„Wir haben anderes zu tun!“

Einer meiner journalistischen „Lieblinge“ ist Jan Fleischhauer, der für Spiegel Online u.a. die Kolumne S.P.O.N. – Der Schwarze Kanal schreibt. Nebenbei ist er Autor für „Die Achse des Guten„, weswegen Henryk M. Broder seine Werke auch immer so lobt.

Wir haben anderes zu tun - LogoEs war natürlich unvermeidbar, dass auch Fleischhauer sich am Thema NSA-Abhörskandal und Prism abarbeitet. Ganz schlimm: Er versucht dabei lustig zu sein – immer wenn Fleischhauer lustig sein will, wird es richtig schlimm – und wenn, dann hat eh die SPD Schuld und außerdem haben wir viel wichtigere Dinge zu tun, als uns um diesen Schmarrn bzgl. Grundrechten und Freiheit zu kümmern. Zumindest ist das die ganz kurze Zusammenfassung seines Artikels Die Heiligsprechung des Edward Snowden.

Während in der WELT Online John Kornblum, von 1997 bis 2001 amerikanischer Botschafter in Berlin, was für seine Pension tut, indem er mit der Hand in der Keksdose, beim Kekse mampfen erklärt, dass man ja u.U. doch mal über die Zugangsberechtigung zu den Keksen nachdenken könne, auch wenn die Keksaufsicht sicherlich alles getan hätte, damit die Kekserei korrekt bleibe und damit zumindest noch einen gewissen Unterhaltungsfaktor liefert, ist Jan Fleischhauer da schon wesentlicher plumper. Sein Schreibauftrag hat folgende Ziele: Sich über Edward Snowden und jeden der ansatzweise positiv über ihn berichtet lustig machen, womit man sich dann auch über die Sache selbst lustig macht. Es reicht allerdings noch dafür aus es auf den politischen Gegner zu schieben, was natürlich irgendwo auch stimmt, denn sie haben alle mitgemacht. Man Fleischhauer, es ist Wahlkampf, wenn die SPD ihre Finger nicht damals in der Datenkeksdose gehabt hätte, dann wären die Kampfansagen an die Bundesregierung ja wohl viel lauter, oder?

Aber sein Schlusssatz ist an Dummheit und Verachtung wirklich schwer zu überbieten. Es geht hier nicht nur um „etwas Datenklau„, über den sich nur Leute aufregen, die sonst keine Probleme haben, was übrigens eine weitere schöne Art ist, Leute zu diskreditieren (Wer sich mit solch Elfenbeinkünsten wie Bürgerrechten beschäftigt ist faul!!!). Es geht hier ja nur um die Zukunft des Netzes und der bürgerlichen Freiheitsrechte, ob wir einen freuen Staat leben wollen oder in eines Überwachungsdiktatur, gegen die die STASI der DDR rein technisch wie ein Chorknabe aussieht. Was ich für wichtiger halte, als Fleischhauers Mutterkomplex (siehe Fleischhauers Buch „Unter Linken“)…

Bonus:

Wem wie auch immer geartete STASI-Vergleiche zu plump sind, dem kann geholfen werden. Don Alphonso über die Innere Sicherheit 1848 in Preussen: Friedrich, Uhl, Metternich und andere Schrecken des Biedermeier.

SPON kann übrigens auch anders. Klaus Brinkbäumer, einer der beiden stellvertretenden Chefredakteure des Spiegels,in guter Sturmgeschütz der Demokratie-Manier über das Krankheitsbild der USA: Amerikas Wahn.

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10 Antworten zu „Wir haben anderes zu tun!“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Über den Fleischhauer bin ich ja recht ambivalenter Meinung. Einerseits mag ich einige seiner Ansichten nicht sonderlich, aber hin und wieder schreibt er ein paar nette, mokante Sachen. Das hier fand ich durchaus gut und komisch: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-wie-ich-auf-einem-taz-podium-fast-fuer-einen-eklat-sorgte-a-896469.html

    Außerdem ist er kein echter Konservativer. Der ist genau so links wie alle anderen SPON-Leute. Er gehört nur dem „rechten Flügel“ der Linksgerichteten an.

    Noch in den 60ern, 70ern und 80ern war die SPD weit konservativer als es die Unionsparteien heute sind. Sogar der Fleischhauer steht links von diesen alten Positionen. Wir haben seit über 40 Jahre eine massive Linksbewegung in der Gesellschaft, was natürlich auch die allgemeine Sichtweise beeinflusst, da die meisten Leute diese Bewegung mitgemacht haben – auch die extrem Konservativen konnten sich dem nicht entziehen. Die Grundausrichtung von SPD und Union unterscheiden sich heute auch nicht mehr groß. Und unfähig sind beide Seiten.

    Eins hat sich aber nicht geändert. Autoritär sind fast alle der aktuellen Parteien. Sogar die Piraten, die sich Liberalität auf die Fahnen geschrieben haben, tendieren inzwischen zum Paternalismus. Widerlich!

  2. sirdoom schreibt:

    Okay, auch Fleischhauer landet mal nen Treffer 😉 Ich hab mich trotzdem über den^^ Artikel richtig geärgert.

    ^^Das kommt, wenn das Gleichgewicht der Kräfte durch soziale Veränderung und technologische Neuerungen in schneller Folge durcheinander kommt und alle meinen, keine „Kontrolle“ mehr über die Dinge zu haben.

  3. XDragoon schreibt:

    „Der ist genau so links wie alle anderen SPON-Leute.“ <= SPON zählt als "links"?!? WTF?

  4. sirdoom schreibt:

    SPON wird immer noch als Links angesehen, im Vergleich zum früheren Spiegel sind sie es natürlich nicht.

  5. Brutus schreibt:

    Als ich das gelesen hatte musste ich schmunzeln, ist vielleicht einfach Ressentiment-geleitet etwas über’s Ziel hinnaus geschossen… oder vielleicht sollte „genau so links“ auch gar nicht andeuten das da irgendwer „links“ sei 😉 

  6. sirdoom schreibt:

    ^^Man könnte auch neue Bezeichnungen wie „Mainstream-link/-rechts“ und „true links/rechts“ einführen 😉

  7. 3-6 schreibt:

    Was soll der Spiegel denn sonst sein?

    SPON hat nur noch weniger Niveau als die Printausgabe, abgesehen von den Leserbriefen im Vergleich zu SPON-Kommentaren.

  8. sirdoom schreibt:

    ^^Was gerade opportun erscheint…

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