„Caution – Restricted Internet“

Die Deutsche Telekom bietet ein neues Produkt an. Mit Clean Pipe will man ein deutsches oder europäisches Intranet basteln, um für mehr Datensicherheit zu sorgen [Link]. Womit man die Daten dann vor neugierigen Blicken aus den USA, Großbritannien, China und Russland schützen will. Nur die resteuropäischen Dienste spitzeln dann noch, natürlich nur zur Terrorabwehr, woran man jetzt glauben kann oder nicht. Wie beim Weihnachtsmann. Vollkommen weltfremd ist es natürlich anzunehmen, dass die europäischen Dienste die Daten dann einfach selber an z.B. die USA weiterleiten, so eine Kooperation ist ja geradezu unvorstellbar. Wie immer würde da nur eine anständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung helfen, aber das ist ja nicht gewollt.

Caution Restricted Internet - LogoDabei finden sich hier noch ganz andere Probleme. Das Internet hat aus Sicht der nationalen Politik einen ganz schweren Geburtsfehler. Es ist international, grenzüberschreitend und das gesamte System ist darauf ausgelegt, dass Daten verbreitet und nicht verhindert werden. Also alles was moderne, auf „Sicherheit und Kontrolle“ fixierte Staaten ansonsten zu verhindern versuchen. Weswegen sich der Iran auch schon sein eigenes Intranet bastelt [Link] und China ganz offen nationale Root-Zonen im DNS fordert [Link]. Und nun bastelt man auch in Europa daran, allerdings nicht wie die bösen Regimes zur Unterdrückung der Bürger, sondern nur zur „Sicherheit„. Denn die Regierungen haben vom Erfolg der Firmen gelernt. Geschlossene Ökosysteme nehmen dem User die Kontrolle und machen ihn zur Marionette. Aus Sicht vieler offiziell demokratischer Staaten durchaus nicht unbedingt unerwünscht, obwohl man das so natürlich nie zugeben würde.

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17 Antworten zu „Caution – Restricted Internet“

  1. sirdoom schreibt:

    Wie habe ich gerade so schön gehört:

    Nationales Internet, abgeschottet gegen des Rest der Welt? Von Nordkorea lernen heißt siegen lernen!“ 😉

  2. XDragoon schreibt:

    Heißt das, ich brauche bald einen Reisepass zum surfen?

  3. sirdoom schreibt:

    Bräuchtest du, wenn du als verlässlich genug eingestuft würdest um ins Ausland surfen zu dürfen. Da dem nicht so seien wird, bekommst du auch gar keinen I-Reisepass 😉

  4. sirdoom schreibt:

    Weitere Stimmen zu Clean Pipe/Deutschlandnetz: Link

    Zeit Online dazu: Ein Schlandnet würde nur der Telekom nützen

    Werbeanzeigen der Telekom gibt es dazu auch schon 😉
    Schlandnetz

  5. Cunningham schreibt:

    Sowas, nicht mal schreiben können die, müsste das nicht Internetz heißen?
    Und Online, furchtbare Anglozismen…

  6. sirdoom schreibt:

    Dein Internetz ist aber auch verdächtig, es müsste bei strenger Germanisierung natürlich „Zwischennetz“ heißen 😛

  7. farmerboy schreibt:

    Zwischennetz ist auf Linie…?

    Hört sich auch verdächtig an…Zwischennetz.. irgendwie subversiv oder? ^^

  8. sirdoom schreibt:

    Na ja, da hast du nicht unrecht, auch wenn es die eigentlich korrekte Form wäre. Hm, man könnte es komplett neubesetzen. Volksnetz wäre doch super, oder 😀

  9. farmerboy schreibt:

    Volksnetz, VolksPhon statt Smartphone, und ein Volkscomputer mit eingebauter Sicherheitslücke für alle..
    Passt.^^

  10. Cuningham schreibt:

    Nationales Volksnetz vielleicht? Oder gar Deutschnationales Volksnetz?

  11. Schattenkanzler schreibt:

    TeutonenNetz

  12. XDragoon schreibt:

    Und als nächstes kommen die Pop-Ups mit „surft nicht beim Juden!“.

  13. sirdoom schreibt:

    Also DAS ist jetzt eindeutig übertrieben! Insbesondere, weil das SchlandNetz schon wieder Schnee von gestern ist und sie ein Schengen-Netz wollen, was dann wahrscheinlich bei „Gefahr“ jederzeit doch abgeschaltet wird oder so…

  14. Cunningham schreibt:

    Na toll, dann werden also meine E-Mails in die Schweiz acht statt vier Tage zukünftig dauern…

  15. sirdoom schreibt:

    Sei froh, dass die überhaupt bis zum Rechner liefern und man seine Mails nicht an der nächsten Tankstelle abholen muss! Link

  16. sirdoom schreibt:

    Die DE-CIX Management GmbH als Betreiber des größten europäischen Peering-Knotens ist übrigens nicht so ganz der gleichen Meinung wie die Telekom… Link

  17. sirdoom schreibt:

    Noch ein paar allgemeine Reaktionen zum Thema: „Berufswunsch Internetgrenzbeamter“, „für die doppelte Netzbürgerschaft“, „You are leaving the SchlandNet Sector“, „nationales Internet: Juhu, nur der BND liest mit! 😉

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