„Eisern – Zum Tod von Margaret Thatcher“

We can have her funeral handled by the lowest bidder. It’s what she would have wanted.

Margaret Thatcher, Baroness Thatcher of Kesteven (The Most Noble Order of the Garter, Order of Merit und Member of Her Majesty’s Most Honourable Privy Council), die ehemalige Premierministerin des Vereinigten Königreichs, ist tot. Aber selbst im Ableben polarisiert sie wie kaum ein andere.

Eisern - Zum Tod von Margaret Thatcher - LogoWährend die eine Seite sich ihrer als die letzte imperial agierende Anführerin erinnert, die den Argentiniern gezeigt hat, dass man sich nicht mit dem Empire anlegt (Falklandkrieg), die hart im Kampf gegen die IRA blieb und den Staat sanierte, so wird auf der anderen Seite der Ruin der britischen Gesellschaft und die Verarmung ganzer Schichten gesehen. Und nördlich von Birmingham sind spontane Feierlichkeiten ausgebrochen.

Margaret Thatcher wurde häufig unterschätzt und teilte mit Angela Merkel die Gemeinsamkeit eines naturwissenschaftlichen Studiums und die Bereitschaft zu tödlichem Pragmatismus, der eine ganze Reihe eigener, männlicher Parteimitglieder den Kopf kostete, bevor diese wussten, wie ihnen geschah. Wirtschaftlich schwankt der nach ihr benannte Thatcherismus irgendwo zwischen notwendigen, harten Reformen und Wirtschafts-Voodoo. Den sozialen Ausverkauf des Vereinigten Königreichs hat sie aber nicht allein zu verantworten, denn unter Labour und PM Blair wurde damit munter weiter gemacht, was dazu geführt hat, dass man außer den Londoner Banken nichts mehr im Portfolio hat, weswegen die Briten sich auch so vehement gegen jede Form der Bankenregulierung sträuben. Auch die Zerstörung der öffentlichen Versorger (Wasser, Strom, usw.) war eine Gemeinschaftsproduktion und sollte als Warnung für den Rest Europas gelten.

thatcher-panzerAuch Deutschland – und insbesondere Helmut Kohl – lehrte sie das fürchten, denn im wiedervereinigten Deutschland sah sie eine zwangsläufige, europäische Hegemonialmacht dessen Entscheidungsfähigkeit und Weitsicht sie bezweifelte. Wobei die letzten Jahre nahelegen, dass in dieser Hinsicht ihre Kristallkugel durchaus hellsichtig war.

Margaret Thatcher wird auch nach ihrem Tod als eine der mächtigsten und umstrittensten Politikerinnen der Welt in Erinnerung bleiben, verehrt von manchen, gehasst von vielen. She did it her way

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, Legende, verbale Diarrhoe abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu „Eisern – Zum Tod von Margaret Thatcher“

  1. sirdoom schreibt:

    Regierungschefinnen: Was Merkel von Thatcher unterscheidet

    Sehe ich nicht ganz so, aber anscheinend sind gewisse Ähnlichkeiten dann auch den Massenmedien aufgefallen.

  2. sirdoom schreibt:

    Ich hatte ja bereits erwähnt, das die Eiserne Lady kontrovers gesehen wird ;). Davon ab trifft natürlich vieles davon^^ zu. Wobei wie gesagt gerne vergessen wird, dass Labour eifrig mitgemacht hat und keineswegs unschuldig ist.

    Ich kann mich übrigens noch daran erinnern, wie die USA und UK Deutschland als hinterwäldlerisch ausgelacht haben, weil hier in den 90ern und frühen 2000ern noch auf Mittelstand und Industrie gesetzt wurde, was sich ja gar nicht lohnt, usw…

  3. sirdoom schreibt:

    Ein paar „Anekdoten“: Thatcher hat Nelson Mandela als Terroristen bezeichnet und stützte das Apartheit-Regime in Südafrika. Sie hat Pol Pot geholfen. Sie war auch Pinochet-Unterstützerin und hat ihm gar eines Tages dafür gedankt, „Demokratie nach Chile gebracht zu haben„. Sie hat auch den Militäreinsatz im Inland im Nachkriegseuropa hoffähig gemacht, indem sie das Militär als Streikbrecher und in Polizeiunform als „Sicherheitspersonal“ eingesetzt hat…

  4. 3-6 schreibt:

    Och – das einzige Land, dass sein Militär im Inneren nicht in Sicherungsfunktion einsetzt, ist wohl Deutschland.
    Und auch bei uns war das bis 1945 völlig okay und auch sehr angebracht.

    Den Punkt sehe ich da nicht so „kritisch“.

    Wer der Traditionsmarke Jaguar in Staatshand hinterherweint … früher brauchte man immer 2 Wagen im Besitz. Denn einer war in der Werkstatt … BP geht es heute auch nicht sooo schlecht.

    Da kann man auch gleich der DDR hinterherheulen.

  5. farmerboy schreibt:

    Sag ich was, sag ich nix..?

    Arc, ließ dir deine ersten beiden Sätze mal mit Verstand noch einmal durch..bitte. 😉

  6. 3-6 schreibt:

    Sag ruhig was, da warte ich nämlich geradezu darauf ^^

  7. sirdoom schreibt:

    Ich hatte extra noch gewartet.^^ Ich bin der festen Überzeugung er meint das anders als es klingt, aber da ist schon echt hart…

  8. sirdoom schreibt:

    Dir ist bewusst wie sich „Und auch bei uns war das bis 1945 völlig okay und auch sehr angebracht.“ liest und wie man das verstehen kann?

  9. 3-6 schreibt:

    Ja, absolut. Aber ich löse das erst auf, wenn einer meckert ^^

  10. sirdoom schreibt:

    Bevor das hier endlos dauert *hüstel*

    „Den Einsatz von Militär im Inland gegen Zivilisten als angebracht zu bezeichnen ist eh schon hart an der Grenze. Dies im Zusammenhang mit „vor ’45“ anzuschneiden ist hingegen schon richtig dreist und absolut unangemessen.“

    Andere Punkte: BP und Jaguar mögen wesntlich profitabler als vorher arbeiten. Aber was sonst? BAE Systems ist noch im Spiel. Aber der ganze Rest wurde vernichtet. UK hat sonst nur noch die Londoner Banken und ist ausgeblutet.

    Und im Zusammenhang „Da kann man auch gleich der DDR hinterherheulen“ fragt sich dann was Deutschland ist? Denn wir haben noch Gewerkschaften, wir haben noch viel produzierendes Gewerbe – wurden dafür von allen neocons ausgelacht – und schau einer guck, wem geht es im Gegensatz zu UK richtig gut? Genau…

    Reicht das? 😛

  11. 3-6 schreibt:

    Ja, langt.

    Also das Langweilige vorweg – Die Industrie Großbritanniens war schon vorher hin. Hat nur keiner gemerkt. Dito lief es im Osten – die waren ja nur noch aufgrund des Lohnniveaus in der Lage, zu exportieren. Und das nur in Richtung Noch-mehr-Osten 😉 Und wie in GB auch haben sich nur die absoluten Perlen durchgesetzt, wie zB Zeiss.
    All die tollen Dinge, die wir hier haben, haben wir eben vor allem in Westdeutschland. Wo es schon länger Wettbewerb gab, der zu mehr Qualität und Innovation geführt hat. Aber auch das ist wohl zu neoliberal =)

    Aber zum Aufreger: der Einsatz der Armee innerhalb Deutschlands (im geographischen Sinne) hat überhaupt erst zur Entstehung Deutschlands als Nationalstaat geführt. Nach dem ersten Weltkrieg wäre ohne Reichswehr noch mehr Chaos gewesen, mal abgesehen davon, wie wohl die Grenze zu Polen ausgesehen hätte. Aber vor allem wäre die Reichswehr der einzige Player gewesen, der Hitler hätte stoppen können – wenn sich die Politik nicht zuvor eine unpolitische Armee erzogen hätte. Und genau das ist der absolute Treppenwitz: die heutige Ansicht, eine fehlende Kontrolle der Armee wäre in irgend einer Form im Zusammenhang mit dem zweiten Weltkrieg. Genau das Gegenteil ist der Fall: die absolute politische Kontrolle der Armee war es, sowie die Indoktrination der politisch kaum gebildeten Soldaten durch die NSDAP.
    Dies gesagt, könnte man natürlich mal das Grundgesetz zücken und schauen, was die Bundeswehr eigentlich nicht darf. Aber das ist wohl zuviel verlangt 😉

  12. sirdoom schreibt:

    @UK: Es wäre scheinheilig zu behaupten UK wäre vor Thatcher ein industrielles Powerhouse gewesen. Schleichender Verfall war das Motto. Aber Thatchers Reformen haben halt den totalen Kahlschlag begangen, dagegen war die Sanierung von Ostdeutschland gerade zu behutsam, obwohl auch da einiges voreilig vernichtet wurde, was nützlich gewesen wäre. Wobei man schon zugeben muss, dass in vielen Fällen wirklich nur der Gnadenschuss übrig blieb.

    Wettbewerb der zu mehr Qualität und Innovation führt“ ist nicht neoliberal. Neoliberal ist „vorgetäuschter oligopolischer Pseudowettbewerb bei Schädigung des Wirtschaftsystems mit der offiziellen Ansage der Markt richtet es, während man sich fürs Nichtstun die Boni einsteckt und schon mal die Rettungsgelder der Steuerzahler einplant„. 😀

    @Reichswehr:

    Aber zum Aufreger: der Einsatz der Armee innerhalb Deutschlands (im geographischen Sinne) hat überhaupt erst zur Entstehung Deutschlands als Nationalstaat geführt.

    Okay…

    Nach dem ersten Weltkrieg wäre ohne Reichswehr noch mehr Chaos gewesen, mal abgesehen davon, wie wohl die Grenze zu Polen ausgesehen hätte.

    Da lassen sich so einige Gruppierungen finden, die dem widersprechen würden, aber das kann man durchaus so sehen.

    Aber vor allem wäre die Reichswehr der einzige Player gewesen, der Hitler hätte stoppen können

    Stimmt!

    – wenn sich die Politik nicht zuvor eine unpolitische Armee erzogen hätte.

    Nein, definitiv nicht. Die Reichswehr war nie unpolitisch und hat das auch „ausgelebt„. Sie war rechtsnational-konservativ und hat sowohl die Republik als auch beginnende Demokratie abgelehnt.

    Die Reichswehrführung und das Offizierskorps, wenn nicht die breit Masse der Reichswehrangehörigen, war nicht bereit die demokratische Staatsordnung zu verteidigen. Deutlich wurde dies erstmals während des Kapp-Putsches und manifestierte sich in dem Motto: „Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr!“ Damit war gemeint, dass die demokratisch gewählte Regierung sich nicht auf die Armee verlassen konnte, wenn Teile dieser Armee (wie während dieses Putsches) revoltierten. Kurz gesagt war die Reichwehr ein „Staat im Staate„, ein Hort von Reaktionismus und antidemokratischem Gedankengut. Die NSDAP musste da nicht groß „umschulen„. Als Teile der Reichswehrführung dann gemerkt haben, mit wem man wirklich ins Bett gegangen war, war es dann längst zu spät.

    Dies gesagt, könnte man natürlich mal das Grundgesetz zücken und schauen, was die Bundeswehr eigentlich nicht darf. Aber das ist wohl zuviel verlangt

    Da geht gerade der Zusammenhang an mir vorbei. Erleuchte mich 🙂

  13. 3-6 schreibt:

    Es putschend ehemalige Teile der Armee – ein Putsch ohne Armeeangehörige wäre wohl nur mit Frauen und alten Männern möglich gewesen.
    Davon ab:
    „Häufig wird Seeckts Antwort mit den Worten „Truppe schießt nicht auf Truppe“ bzw. „Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“ zitiert. Auch wenn dafür Belege fehlen[1] äußerte er sich sinngemäß so, da er befürchtete, dass dies die Zerstörung der von ihm aufgebauten Reichswehr bedeuten würde.[2] Seeckt meldete sich zu Beginn des Putsches krank und beteiligte sich von zu Hause insgeheim an dessen Liquidierung“
    Aus dem von Dir angegebenen Artikel 😉

    Zusammenhang: in der breiten Öffentlichkeit werden Dinge als „Einsatz im Inneren“ bezeichnet, die einfach kein Einsatz sind.
    Gleichzeitig wird angenommen, die Bundeswehr dürfe im Inneren nicht in Sicherungsfunktionen eingesetzt werden. Stimmt auch nicht.

    Wir leisten uns nur Polizei in Funktionen, wo andere Staaten die Armee einsetzen. Aber ob nun ein SEK die Bude umgestaltet oder das KSK, spielt am Ende des Tages keine Rolle.

  14. sirdoom schreibt:

    Von Seekts insgeheime Beteilung bei der „Neutralisierung“ ändert ja nichts an der Wirkung und Wahrnehmung, oder?

    Was BW im Inneren angeht und was sie dürfen, durften und nicht dürfen, kann man auch hier nachlesen. Du kannst das sicherlich aktueller kommentieren.

  15. sirdoom schreibt:

    Clarke and Dawe – Margaret Thatcher’s Legacy

  16. sirdoom schreibt:

    Die Thatcher – Gorbatschow – Unterredungen: Wie Thatcher hinter den Kulissen versucht hat Gorbatschow dazu bringen, die Wiedervereinigung Deutschlands zu verhindern. Und wenn sie denn stattfinden muss, dann bitte langsam und gesittet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s