„Alle gegen Amazon.com“

Okay, wir müssen uns nicht wirklich darüber unterhalten, dass Amazon das Böse(TM) ist. Ob sie auf Geheiß der US-Geheimdienste springen [Link] oder einfach mal 1984 von den E-Book-Readern ihrer Leser löschen [Link]. Bei Zeit Online wird dann auch im Namen der Buchkultur ein Frontalangriff auf Amazon gefahren [Link: Die entscheidende Schlacht].

Alle gegen Amazon - LogoAmazon missbraucht seine Marktmacht, zerstört das Kulturgut Buch, es sind Steuerhinterzieher, usw. Halt alles was man sich an bösen Dingen ausdenken kann. Leider gibt es dabei einen Haken. Missbrauch der Marktmacht gibt es auch bei deutschen Buchhändlern [Link: Thalialisierung] und was die Vernichtung von Kulturgut und das Auffahren absichtlicher defekter Technik angeht ist man sogar ganz weit vorn [Link: Nur ein paar kleine Änderungen].

Jahrelang hat der deutsche Buchhandel erzreaktionär alle Trends und Entwicklungen verschlafen, den Leser verarscht, in dem englische Bücher bei der Übersetzung in zwei Teilen zu Wucherpreisen angeboten wurden, während man gleichzeitig den Selbstverlegern jede erdenkliche Hürde in den Weg geschoben hat. Es gibt in dieser Geschichte keinen „Guten(TM)„, leider. Und wenn ich mich bei einem Haufen Bösewichter entscheiden muss, dann für denjenigen, der für mich als Kunden am praktischten ist. Und da raten wir doch mal wer da gewinnt. So traurig das auch sein mag… Selbst schuld!

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17 Antworten zu „Alle gegen Amazon.com“

  1. Roland schreibt:

    Klar gibts in der Sache die Guten. Hunderte deutsche Buchhändler die sich um ihr Sortiment kümmern und guten Service bieten, ihre Mitarbeiter halbwegs anständig bezahlen und manchmal sogar jungen Autoren eine Bühne zur Verfügung stellen..

    Du lastest übrigens einige Dinge dem Buchhandel an, die vor allem den Verlagen geschuldet sind.

  2. sirdoom schreibt:

    Das stimmt durchaus, ändert jetzt aber nichts am Endergebnis oder? Ich würde ja gerne den lokalen Buchhandel unterstützen – nicht Thalia – aber wenn englische Bücher 2 Monate dauern und 30€ kosten (nach aktuellem Umrechungskurs wärens 15€), wenn aktuelle deutsche Bücher erst eine Woche später da sind, wenn Amazon schon anbietet Print-on-demand für E-Books auf eine neue Qualitätsstufe zu stellen und der Buchhandel vor Ort weigert sich solche Bücher aus Amazons eigenem Verlagssortiment zu ordern, wenn es jedesmal eine Qual darstellt ein Buch von einem Verlag abseits der großen Publikumsverlage zu ordern, und Beratung gerade im Bereich SciFi/Fantasy eh NICHT VORHANDEN ist, wofür brauch ich die dann?

    Und die deutschen Buchhändler, die fähige Angestelte haben, die gut bezahlen und was tun werden sicherlich auch eine gute Chance haben als Marktlücke weiterzuexistieren. Aber sie sollten tunlichst mal ihre Stimme erheben und insbesondere dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels in den Arsch den treten, der gerade munter dabei mithilft die Branche endgültig zu vernichten.

  3. Cunningham schreibt:

    Es tut mir ja leid für die Buchhändler, aber seit ich meinen Kindle habe bin ich rund um glücklich. Ich bekomme das was ich lesen möchte im englischen Original zu einem sehr verbraucherfreundlichen Preis. Bestens Beispiel Lied von Eis und Feuer da bekomme ich die Bücher jetzt für 6 Euro statt dass ich mir zwei Bücher für eine Geschichte für zweimal 15 Euro kaufen muss… dieses Buch habe ich dann auch sofort und muss nicht wie beim Buchhändler sechs Tage auffährts warten…

    Saturn hat sich mit seiner geiz ist Geil Werbung bei mir auch durchgesetzt… DVD, Serien und Blue Rays kaufe ich auch nur noch bei Amazon…

    Samt lieferservice direkt ins Büro, das ist wie spätrömische Dekadenz…

  4. derseltsamedoktor schreibt:

    Also ich halte dem Buchhandel die Treue. Sowohl meine Frau als auch ich kaufen unsere Bücher in einer kleinen netten Buchhandlung. Von einem Betrieb mit drei Personen ist kaum zu erwarten das sie alles kennen aber die Damen vor Ort sind immer sehr bemüht auch exotische Bücher zu beschaffen. Immer getreu dem Motto „support your local dealer!“
    Meine RPG Bücher kaufe ich allgemein direkt bei den Verlagen oder wie die AD&D Bücher die ich mir ab und an zur Vervollständigung kaufe über ebay.
    Mit einem ebook Reader dürfte ich wohl besser nicht nach Hause kommen. Meine Frau ist Handwerks Buchbinderin und würde so etwas wohl mit der Verbannung auf die Couch auf unbestimmte (oder schlimmerem) Zeit bestrafen 🙂
    Abgesehen davon schätze ich die Haptik von gedrucktem und das fehlen jeglicher Probleme die bezüglich der Lesbarkeit elektronischer Formate in der Zukunft auftreten kann.
    Einige PDF only Produkte die ich dennoch nicht missen wollte habe ich erworben, drucken lassen (ist mit Vitamin B ziemlich günstig) und dann von meiner Frau binden lassen.

  5. sirdoom schreibt:

    RPG-Bücher kaufe ich eigentlich auch beim Hersteller und gerade Hardcover-Ausgaben kleinerer Verlage auch – gerade wenn mir der örtliche Buchladen mal wieder gesagt hat, dass man den Laden nicht auf der Bestellliste hat*sigh*.

    Ich bevorzuge übrigens auch echte Bücher, zumindest bei mir wichtigen Sachen.

  6. Cunningham schreibt:

    Für meine RPG- und Regelbücher gehe ich hier in Hamburg ins Atlantis: http://www.atlantis-hamburg.de/index.php?page=spiele

  7. DarkISI schreibt:

    Na toll, ich hatte eben einen ewig langen Beitrag geschrieben… und statt ihn zu posten kriege ich die Meldung, dass der Beitrag nicht gesendet werden konnte.
    Und dann kann ich nicht mal zurück und ihn rauskopieren. Alles weg….. AAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHH

    Jetzt das alles wieder zusammenstückeln… unglaublich….

  8. DarkISI schreibt:

    Oh toll… mit wordpress.com Konto geht es jetzt, aber nicht mit Gravatar-Daten. Soll das ein Scherz sein?

    [Admin Edit: Soll ich mal aufräumen oder möchtest du das hier als Manifest des Versagens von WP stehen lassen? 😛]

  9. DarkISI schreibt:

    Versuchen wir mal, den verlorenen Post zu retten…

    Der Buchhandel macht auf mich immer den Eindruck, er wäre noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Er ist jetzt da, wo die Musikindustrie vor 15 Jahren war. Statt vernünftige Onlineangebote zu schaffen, beschwert man sich lieber über die bösen Raubmordkopirer/Amazon. Wo bleiben die entsprechenden Konkurrenzangebote? Wo bleiben die Möglichkeiten, auf Amazon zu verzichten?

    Seit ich meine Romane auch als Taschenbücher auflege und dazu Amazons Createspace verwende, tauchen meine Neuerscheinungen nicht mehr bei Libri auf (die kostenlose Sonderausgabe meines ersten Buchs listen sie noch, aber immer noch nur in der ersten Fassung statt in der aktualisierten zweiten). Wie ein bockiges, kleines Kind weigert man sich, meine Bücher in der E-Book Version zu führen (die E-Books werden im Übrigen nicht über Amazon vertrieben sondern über Bookrix).
    Glaubt man damit etwa, mich zu treffen oder Amazon ein Schnippchen zu schlagen?
    Ich schaue einfach auf meine Amazon Verkaufscharts, sehe dort vorgestern Platz 21 in den Kindle Science Fiction Charts und bin glücklich. Schlage ich mich mit dem E-Book doch sogar auf Platz 26 in den Science Fiction Bücher Charts rum – in direkter Konkurrenz zu gedruckten Büchern.
    Amazon? Die haben das große Glück, dass die Kunden die E-Book Ausgaben dann halt bei ihnen kaufen. Ihnen bleibt ja kaum eine andere Wahl.

    Wer ist hier nun also der Leidtragende? Nicht ich. Nicht Amazon. Aber wer bleibt dann?
    Richtig: Der Kunde und der lokale Buchhandel.
    Als großer Zulieferer auf dem deutschen Buchmarkt verhindert Libri mit einem solchen Verhalten, dass die Kunden einfach in ihren Buchladen gehen und die E-Books dort kaufen können (oder halt über deren Webseite, wenn jetzt jemand meint, E-Books kaufe man nicht vor Ort). Ein paar Kunden werden dadurch womöglich wirklich nie von den Büchern erfahren und selbst entscheiden können, ob sie sie kaufen wollen oder eben nicht.
    Und der lokale Buchhandel? Nun der steht da und ihm entgeht Gewinn. Gewinn der stattdessen direkt zur Konkurrenz Amazon weitergeleitet wird.

    Und wo bleiben denn die Konkurrenzangebote zu Createspace für mich als Autor? Etwas, wo ich nicht alle meine Rechte verliere und meine Tantiemen nicht gegen Null laufen? Wo?
    Will man mir hier ernsthaft erzählen, die Verlage wären nicht in der Lage, ihren Arsch hoch zu kriegen und etwas aus dem Boden zu stampfen?
    Hat Amazon hier etwa entdeckt, wie man Blei zu Gold macht? Wohl kaum! Sie haben etwas ganz anderes entdeckt: Das 21. Jahrhundert!

    Jetzt fällt es leicht zu sagen: Siehst du, die Verlage sind schuld. Aber das ist weit gefehlt. Der Buchhandel könnte problemlos Druck auf die Verlage ausüben, ein solches Angebot zu schaffen. Aber sie tun es nicht.
    Stattdessen schmeißen sie sich lieber auf den Boden und schreien rum, wie ein bockiges, kleines Kind, dessen Eltern ihm das teure Spielzeug nicht kaufen wollen.

    Was bleibt mir als Autor dann anderes übrig, als zu Amazon zu gehen?
    Ich habe wirklich liebevolle Erinnerungen an den Buchladen aus meiner Kindheit, aber mir wird nicht mal die Möglichkeit gegeben, den zu unterstützen. Stattdessen enthält man mir sogar aktiv die Möglichkeit vor, ihm mit dem Verkauf meiner E-Books vielleicht wenigstens ein paar Cents in die Kasse zu spülen.

    Dann schlage ich mich halt weiterhin in den heiß begehrten Amazon Science Fiction Charts weit vorne herum.
    Da haben es die Verlage und der Buchhandel mir aber so richtig gezeigt…

  10. Pingback: Der Deutsche Buchmarkt und das 21. Jahrhundert – Todfeinde! | Daniel Isberner

  11. DarkISI schreibt:

    Manifeste sind immer gut ^^

  12. Roland schreibt:

    Ich glaube, Du hast eine etwas unrealistische Vorstellung von den Zuständen und Möglichkeiten im Buchhandel. Es gibt sicher hunderte kleine Buchhändler in Deutschland, die gern e-books anbieten würden. Es gibt aber sicher nur sehr wenige, die das technische Know-How dazu hätten und ebenso wenige (nicht unbedingt deckungsgleich) für die sich die Sache in den ersten Jahren lohnen würde.
    Die großen bieten ja heute schon ihre eigenen e-book Sortimente an

  13. DarkISI schreibt:

    Ich weiß, dass gerade die Kleinen es ganz und gar nicht einfach haben. Ich habe aber auch das Gefühl, dass hier gar nicht erst versucht wird, etwas zu ändern.
    Und ich befasse mich in meinem Kommentar ja auch mit Libri, die hier sogar aktive Sabotage zu betreiben scheinen.
    Niemand hat gesagt, die kleinen Buchhändler sollen sich hinsetzen und ein Konkurrenzprogramm zu Amazons Createspace aus dem Boden stampfen, das können sie gar nicht. Da habe ich bewusst die Verlage in die Bringschuld genommen.

    Mal davon abgesehen, dass das Anbieten von E-Books alleine noch nicht bedeutet, dass man im 21. Jahrhundert angekommen ist. Der Vergleich mit der Musikindustrie vor 15 Jahren ist hier Absicht. Damals hat man die MP3 als böse und Untergang des Abendlandes definiert. Wenn man MP3s kaufen wollte, dann nur einzeln, bloß nicht das ganze Album und die Preise waren abenteuerlich hoch. Genau da, wo der Verlage heute mit dem E-Book stehen.

    Die Musikindustrie hatte damals das Glück, dass die Indieszene noch nicht so gut organisiert war, das Radio für viele die erste Quelle für neue Musik ist und ihr die technischen Möglichkeiten fehlten. Im E-Book-Sektor sieht das heute anders aus. Wenn die Verlage nicht aus ihrer verkalkten, selbstgefälligen Position herauskommen, werden sie sehr schnell merken, was das für sie bedeutet.
    Hier scheinen die Indies den Verlagen technisch voraus. Sie sind auch gut organisiert und es gibt kein Radio im Weg, ganz im Gegenteil, Amazon fördert den Indiemarkt sogar. (Gut, die haben da eigene Motive, weil sie die Verlage schwächen wollen, aber das geht ja oftmals sogar mit den Zielen der Indieautoren konform.)

  14. pseudo-anonymous schreibt:

    In dem netten kleinen Buchladen im nächsten Stadtviertel erhalte ich häufig sämtliche Bücher nur geringfügig teurer als bei Amazon – wenn sie englischsprachig sind. Insofern nehme ich die wenigen Tage Warten durchaus bereitwillig in Kauf. Erfreulicherweise kann ich über die Verkäuferinnen auch e-Bücher kaufen, insofern besteht auch da kein nennenswerter Mangel. Natürlich gibt es Fach- und Sachbücher, die ich nicht über den Buchladen beziehen kann, da greife ich schlußendlich doch noch auf Amazon zurück.

    E-Bücher sind für mich ein notwendiges Übel geworden, da ich mittlerweile ein so immenses Platzproblem habe, daß ich meine Bücher verschenke und durch e-Bücher ersetze. Sicher, es gibt viele Bücher, die ich gebunden und in Papier besitzen möchte, da die Haptik, die Optik und schlicht und ergreifend das Gefühl des Papiers und das Geräusch des Blätterns für mich (bisher?) unersetzlich ist. Dafür müssen sie mir aber wichtig genug sein.

    Die Sammlung meiner Rollenspielbücher in .pdf-Form ist mittlerweile um ein vielfaches größer als meine physischen Ausgaben, ebenfalls dem Platzproblem geschuldet. Auch hier gilt: je wichtiger, um so wahrscheinlicher ist es, daß ich es (auch) in gedruckter Form in meinem Zimmer liegen habe.

    Durch die verschiedenen faux-pas, die sich Amazon wieder und immer wieder leistet, habe ich mich gegen den Kauf eines Kindles entschieden und bin wirklich jeden Tag immer wieder froh, mich für einen Kobo Glo entschieden zu haben. WLAN-Aktivitäten finden nur dann statt, wenn ich das möchte; niemand bietet mir neue Bücher an, die sich an den Büchern in meiner Bibliothek (auf dem e-Buchlesegerät) orientieren.

    Es ist durchaus möglich, sich zuerst an einen (kompetenten und zukunftsorientierten) Buchladen zu wenden, der zu keiner großen Kette gehört, sei es wegen Druckwerken oder e-Büchern. Danach suche ich erst bei Kobo, dann schlußendlich bei Amazon.

    Wie auch immer, was ich für einen riesengroßen Fehler der Verlage halte ist die Preispolitik in Bezug auf gedruckte Bücher und e-Bücher. Wie kann es sein, daß ich 13 € bezahle, ob ich jetzt einen dicken Schmöker von den Gebrüdern Strugazki in Papierform oder in digitalem Format kaufe?! Den Preis des Buchs sehe ich ein und möchte keineswegs maulen oder meckern, aber denselben Betrag für eine Datei zu bezahlen, die deutlich geringere Herstellungskosten hat und theoretisch beliebig oft kopiert werden kann, ist bis zum Anschlag hanebüchen.
    Da kann ich es niemandem wirklich übelnehmen, der das Internetz nach e-Büchern durchforstet, um sie irgendwo illegal und kostenlos zu bekommen.
    Genau das ist auch der Grund, warum ich grundsätzlich englischsprachige e-Bücher propagiere, weil sie für gewöhnlich deutlich günstiger als die Druckvariante sind. Ich bin bereit, 2-5 € für ein e-Buch auszugeben, statt 10 € für ein Druckexemplar. Wenn die deutschen Verlage allerdings für ein Buch dasselbe Geld einfordern, unabhängig vom Format, dann boykottiere ich das, so gut es mir möglich ist.

    Gibt es eine Lösung für das Dilemma? Meiner Meinung nach die Preise für e-Bücher senken. Die Herstellungskosten rechtfertigen die oft verlangten Preise keineswegs und sind – wenn ich keinem Irrtum unterliege – dafür verantwortlich, daß in diesem Segment überdurchschnittlich viel raubkopiert wird.

    Was dieses Spreizen der Verlage gegenüber dem e-Buch angeht, möchte ich Welle: Erdball zitieren: „Wer nicht mit der Zeit geht – muß eben mit der Zeit gehen.“ 😉

  15. Pingback: “Bezos-Gate – Amazons dunkle Seite” |

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