„SPD – Kunst und Kultur von gestern“

Während die SPD mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Bundestagswahlkampf gemütlich unter 30% verharrt, wurden nach und nach die Mitglieder von Steinbrücks „Kompetenzteam“ vorgestellt, bei dem es sich hauptsächlich um innerparteilichen Ausgleich handelt, um Flügelkämpfe zu vermeiden. Aufgefallen ist mir heute Oliver Scheytt, der Zuständige Kompetenzbeauftragte zum Thema Kunst&Kultur.

SPD Kunst und Kultur von gestern - logoMan könnte ja auf die Idee kommen, dass sich die Abteilung Kunst und Kultur im 21. Jahrhundert mal etwas bewegen könnte. Stattdessen wird das Gegenteil angezeigt. Scheytt setzt allerdings drei Ausrufezeichen die Fragezeichen produzieren.

> Eine Reform des Urheberrechts: Das Recht der Urheber auf ihr geistiges Eigentum muss auch in der digitalen Welt anerkannt werden. Die Interessen von Urhebern, Nutzern und Verwertern sind zum Ausgleich zu bringen.

Gab es in den letzten Jahren nicht NUR Reformen, die das Urheberrecht zugunsten der Verwerter verschärft haben, den eigentlichen Urhebern nichts gebracht haben und den Konsumenten verarscht haben? Wobei die SPD munter zugestimmt hat. Und nun kommt man mit „Urheberrecht muss auch im Internetz gelten!“ und redet danach von „Ausgleich der Interessen„? Ich hab schon so eine Ahnung welche Interessen da gestärkt werden. Kleiner Tipp: Es handelt sich nicht um die der Urheber oder Nutzer…

> Eine bessere soziale Absicherung von Kreativen: Wir haben vor gut dreißig Jahren die Künstlersozialversicherung auf den Weg gebracht. Heute ist die KSK eine Erfolgsgeschichte. Deshalb müssen wir sie weiter stärken.

Die Künstlersozialkasse, die quasi pleite ist? [Link]

> Einen den grenzüberschreitenden Erhalt der Buchpreisbindung. Dieses so wichtige Instrument zur Förderung von Verlagen, Buchhandlungen und Autoren darf nicht durch die beliebige Preisgestaltung von ebooks unterwandert werden.

Die Buchpreisbindung, die dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels – da war doch gerade erst was, oder? – als Abmahngarant gilt, deren Regeln komplett unübersichtlich, veraltet und nicht funktionell sind? Wo gerade neue Formen von ab Werk defekter Überwachungsoptionen eingerichtet werden, die die Rechte des Autors verletzen?

Interessant ist auch was Scheytt explizit erwähnt und was nicht: Theater und Museen, Musik- und Kunstschulen, Kinos und Galerien, Kulturzentren und Konzerthäuser, Volkshochschulen und Bibliotheken sind Kunst und Kultur, alles andere anscheinend nicht. Das ist ungefähr so, als ob Scheytt im 15. Jahrhundert den Buchdruck ignoriert. Ich habe aber auch nichts anderes erwartet.

 

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5 Antworten zu „SPD – Kunst und Kultur von gestern“

  1. XDragoon schreibt:

    Meinst Du, die SPD würde den Scheytt auch als Juniorpartner der CDSU für einen Ministerposten vorschlagen?

  2. sirdoom schreibt:

    Solange Bernd Neumann als Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien weiter Garn spinnen darf, nein. Als Ersatz, falls Neumann in Pension geht oder einen lukrativen Versorgungsposten bei z.B. der GVU sicher hat, scheint Scheytt aber durchaus geeignet. Er scheint die „Kompetenz“ zu haben…

  3. 3-6 schreibt:

    Verratet mir doch mal, wieso in diesem Punkt die SPD total rückwärtsgewandt ist (Pfründe erhalten von irgendwelchen Interessengruppen), wieso aber die Agenda 2010 rückgewandelt werden muss. Das sind nämlich auch nur Pfründe von Interessengruppen.

  4. sirdoom schreibt:

    Die Agenda 2010 muss ja nicht auf Los zurückgesetzt werden, aber man kann ja gefälligst die Härten, die nicht funktionierenden Teile, etc. endlich bereinigen, so nach dem eigentlich SPD-nahen Motto „Sozialstaat reformieren statt abbauen“ 😉

  5. sirdoom schreibt:

    Auch sonst überall nur Sachen zum schreiend weglaufen bei der SPD, wenn es um die digitale Welt geht. Frank-Walter Steinmeier: „Wir brauchen ein modernes Leistungsschutzrecht” – gegen die “Gratiskultur des Internet“

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