„Europa – Internet North Korea Style“

In Großbritannien tobt der Tugendfuror. Das Internet ist böse und Pornographie ist böse. Also muss zensiert und verboten werden – also abgesehen von sexistischen Oben Ohne-Bildern der klassischen UK Yellow Press, sowas ist jageschmackvoll„. Was allerdings dann doch einige rechtliche Probleme mit sich bringt. Also ist es eine freiwillige Vereinbarung und jeder der sich dem Hass der Tugendhaften aussetzen will, darf einen Antrag auf Freischaltung stellen. Und genau wie man es vermuten konnte, ist das natürlich alles nur Tarnung und Vorbereitung, um eine Große Digitale Mauer wie in China oder Nordkorea zu bauen, wie sich schon bald herausstellte. Denn zusätzlich stehen auf der Zensurliste auch Webforen, „Tools zur Umgehung von Internetzensur“ und „Webseiten mit Bezug zu Selbstmord„, genauso wie „schlechte Sprache„, Gewalt, Rauchen, Alkohol und „esoterische Dinge„. Die Liste ist also flexibel erweiterbar und wir wissen ja alle was passieren wird, sollte die Zensurinfrastruktur erstmal stehen. [Link: Zeit Online – Internet wie in Nordkorea]

BT - North Korea StyleMan könnte ja meinen, dass dieser Keks in Deutschland nach dem Debakel mit Zensursula von der Laien gegessen wäre, aber nein. Auch hier gibt es schon wieder einen ersten, zaghaften Versuch. Der fundamentalistische Katholik Norbert Geiß (CSU, Überraschung) fordert auch für Deutschland wieder Internetsperren. Wegen der armen Kinder. [Link: Heise Online – Filter für deutsche Nutzer] Man könnte natürlich einwenden, dass dieser Zensurversuch noch das Vernünftigste ist, was Norbert Geiß je vorgeschlagen hat, aber der Haken liegt ja woanders. Jede Familie kann zu Hause Filter einrichten. Wenn der Filter auf Seite des Providers liegt, ist Missbrauch Tür und Tor geöffnet, wobei es nicht darum geht ob, sondern nur wann. Und in anderen europäischen Ländern wird daran ebenfalls gearbeitet. Irgendwann lachen die Nordkoreaner die unfreien Europäaer noch aus. Nordkorea hat immerhin einen Führer als Rechtfertigung…

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16 Antworten zu „Europa – Internet North Korea Style“

  1. The Nightwatcher schreibt:

    Sollte es helfen, stelle ich mich gerne als Führer zur Verfügung … 😉

    Witzig ist, das unter dem Ganzen gerade eine Werbung für Vodafone eingeblendet ist … tihihihihihi

  2. Andai schreibt:

    Ganz im Ernst, Erziehung ist immer noch Sache der Eltern, die theoretisch dafür sorgen müssten, dass ihre Kinder an solches Material nicht herankommen. Praktisch wissen die Eltern oftmals von Technik weniger als die Kinder oder unterschätzen den Erfinderungsreichtum eben dieser. Nichts desto trotz, Aufgabe der Eltern, nicht des Staates hier Zensur einzuführen und das ist es für mich. Das Internet ist und muss frei bleiben. Ich als Erwachsener muss gefestigt genug sein, um zu wissen, was anständig und was nicht ist. Welche Seiten ich aufrufe, welche nicht und wenn es halt pornografischer Inhalt ist, dafür bin ich über 18!

  3. Cunningham schreibt:

    Von mir aus kann als Führer kommen wer will, ich bin save, habe ich beim Ausmisten den Ahnenpass meiner Großeltern gefunden…

  4. pseudo-anonymous schreibt:

    Daß ein fundamentalistischer Katholik von der CSU natürlich als erstes an Kinder denkt, überrascht mich irgendwie nicht… 😀

  5. Cunningham schreibt:

    Das ziehlte unter die Gürtellinie 😉

  6. sirdoom schreibt:

    Der Ahnenpass oder die katholische Kinderliebe? 😉

  7. pseudo-anonymous schreibt:

    Die katholisch-christliche Nächstenliebe, die ganz besonders fürsorglich ist, je jünger der jeweilige Empfänger ist. 😀

    Und nicht zu vergessen: der gute Mann ist nicht nur ein Katholik, wo innerkirchlisch das körperliche Betreuen und Liebhaben von Kindern eine langjährige und etablierte Tradition hat, sondern auch noch ein Politiker, von denen auch so mancher als überdurchschnittlich kinderlieb enttarnt wurde. 😉

    Wobei ich jetzt nicht behaupten möchte, daß Herr Geiß Kinder lieber hat, als die Polizei erlaubt, aber diese Feuer-und-Schwer-Mentalität in Sachen Internetz, Zensur und Kinderschutz mitsamt seinem religiösen, demographischen und politischen Hintergrund finde ich grundsätzlich verdächtig.

  8. pseudo-anonymous schreibt:

    Nachtrag: Wenn jemand beim Thema Internetz und Pornographie „denkt an die Kinder!“ ruft, finde ich das schon recht seltsam. Bei Internetz und Pornographie denke ich erst einmal an Wikipedia und YouPorn, aber ganz gewiß nicht an Kinder. Besonders nicht in Verbindung mit YouPorn. 😉

  9. sirdoom schreibt:

    Outen wir uns da nicht gerade wieder als atheistischer, links-kommunistischer Nazi-Terrorist? 😀

    Kleine Hilfestellung: Das Schimpfwort ist nicht „links“, nicht „kommunistisch“, nicht „Nazi“ und nicht „Terrorist“ 😉

  10. pseudo-anonymous schreibt:

    Aber… das… ich… aber… das… das… 😦

  11. XDragoon schreibt:

    Damit machst Du gerade selbst eine Rasterfahndung auf.

  12. XDragoon schreibt:

    Ich möchte lösen: „GOTTLOS!“

  13. sirdoom schreibt:

    Atheist mit 7 Buchstaben: GOTTLOS

    Der Kandidat erhält 5 Peitschenhiebe UND wird mit einem Gewicht seiner Wahl im See verbracht 😛

  14. sirdoom schreibt:

    Grundsätzlich ist jede Sexualität unterdrückende, Frauen herabsetzende* und autoritäre Organisation, die sich von der normalen Umwelt abschottet und der von Teilen der Gesellschaft eine gewisse Deutungshoheit zugestanden wird anfällig für (Macht-) Missbrauch jeglichlicher Art. Die Katholische Kirche ist nur die größte zentrale Organisation dieser Art.

    Da allerdings der Aufklärungswille durchaus als mangelhaft zu bezeichnen ist, hält sich mein Mitleid stark in Grenzen 😉

    *Auch die Herabsetzung von Männern ist natürlich negativ, aber seien wir mal ehrlich, meisten kriegen es die Frauen ab.

  15. pseudo-anonymous schreibt:

    Mag sein, daß das in erster Linie nur in Großstädten so zugeht, aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich nachts kaum einer Frau auf Seitenstraßen begegnen kann, ohne angeschaut und behandelt zu werden, als ob ich gleich zu ihnen rennen und sie vergewaltigen (wollen) würde. Dabei ist es unerheblich, daß ich die meisten nicht einmal für Geld berühren wollte, es wird mir unterstellt, daß ich sie ausrauben oder sexuell mißbrauchen wollte. Per Definition, weil ich männlichen Geschlechts bin.

    Wenn ich dann bedenke, daß ich – egal zu welcher Tageszeit – zum Beispiel an U-Bahnstationen von Frauen nie Geld gewechselt bekomme, von Männern aber fast immer, dann trägt das auch nicht dazu bei, daß ich den meisten Frauen auf Augenhöhe und unvoreingenommen begegne.

    Von der Unterdrückung und Verspottung homosexueller Männer durch heterosexuelle Frauen mag ich nicht noch einmal anfangen.

    Daß Sexualität grundsätzlich Frauen herabsetzt, halte ich für ein Vorurteil und Irrglauben. Ich weiß nicht mehr, wo im Internetz ich darüber gestolpert bin, aber es gibt einen Autor, der nach einem Verlag für sein Sachbuch „Häusliche Gewalt ist weiblich“ (oder so ähnlich) sucht, allerdings wegen des brisanten und politisch inkorrekten Themas immer wieder abgelehnt wird, der das ganze mit zahlreichen Studien belegen kann.

    Sexualität und Sexismus macht Männer wie auch Frauen zu Opfern, und je nach Blickwinkel sind die einen oder die anderen die Bösen, man selbst ist immer das arme, mißverstandene und unterdrücke Opfer. In einer besseren Welt könnte man (und frau) Tabula Rasa durchsetzen und konstruktiv zusammenarbeiten, statt sich gegenseitig immer wieder zu beschuldigen und auszubremsen.
    Und von Kindern und insbesondere Hermaphroditen, die beide immer sehr gerne bei diesem Thema ausgespart werden, brauche ich auch erst nicht anzufangen, schätze ich. 😉

  16. sirdoom schreibt:

    Oh, ich wollte keineswegs abstreiten, dass das auch in die ander Richtung funktioniert. Meine Beobachtung war nur, dass weltweit betrachtet da immer noch weitaus mehr die Arschkarte gezogen haben.

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