„Danke deutsche Verlage – Wieder ein Autor den ich von jetzt an nur noch im Original lese“

Ich lese Bücher sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Wenn ich mich einmal für eine Sprache entschieden habe, lese ich den Autor oder die Reihe möglichst in der Sprache, in der ich sie angefangen habe, zu Ende. Das geschieht aus Gewöhnung und Bequemlichkeit. Habe ich mich erstmal auf den Schreibstil und die Begrifflichkeiten eingestellt, dann muss man das nicht gleich wieder über den Haufen werfen. Zwischen den unterschiedlichen Ausgaben wechsele ich nur, wenn man mich quasi dazu zwingt. Etwas worin deutsche Verlage mittlerweile ziemlich gut geworden sind. An verschiedenen Fronten.

US-Ausgabe Zwang - LogoBei John Ringo bin ich auf die englischen Ausgaben gewechselt, weil Heyne/Random House einzelne Romane innerhalb des Posleen-/Legend of Aldenata-Zyklus einfach nicht übersetzt hat. Da kann ich auch gleich alles im Original lesen. Bei David Drake wurden die Übersetzungen einfach eingestellt, danke nochmals dafür. Bei David Webers Honor Harrington-Reihe hatte ich einfach keine Lust mehr so lange zu warten und mich veräppeln zu lassen. Wenn das US-Hardcover für unter 20€ verkauft wird und die deutsche Taschenbuchausgabe in zwei Teile gesplittet wird, für die jeweils 10€ verlangt werden, dann hört der Spaß einfach auf. Wobei es sowieso eine Unsitte ist, Bücher für den deutschen Markt in zwei Teilen zu veröffentlichen.

Hamilton - Der unsichtbare Killer - Cover Peter F. Hamilton-Romane hatte ich bisher immer auf Deutsch gelesen und bin großer Fan der Commonwealth und MindstarReihe. Sein neuster Roman The Great Road North ist bei Bastei Lübbe gerade unter dem Titel Der unsichtbare Killer auf Deutsch erschienen. Immerhin ausnahmsweise nicht in zwei Teilen, sondern als ein dicker Wälzer, so wie vom Autor gedacht. Allerdings als Taschenbuch in extra dünner Papierqualität, wo man jede Sekunde die Befürchtung hat „OMG, es fällt auseinander!„, für den geringen Preis – das Buch hat 1000 Seiten, das sind eigentlich 3 Einzelromane! – von nur 17,99€. Die gebundene US-Hardcover-Ausgabe kostet übrigens nur 3€ mehr und ist nicht auf Taschentuch gedruckt. Ich bin ja sonst auch recht pflegeleicht was Lektorat und Satz angeht, aber wenn mir beim wahlosen Aufschlagen des Buches die Fehler ins Gesicht springen, dann kann man sich die Priorität schon denken – Um fair zu bleiben: Kann theoretisch auch Zufall gewesen sein. Drei Doppelseiten blind aufgeschlagen, immer mindestens 2 ins Auge springende Fehler. Womit mir aber im Endeffekt die deutschen Verlage ein weiteres Mal eindeutig zu verstehen geben:Wir wollen kein Geld von dir!„. Und wer sich solche Mühe gibt, der soll auch belohnt werden. Hamilton steht ab sofort ebenfalls auf der „english only“ – Liste, auch wenn es im Bücherregal unschön aussieht und ich mich von den Begrifflichkeiten her umgewöhnen muss. DANKE, deutsche Verlage, nur weiter so!

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14 Antworten zu „Danke deutsche Verlage – Wieder ein Autor den ich von jetzt an nur noch im Original lese“

  1. Agent Pöhlemann schreibt:

    Interessant… Mich hat damals auch Peter F. Hamilton mit dem Neutronium-Alchemist in die englische Welt getrieben. Dies allerdings weniger wegen der Veörrfentlichungspolitik (zu spät, zu stark aufgeteilt etc.) sondern wegen der Qualität der Übersetzung. Diese Bücher enthielten teilweise echt Sätze deren SInn sich erst nach der Wort-per-Wort Rückübersetzung ins Englische erschloss.

  2. lawgunsandfreedom schreibt:

    Das halte ich auch schon länger so. Vor allem bei Autoren wie Eoin Colfer und Terry Pratchett bleibt dann auch der Wortwitz und die Mehrdeutigkeit erhalten, die den (meist durchaus guten) deutschen Übersetzungen des öfteren zum Opfer fallen.

    Ich bin allerdings ein analer Charakter, was Satz und Lektorat angeht. Schlampigkeit beim Lektorat geht bei mir gar nicht, das kann mir den ganzen Spaß am Buch vergällen. In machen Büchern fragt man sich echt, ob die die Rechtschreib- und Grammatikprüfung von MS-Word drübergejagt und das dann unbesehen gedruckt haben. Immer wieder schlage ich Bücher auf, in denen tatsächlich Schusterjungen und Hurenkinder zu finden sind. Gut, ich bin beruflich vorbelastet, weil ich aus dem graphischen Gewerbe komme. Aber ich bin auch Ästhet. Als solcher erwarte ich, daß sich die Verlage an die sinnvollen Regelungen zum Schriftsatz im Buchdruck halten.

  3. sirdoom schreibt:

    Ich hab irgendwann mal den Neutronium-Alchemisten auf deutsch angefangen und ganz schnell wieder weg gelegt, war mir zu schwurbelig. Ich bin dann erst mit Mindstar und insbesondere der Commonwealth-Saga mit Hamilton warm geworden.

  4. sirdoom schreibt:

    @Terry Pratchett: Die deutsche Übersetzung davon ist übrigens eigentlich ziemlich gut! Aber es liegt in der natur der Sache, dass das Original da einfach vom Wortwitz nicht erreichbar ist.

    @Lektorat: Ich kann da zum Glück ziemlich abschalten. Ich kann zwar ziemlich Korinthenkacken, wenn ich selber einen Text durchsehe („Fehler, Fehler, Fehler, Stimme des Textes ist falsch gewählt und inkonsistent, Logikfehler, der Satz da geht gar nicht und generell hat der ganze Absatz keinen Punch! Und überhaupt…„), aber normalerweise bin ich relativ entspannt. Wenn auf zehn Seiten zwei Fehler kommen, die einem nicht gleich die Augen ausstechen, dann kann ich sowas gerne mal ignorieren.

    Ich mache aber auch Unterschiede: Ein Großverlag, der sich damit brüstet, nur Großverlage würden Qualität abliefern und dann regelmäßig qualitativ von 1-Mann-Verlagen vorgeführt wird, darf nicht mit Gnade rechnen.

  5. Pingback: Imperiale Gedanken: Danke deutsche Verlage – Wieder ein Autor den ich von jetzt an nur noch im Original lese | Daniel Isberner

  6. Agent Pöhlemann schreibt:

    Ich kann da eigentlich meist auch ziemlich gelassen über gewisse grafische/ Setzerische Dinge hinwegsehen. FInde aber zielgerichtet immer als erstes DEN Rechtschreibefehler eines Kapitels.
    Da ich gerne lese, mag ich mir den Spass nicht durch alles und jedes verderben lassen.

    Aber eben… gewisse Standards erwartet von von Grossverlagen schon. Das fängt bei der Wertigkeit des Papiers, Qualitäts des Drucks usw. an.

    @Sirdoom:
    Mich konnte dafür die Commonwealth-Geschiche nie begeistern. Weiss auch nicht wieso. Ist doch der Neutronium-Alchemist tatsächlich ungläublich zäh und langfädig.
    (Stilistisch am besten davon fand ich eigentlich noch das Spin-Off Fallen Dragon). Aber ich erkläre das mal mit jugendlichem Wahnsinn.
    Schliesslich bin ich auch langjähriger Andreas Eschbach-Fan.

  7. sirdoom schreibt:

    Ach Eschbach, ich weiß immer nicht ob ich ihn umarmen oder schlagen soll. Manche Sachen von ihm finde ich ganz großartig, manches hingegen so richtig mies.

    Was mir aber am meistens aufstößt ist nicht Eschbach selber sondern sein Förderer bei der FAZ, der Schirrmacher, der seit der Counterstrike-Affäre der FAZ – Schmähartikel mit komplett erfundenem Inhalt, der dann einfach verschwunden ist und Schirrmacher quasi gesagt hat „ja und, alles Unsinn, aber Killerspiele sind trotzdem SCHULD(TM)“ – eh auf meiner Liste(TM) steht. Der preist Eschbach immer als das Neueste und Beste an, auch wenn der Kram von anderen SF-Autoren schon zigmal besser durchgekaut wurde.

  8. derseltsamedoktor schreibt:

    Also gerade die Kritik am Teilen von Büchern kann ich nur allzu gut verstehen. Das hat mich schon damals bei der Chronik der Drachenlanze sowas von genervt.
    Und zum Thema mangelnde Qualität der Bindung kann ich nur sagen das meine Frau, eine Handwerks Buchbinderin und wie ich auch Vielleser(in), bekommt regelmäßige touretteartige Anfälle wenn sie sich so anschaut was deutsche Verlage teilweise so abliefern. Vor allem da sie selber weiß es teilweise nur um wenige Cent geht die die Verlage mit der Billigproduktion sparen. Besserer Leim zB bedeutet Mehrkosten von 0,5 Cent pro Buch.
    Aber das scheint typisch deutsch zu sein. Ich habe jede Menge FanPro und Feder&Schwert Bücher aus den 90er Jahren die inzwischen durch meine Frau repariert werden mußten weil der Leim Mist war und die Seiten herrausfielen. Meine White Wolf und FASA Orginale aus der Zeit halten immer noch Bombenfest, trotz regen Gebrauches.

  9. Agent Pöhlemann schreibt:

    Zugegeben, die FAZ-Geschichte kenne ich jetzt nicht.
    Die „Faszination Eschbach“ hängt bei mir garantiert nicht am Schreibstil der teils an Schüleraufsätze erinnert, sondern meist an den Grundkonzepten oder den netten Twists die er ganz unerwartet aus dem Hut zaubert.

    Was ich bis heute nicht weiss: Oft zitiert er ja viel Recherche, aber ich habe keine Ahnung ob das stichfest ist…

  10. pseudo-anonymous schreibt:

    Die übersetzten Pratchett-Romane gut? WIE BITTE?! Bei „Monstrous Regiment“ kommt erst ab etwa der Mitte heraus, daß (fast) die gesamte Truppe aus Frauen besteht, noch später wird auch noch dieses „fast“ hinfällig. Der deutsche Titel heißt „Das Weiberregiment.“ Muß ich noch weiter ausholen? 😉

  11. sirdoom schreibt:

    Okay, die Brandhorst-Übersetzungen hatte ich jetzt gerade wohl willentlich ausgeblendet. Allerdings fand ich die von Gerald Jung und Regina Rawlinson vollkommen okay, siehe z.B. „Alles Sense„.

    Wobei mir einfällt: Wollte der deutsche Verlag nicht irgendwas in die Richtung „komplette Neuübersetzung, um Pratchett aus der Fantasy-Ecke rauszuholen“ machen? Ich meine mich da dunkel erinnern zu können… o.O

  12. lawgunsandfreedom schreibt:

    Hatte ich gar nicht mitbekommen, da ich Pratchett schon lange vorher nur noch in Englisch gelesen habe. Die paar Deutsch-Übersetzungen, die ich gelesen habe, fand ich gar nicht so schlecht.

    Daß deutsche Verlage bei der Übersetzung von Buch-Titeln oft grandios abkacken, ist mir allerdings bekannt ^_^

  13. sirdoom schreibt:

    Wie bei John Ringo würde ich mit meiner ausgeprägten Nerd-Bildung von gelungener Pseudoscience 101 ausgehen, sprich genug davon stimmt, dass es stimmig genug ist. Man sollte sich aber nicht drauf verlassen 😉

  14. sirdoom schreibt:

    Wobei ich aus eigener Erfahrung weiß, dass das manchmal echt ganz schön schwierig sein kann eine gelungene Übersetzung zu finden. Allerdings gibt es leider zu viele Beispiele wo man es trotz guter Optionen versaut hat.

    Bei den schwer oder gar nicht zu übersetzenden Sachen erwarte ich ja dann auch schon nicht viel, aber selbst da schaffen sie es ja oft genug ein Fass ohne Boden aufzumachen.

    Vorallem stört mich der stetige Eindruck, dass der/diejenige der/die sich den Titel ausgedacht hat das Buch noch nicht mal angelesen hat.

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