„Jugendschutz aus dem letzten Jahrtausend“

Die allseits beliebte Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat sich dazu durchgerungen den zwei bisher einzig zugelassenen Web-Filterprogrammen Jusprog und dem der deutschen Telekom auch die Anerkennung für die Altersstufe „ab 18“ zuzubilligen. Das kommt einer kleinen Revolution gleich, da für ab 18-Inhalte ansonsten eine Online-Ausweiskontrolle oder die Nutzung der prä-digitalen Zeitsperre, bei der Inhalte Online nur zwischen 23:00 und 06:00 verfügbar sind, was im Onlinebereich natürlich ziemlich sinnvoll ist, vorgesehen ist.

Jugendschutz aus dem letzten Jahrtausend - LogoDas ist natürlich trotzdem alles kompletter Unfug. Die Filter sind leicht abschaltbar, Inhalte besorgt man sich im Ausland und pfeift auf inländische Anbieter. Und dann kommen 2013 so Meldungen wie „Jugendschutzfilter demnächst auch für Windows 8“ oder „man arbeitet an Lösungen für mobile Endgeräte“ [Link]. Man muss sich das mal vorstellen: Im 21. Jahrhundert reguliert die KJM immer noch mit Technik und Verständnis des letzten Jahrtausends. Wobei das eigentlich keine Überraschung ist, wenn man weiß wer der Leiter dieser Einrichtung ist und wie die Vorgeschichte aussieht.

Stattdessen wäre es vielleicht endlich mal angebracht grundsätzliche Änderungen im Jugendschutz vorzunehmen. Verbote machen nur da Sinn, wo sie etwas bringen. Und solange sich jeder alles via Whatsapp/usw. zusenden und unlimitiert auf YouPorn surfen kann, sind jegliche Überlegungen, das „deutsche“ Web porno- und gewaltfrei zu bekommen völlig sinnlos und lächerlich. Betroffen sind nur diejenigen, die es eigentlich schauen dürfen und die geradezu wahnsinnigen Firmen, die versuchen mit Unterhaltung oberhalb von FSK12 in Deutschland Geld zu verdienen.

Aufklärung, realistische Schulung der medialen Kompetenz und Betreuung dürften wesentlich besserer Jugendschutz sein, als der Witz der da seit Jahrzehnten durch die Landschaft kugelt. Allerdings kostet das wohl Aufwand und somit Geld und vorallem würde es offenlegen, dass alles bisherige ganz grober Unfug war. Und sowas kann man schon aus Gründen der Moralraison nicht zugeben. Andererseits bin ich allerdings auch ganz froh, ob der gezeigten, ausufernden Inkompetenz. Ich mag mir nämlich gar nicht vorstellen, was alles der Zensur zum Opfer fallen würde, wenn da kompetente Leute sitzen würden, die ihren Heile-Welt-Plüsch ungebremst ausleben könnten. Bei anderen Leuten…

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