem anhalten müssen. Der große Story-Überbau ist eigentlich recht einfach: Zwei Nationen, die im letzten großen Echsenkrieg Seite an Seite das Blut ihrer Bevölkerung in Massen vergossen haben, stehen sich immer feindlicher gegenüber.  Die eine Seite sind Freihandels-Sklavenhändler, die andere religiöse Fanatiker, wobei der weltliche Teil des imperialen Hofes einen vergeblichen Rückzugskampf führt. Alternde Helden müssen noch mal ins Gefecht, weil eine Gefahr aus dunkler Vorzeit wieder vor den Toren steht und wenn sie erst vollständig bereit ist, besteht keine Chance sie aufzuhalten. Aber will man das überhaupt? Die Welt von A Land Fit For Heroes ist ein einziger Clusterfuck, in gleich mehrerer Hinsicht und eine Anklage von Morgan an unsere reale Welt. Und er lässt es sich auch nicht nehmen, es dem Leser unangenehm zu machen. Während in der Mainstream-Fantasy es als gegeben gilt, dass „der Held“ reihenweise hübsche Prinzessinnen flachlegt, macht unserer „Held“ dies mit Männern, was genauso explizit beschrieben wird, wie man es als Hetero nur befürchten könnte. Dies gilt aber auch für alle anderen, sexuellen Szenen.  Nachdem The West WingWalk&Talk“ eingeführt hat, wurde daraus bei Game of Thrones die Verfeinerung „Talk&Boobs aka Sexposition“ und Morgan steigert das noch zu „Talk&Rape„. Religiöse Menschen sollten ob ihres Seelenheils wohl auch besser Abstand nehmen, denn ob Götter, Klerus oder Gläubige, keiner bleibt vor der ätzenden Abrechnung verschont. Und dann schummelt Morgan auch noch, denn A Land Fit For Heroes tarnt sich zwar als blutrünstige und in jeder Hinsicht brutale Fantasy-Welt, aber wer zwischen den Zeilen liest, atmet den Duft von Postapokalypse, Transhumanismus und den Resten, die zum Sterben zurückgelassen wurden. Leider gibt es aber auch einen Haken an der Sache: Bei aller epischen Dekonstruktion vergisst Morgan leider die Story, die doch teilweise sehr auf der Stelle tritt, wobei Teil 2 – The Cold Commands/Das kalte Schwert – schon wesentlich flüssiger ist und nachdem die zahlreichen Handlungsfäden endlich zusammenlaufen richtig Arsch tritt. Entweder wird der dritte Teil ein wahrer Kracher an Metaplot-Fortschritt, oder aber „nur“ der Abschluss einer bemerkenswerten, aber doch mit Makeln behafteten Fantasy-Saga, die einfach anders ist, als der übliche Genre-Ausstoß. Die A Land Fit for Heroes-Reihe wird wirklich nicht jedem gefallen, aber reinschauen sollte man auf jeden Fall!

Gluehender Stahl von Richard Morgan

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3 Antworten zu „Richard K. Morgan – A Land Fit for Heroes“

  1. Cunningham schreibt:

    Habe mir mal den ersten Teil geholt.
    Bin sehr gespannt.

  2. sirdoom schreibt:

    Sag aber nicht, du wurdest nicht gewarnt! 😉

  3. Cunningham schreibt:

    Abgesehen von Market Force wurde ich bisher von allen Büchern, die ich von Morgan gelesen habe gut unterhalten.

    Auch haben sie mich in beiderleich Richtung zum Nachdenken gebracht..

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