„Konservative, alternative Spaltung“

Ein denkwürdiger Augenblick in der Korrosion der großen Volksparteien CDU/CSU und SPD war die Gründung der Linkspartei und der Abwanderung zahlreicher Mitglieder der SPD. Die Linke kostet die SPD seitdem signifikante Wähleranteile und um es noch schlimmer zu machen, finden sich genug SPD-affine Wähler bei den Grünen wieder. Diese Zersplitterung ist ein stetiger Wackerstein, den die SPD bei jeder Wahl mit sich rumschleppt und im Endeffekt die CDU zur letzten großen Volkspartei macht.Aber der Wandel der Zeiten verschont niemanden und auch im bürgerlich-konservativen Lager herrscht mittlerweile leichte Panik.

Konservative alternative SpaltungImmer mehr Alt-Wähler sterben weg. Der große, klassische, christliche Wählerpool bricht weg, während man sich den eigentlich konservativ geneigten türkischstämmigen Wählerschichte ideologisch verschließt. In den Großstädten ist für die CDSU eh kaum Land zu sehen, weil die Unterschiede zwischen Konservativen moderner Prägung und den Altkonservativen immer größer werden und manch „klassische“ Inhalte nicht mehr vermittelbar sind. Bei einigen Altkonservativen könnte man sagen: Sie sind so lange, so konservativ geblieben, dass sie mittlerweile radikal sind.

Lange galt der Anspruch der CDSU, die einzige konservative Partei des rechten Spektrums in Deutschland zu sein, zusammen mit dem Dogma, dass rechts der CDSU kein Platz im demokratischen Spektrum ist. Die Zeiten scheinen vorbei zu sein. Mit der Alternative für Deutschland ist der erste ernstzunehmende Kandidat aufgetaucht, der Angela Merkel und der CDSU ihr „Lafontaine-Erlebnis“ verpassen könnte. Dabei ist der Erfolg der Alternative vollkommen ungewiss. Ob daraus eine ernstzunehmende Partei wird oder das ganze zum Pool irgendwelcher Spinner wird, ist bislang unabsehbar und die Meinungen sind geteilt. Aber alleine der Versuch dieser Neugründung ist ein Mahnmal des Untergangs für die CDSU und selbst wenn die Alternative nur ein paar Prozent abgreifen kann, so kann dies im Herbst bei der Bundestagswahl 2013 der entscheidende Faktor werden. Auf interessante Zeiten…

Update: Einer der frisch gewählten Vorstände der Alternative für Deutschland, Konrad Adam, fällt dann aber doch in eine andere Ecke. Mit radikallibertären Positionen wie „Kein Wahlrecht für Arbeitslose, Hilfsempfänger und Unproduktive“ hatte ich jetzt nicht so direkt gerechnet. Rente und Pflege führt Adam als unproduktiv mit an. Passt auch zum verschärften, ideologischen Sozialdarwinismus dieser Gesinnung. Wobei man sich da fragt, warum bei „unproduktiv“ immer Soldaten*, Bankster, Anwälte, etc. außen vorgelassen werden…

*Soldaten sind immer „unproduktiv„, man ist bloß ganz blöd dran, wenn es Krieg gibt und man keine hat. Das ist – zumindest von meiner Seite – auch kein Vorwurf.

Das Zensuswahlrecht – um mal bei den Fachbegriffen zu bleiben – kommt aber nie alleine daher. Im Schlepptau ist im besten Falle immer die Plutokratie (griech. πλουτοκρατία plutokratía ‚ Reichtumsherrschaft). In plutokratischen Systemen gibt es einen hohen Grad an sozialer Ungleichheit bei geringer sozialer Mobilität und Ämter sind nur Besitzenden zugänglich, die auch die Anforderungen an die Höhe des Besitzes festlegen. Bürgerrechte sind ebenfalls besitzabhängig. Damit ist verbunden, dass die finanzielle Macht Einzelner oder von Unternehmen die verfassungsmäßige Ordnung eines Staates umgeht, eigennützig den Staat steuert und demokratische Wahlen möglichst manipuliert.

Da ist mir ja eine Monarchie noch lieber, da weiß man was man hat, es sieht schicker aus und es geht wahrscheinlich gerechter zu…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu „Konservative, alternative Spaltung“

  1. Skyrock schreibt:

    Die Freie Union sollte auch erwähnt werden, die vor vier Jahren wegen eines Formfehlers von der CFDPSU-geführten Bundeswahlkommission nicht zugelassen wurde. Inzwischen ist sie ein ziemlich runtergewirtschafteter Kasperleladen (zumal Zugpferd Gabriele Pauli abgesprungen wurde), aber sie hat vor vier Jahren schon einmal besonders in Bayern ein paar Schwarze heulen und wehklagen lassen.

    Nochmals vor der Union waren da die REPs, die einige Jahre lang sehr erfolgreich auf dem Drahtseil zwischen CDSU und Rechtsextremen getanzt haben und mit dieser Masche auch in westdeutsche Landtage einzogen.

  2. sirdoom schreibt:

    Stimmt natürlich, Versuche gab es da schon vorher, aber so langsam wird es von den äußeren Rahmenbedingungen echt ungünstig für die CDSU, bzw. günstig für die „Rebellen“. Bei solchen Dingen kommt es häufig SEHR auf den Zeitpunkt an. Die Grünen wären in den 60ern auch auf die Fresse gefallen. Wobei der Zeitpunkt auch keine Garantie ist, bei den Piraten sieht es TROTZ optimalem Zeitpunkt nicht so wunderbar aus.

  3. noname schreibt:

    ich halt nix von Kernspaltung, vor allem müssen nachfolgende Generationen wieder diesen Dreck ausbaden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s