„Fleischwolf Syrien“

Begonnen als friedlicher Protest im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011, eskalierte die Lage in Syrien rasend schnell zu einem  bewaffneten Konflikt. Das ursprüngliche Ziel, die Demokratisierung Syriens, trat schon bald in den Hintergrund und ethnische und religiöse Verwerfungen übernahmen die Führung. Aber was ist  da eigentlich aktuell los? Verschaffen wir uns mal einen Überblick.

Fleischwolf Syrien - LogoOffiziell handelt es sich bei diesem Konflikt um eine rein interne Angelegenheit und auch wenn die Weltöffentlichkeit und die UN das Vorgehen verurteilen, so wurden keinerlei Schritte – außer purer, öffentlicher Augenwischerei – unternommen, den Konflikt zu beenden. Stattdessen entwickelt sich Syrien zu einem Spielball ausländischer Interessen und zu einem großen Fleischwolf, bei dem abzuwarten bleibt, wie groß er wirklich ist und noch wird.

Syrien - KonfliktparteienSyrische Regierung und Verbündete: Regierung, Baath-Partei und diverse Koalitions-/Blockparteien, Nachrichtendienst und Innere Sicherheit Syriens, Armee und Miliz, Hisbollah, Volksfront zur Befreiung Palästinas, al-Quds-Einheiten, etc. Finanziert und unterstützt von: Iran und Russland
Syrische Opposition und Verbündete: Nationale Koalition bestehend aus dem syrischen Nationalrat, den Muslimbrüdern, lokalen Koordinationskomitees, der Freien Syrischen Armee, der Generalkommission der Syrischen Revolution sowie diverse andere paramilitärische Organisationen. Finanziert und unterstützt von: USA, Türkei, Saudi-Arabien, Kartar, Al Qaida, etc.
Als Wildcard kommen dazu die Kurden, die mit und gegen beide Seiten kämpfen und die einen eigenen Staat haben wollen, egal wie. Was die Türkei gar nicht so witzig findet.

Als ob dies nicht schon kompliziert genug wäre, sind die Ziele der Syrischen Opposition, abgesehen von „Wir wollen den Diktator Assad hängen sehen„, vollkommen uneinheitlich. Da tummeln sich islamistische Gottesstaatler, die „Wir wollen US-Gouverneur der Provinz Syrien werden“ – Fraktion, verschiedene Stämme und Ethnien und die einzigen, die nicht mit Waffen zugeworfen wurden, sind die gemäßigten Kräfte. Zusätzlich hat dieses Chaos natürlich Auswirkungen auf die Umgebung. Der traditionell instabile Libanon bröckelt, während aus dem Iran über/aus Syrien Waffen an Hisbollah-Kämpfer gelangen. Womit wir dann bei Israel angekommen sind. Die beobachten nämlich ganz genau, was da vor ihrer Tür los ist und haben jetzt schon mehrfach prophylaktisch Ziele in Syrien angegriffen, die ihrer Meinung nach eine Gefahr darstellen. Syrien kann darauf nicht wirklich antworten und wenn doch wäre es da Ende des Regimes, da wahrscheinlich spätestens dann die USA ganz offen eingreifen würden und der Iran und Russland außer lauten Protesten die Füße stillhalten. Ein neuer Israel-Libanon-Krieg oder ein kleiner Palästinenseraufstand hingegen wäre wahrscheinlich  zu wenig für die USA. Womit es dann aber trotzdem endgültig lichterloh brennen würde.

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18 Antworten zu „Fleischwolf Syrien“

  1. flippah schreibt:

    Ich denke, an einer Stelle liegst du falsch: Ein Gegenangriff der syrischen Regierung auf Israel würde dieses eher stabilisieren, da dann die Rebellen als Handlanger Israels dastehen. Solche Manöver haben schon öfters funktioniert.

  2. Cunningham schreibt:

    Sehe ich richtig, Al-Quida aur beiden Seiten? Grooovy

  3. sirdoom schreibt:

    Die al-Quds-Einheiten arbeiten für den Iran als Militärberater, Ausbilder und Kämpfer um im Ausland die Interessen des Irans zu „fördern“. Al-Qaida ist auf der Rebellenseite um „zusammen“ mit den USA gegen Assad zu kämpfen*g*. Herrlich sowas… Es gibt aber durchaus Al-Kaida Splittergruppen auf Assads Seite, weil er ja gegen den Satan USA kämpft. Also wenn man es nicht zu eng sieht, dann ist „Al-Qaida“ – die es als einheitliches Gebilde ja gar nicht gibt – auf beiden Seiten dabei.

    ^^Nach althergebrachter Doktrin wäre dem wirklich so, dass Rebellen = Handlanger Israels Assad und den Nationalismus stärken würde. Aber die Karre steckt imho schon viel zu tief im Dreck.

  4. XDragoon schreibt:

    Al-Qaida ist doch nur ein Franchise.

  5. sirdoom schreibt:

    ^^Warten wir auf die Franchise-Wars, am Ende gibts nur noch Pizza Hut 😉

  6. japan001 schreibt:

    Ich habe auch mal etwas dazu geschrieben im Moment ist in der wissenschaftlichen Debatte wie auf Foreign Affairs die Frage ob die „rote Linie“ überschritten wurde oder nicht.
    Siehe auch hier: http://schoresch.me/2013/05/08/politik-die-syriendebatte/

  7. Pingback: Politik: Fleischwolf Syrien? – Die iranische Frage | Ein Blog über den Wahnsinn der Welt

  8. sirdoom schreibt:

    ^^Die Türkei ist wirklich dabei der nächste Big Player vor Ort zu werden. Allerdings sind sie dazu teilweise auch einfach gezwungen, denn wenn sie sich raushalten und die Kurden munter machen lassen ist das so gar nicht im Interesse der Türkei, wobei sie auch da früher oder später eine Lösung finden müssen, mit der beide Seiten leben können.

    Interessant für uns wird es werden, wie sich der vergrößerte Machtradius und -faktor der Türkei in Bezug auf Griechenland und die EU auswirkt…

  9. japan001 schreibt:

    Ja vor allem da die Türkei nun ökonomisch immer stärker wird. Huntington schrieb im „Kampf der Kulturen“ dass die Türkei zum Zentrum der islamischen „Kultur“ werden kann wenn sie sich mehr hin nach Asien orientiert. Für die Türkei bietet die EU mit ihrer Schuldenkrise aktuell nicht gerade das verlockenste Ziel. Und die Europäer sind da sie mit eigenen Problemen beschäftigt sind, nicht in der Lage eine konstruktive Rolle in der Region zu spielen.

  10. japan001 schreibt:

    http://www.foreignaffairs.com/articles/139110/michael-hirsh/the-clinton-legacy Hier der Artikel ist interessant, schau es dir an er ist noch ne Zeitlang noch für lau online.

  11. sirdoom schreibt:

    Greift der Bürgerkrieg in Syrien auf die Nachbarstaaten über?

    Wobei mir da gerade spontan so viele „schöne“ Verschwörungsszenarien einfallen. Nachdem Meldungen über das Auskippen von Babybrutkästen nicht mehr so trendy sind und die Gaddafi auf Viagra-Rape Tour auch im Pressewald untergegangen ist, muss man wieder zu altmodischeren Kriegsanlässen übergehen. Und was bei Tonkin funktionierte kann heute nicht falsch sein 😉

  12. Pingback: “Syrien – Dschihadisten-Import aus Deutschland” |

  13. leonelson95 schreibt:

    Nicht die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), sondern die Volksfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando (PFLP-GC) kämpft auf der Seite Syriens. Das ist ein bedeutender Unterschied. Die PFLP ist eine marxistisch-leninistische Partei und 2. größte Partei der PLO bzw. 3. größte palästinensische Partei. Auch wenn sie die Handlungen und Hintergründe der Rebellen verurteilt und sich mit Syrien und dem syrischen Volk solidarisiert, so solidarisiert sie sich nicht explizit mit Assad und dessen Regierung. Die PFLP-GC ist eine Abspaltung der PFLP, die pro-syrisch und leicht islamisch angehaucht ist und sich bereits Ende der 1960er Jahre abgespalten hat. Heute hat die unter den Palästinensern in der Welt selbst kaum Einfluss, nur in Syrien ist sie wirklich vertreten und hat nicht mehr als mehrere 100 Kämpfer. Durch die finanzielle und ideologische Abhängigkeit erklärt sich auch, warum diese Splitterpartei auf Seiten der syrischen Regierung kämpft. Der Unterschied ist wirklich wichtig! Abgesehen vom gemeinsamen Ursprung und der Identität als (im Falle der PFLP-GC zumindestens halbwegs) palästinensische Organisationen haben die beiden Gruppen nichts miteinander zu tun, sind sich teilweise sogar feindlich gesinnt.

  14. sirdoom schreibt:

    Das wusste ich jetzt echt nicht o.O

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