„Die Krim-Krise“

Mit Auflösung der Sowjetunion erlangte die Ukraine 1991 ihre staatliche Unabhängigkeit und sucht seither verzeifelt nach einer nationalen Identität, gefangen zwischen Europa und Russland. Nachdem die westlich geprägte Orangene Revolution in der Staatsführung versagte, schlug das Pendel wieder gen Osten und Wiktor Janukowytsch konnte beweisen, dass er noch korrupter und inkompetenter ist, als seine direkten Vorgänger. Womit dann im Herbst 2013 der Euromaidan begann, der in der Absetzung von Janukowytsch gipfelte. Genosse Wladimir Wladimirowitsch Putin war darüber nicht sehr erfreut, hatte er doch schon vor Monaten auf ein härteres Vorgehen gedrängt. Also trat Plan B in Kraft.

Die Krim-Krise - Logo Wenn man schon nicht die ganze Ukraine zurück in Mütterchen Russlands Schoß holen kann, ganz zu schweigen von einer paneurasischen Föderation unter Vorherrschaft von Moskau, dann gilt es zumindest den Zugang zum Schwarzen Meer zu sichern. Was uns zur Krim führt, wo sich die russische Schwarzmeerflotte befindet. Die spontan gegründeten, pro-russischen Selbstverteidigungskräfte der Krim, die aus Angst vor den revolutionären Anarchisten aus Kiew bei Papa Putin um Hilfe anfragen, sind natürlich weder spontan noch zufällig dort. Das wurde schon vor Monaten vorbereitet, als Putin davon ausgehen musste, dass Janukowytsch es doch noch versaut.

Krim-Krise - KarteRealistisch betrachtet hat die Ukraine keinerlei Möglichkeiten Russland an der Übernahme der Krim zu hindern. Und da die NATO/USA eher weniger geneigt sein werden mit einer Trägerkampfgruppe durch den Bosporus zu segeln, gibt es auch keinen Grund für Moskau davon Abstand zu nehmen. Eigentlich ist der Keks also schon gegessen und es kommen nur noch ein paar kleinere, diplomatische Nachbeben. Aber wie so oft können Krümel auf den letzten Metern noch wirklich Ärger bereiten. Wenn die Ukraine es irrsinnigerweise doch drauf anlegen will und Russland sich gezwungen sieht klar zu machen, wer immer noch militärische Großmacht ist und wenn man bedenkt, wie dieses saftige Stück Ost-Ukraine da so vor der Nase baumelt…

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22 Antworten zu „Die Krim-Krise“

  1. Lucas Cunningham schreibt:

    Tja, alles ist wieder beim alten, naja nicht ganz.
    Der Russe steht wieder vor der Tür, nur diesmal haben wir die Hose unten.

    Letztlich bin ich jedoch ziemlich verwirrt:
    Das allgemeine Bild, welches der Westen der Welt seit 2001 vermittelt ist doch letztlich: Der stärkere hat Recht und kann tun und lassen was er will. Das Völkerrecht ist das Papier nicht wert auf dem es verewigt wurde.
    Jetzt beschweren wir uns, dass der Russe sich ebenfalls so verhällt. Vor seiner Haustür.

    Gut, nun haben wir zwei Probleme:

    Zum einen, es passiert auch vor unserer Haustür! Zwischen Deutschland und der Ukraine liegt nur Polen. Das ist nicht der weiter entfernt liegende Irak oder gar Afghanistan.

    Das ist unser nächstes Problem, es handelt sich leider nicht um Ali Barba und seine vierzig Räuber, die im fernen Afghanistan hocken und gegen die angeblich die Bundesrepublik verteidigt werden muss, weil die mit Bazookas bestückte Mulis haben.
    Nein, es ist der Russe. Der Russe, der uns, unsere Freiheit und unsere Zukunft fünfzig Jahre lang bedroht hat und dem wir jetzt mehr als zwanzig Jahre nachdem der eiserne Vorhang fiel aber mal so gar nichts entgegen zu setzen haben.

  2. sirdoom schreibt:

    Na ja, ganz so düster sieht es dann ja doch nicht aus, aber man muss sich daran gewöhnen, dass Russland „wieder da ist“. Und dementsprechend pragmatisch agieren. Und schleunigst das Projekt europäische Streitkräfte vorantreiben 😉

  3. XDragoon schreibt:

    Also erstens dürfen gar keine Flugzeugträger durch den Bosporus fahren (1) (2). Zweitens ist es eben ein riesiger Unterschied, ob man von einem Gegenspieler „nur“ Panzer, Flugzeuge, Kriegsschiffe und anderes konventionelles Gerät erwarten muss oder ob dieser noch auf den großen roten Knopf drücken kann. Was bedeutet, dass sich Janukowytsch inzwischen ziemlich in seine Kehrseite beißen dürfte, dass die Ukraine diesen Part ihres sowjetischen Erbes inzwischen hat entsorgen lassen (3). Ebendiese Abrüstung der Atomwaffen hat die Ukraine auch viel Geld gekostet. Hinzu kommt noch ein anderes nukleares Erbe der Sowjet-Zeit, das die Ukraine noch lange beschäftigen wird (4). Die Ukraine galt mit ihrer Schwarzerde lange als Kornkammer, mal Europas, mal irgendeines Khanats, mal Russlands/der Sowjetunion. Aber mit dem einen oder anderen geringgeschätzten Isotop in diesem guten Boden ging auch dieser Wirtschaftsfaktor zurück. Das Land hatte seit der Jahrtausendwende ein jährliches Exportdefizit von etwa 200 Milliarden Euro (5). Auch militärisch gab es ein beachtliches Erbe, aber die Militärausgaben wurden deutlich gesenkt. So wurden beispielsweise sämtliche T-72 eingemottet. Zwar haben sie nach dem Zerfall der Sowjetunion mit dem T-84 einen durchaus modernen Kampfpanzer entwickelt, der es meiner Einschätzung nach durchaus mit dem russischen T-90 aufnehmen kann, aber mit nur 10 Stück kommt man nicht weit (6). Luftwaffe und Flotte sind noch auf dem technischen Stand von 1991 (7) (8). Und auch wenn die russische Schwarzmeerflotte nicht riesig ist, so würde doch auch hier die Ukraine eher schlecht aussehen (9).

    Außerdem schätze ich es aus dem Bauch heraus wirklich so ein, dass es in der Ukraine pro-russische Kräfte gibt und sicherlich auch im Militär. Zudem würden vermutlich auch viele Soldaten zu den Russen überlaufen, wenn es ernst wird – oder kampflos die Waffen niederlegen.
    Ich bin gespannt, ob es zu einer Teilung oder zu einer pro-russischen Marionettenregierung kommen wird und wie das ganze inszeniert wird, damit auch die westlichen Regierungen es ihren Untertanen noch halbwegs angemessen verkaufen können, was da für ein Possenspiel abläuft.

    (1) https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Montreux
    (2) https://de.wikipedia.org/wiki/Flugdeckkreuzer#Russische_Flugdeckkreuzer
    (3) http://www.spiegel.de/politik/ausland/ehemalige-atommaechte-nuklearer-phantomschmerz-a-688392.html
    (4) http://www.welt.de/wissenschaft/article112869526/Der-neue-29-000-Tonnen-Sarg-fuer-Tschernobyl.html
    (5) http://www.trademap.org/Bilateral_TS.aspx (hier muss man einen Account haben)
    (6) https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_Ground_Forces
    (7) https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_Air_Force
    (8) https://en.wikipedia.org/wiki/Ukrainian_Navy
    (9) https://en.wikipedia.org/wiki/Russian_Black_Sea_Fleet

    Man verzeihe mir bitte die vielen Wikipedia-Links.

  4. pseudo-anonymous schreibt:

    Ob die französischen Mittelstreckenraketen mit Nuklearsprengköpfen in guter, alter Tradition wieder auf das unwichtige Niemandsland zwischen Polen und den Beneluxländern ausgerichtet werden? Nur so für den Fall, daß einige geschmacklose Vodkanasen zum Pazifik vorstoßen wollen, um gemeinschaftlich zu angeln, oder so… 😐

  5. lawgunsandfreedom schreibt:

    Seit den 50er Jahren betreiben die USA eine geostrategische Politik, die in Brzezinskis „Die einzige Weltmacht“ schön beschrieben wird (was der alte kalte Krieger auch noch völlig ernst meint und egal, wer in den USA an der Macht ist, auch gnadenlos durchgezogen wird). Die NATO/Amis und ihre Erfüllungsgehilfen haben in den letzten Jahrzehnten permanent ihre Zusagen gegenüber den Russen gebrochen und regen sich jetzt auf, wenn der Russe mal keinen Rückzieher macht sondern seine Interessen genau auf dieselbe Art vertritt, wie das der Westen (vor allem die USA) permanent machen.

    Da unsere Medien weitgehend nur den westlichen Standpunkt verbreiten und keine alternativen Blickwinkel anbieten, erscheint uns „Der Russe™“ als immer noch genau so böse wie zu den Zeiten des kalten Krieges. Diese Denkmuster hängen wohl immer noch in unseren Köpfen verankert fest.

    Fest steht: Die Russen werden die Krim behalten. Sie werden versuchen auch die Karpatengrenzen zu bekommen. Die sind strategisch sehr wichtig.

    Die NATO kann nicht einfach durch den Bosporus durchfahren. Da haben die Russen eine strategische Position, wie die Spartaner bei den Thermopylen. Da keine Seite „worldwide thermonuklear war“ spielen will, ist das also auch kein gangbarer Weg.

  6. lawgunsandfreedom schreibt:

    Die Pläne dazu liegen immer in der Schublade. Aber ich glaube nicht, daß die Russen das machen. Die sind pragmatisch, aber nicht doof. Sie halten der NATO grade ihre eigene Strategie als Spiegel vor. Guck mal nach, wo die USA überall Militärstützpunkte unterhält. Da kriegt man ein schönes Bild von imperialistischen Bestrebungen, von denen uns unsere Medien eher nichts erzählen.

  7. lawgunsandfreedom schreibt:

    Unverzeihlich interessant. Das meiste wusste ich zwar, allerdings nicht, daß keine Flugzeugträger durch den Bosporus dürfen und deshalb eine Alibibezeichnung haben.

  8. japan001 schreibt:

    http://schoresch.me/2014/03/05/politik-ukraine-willkommen-im-19-jahrhundert/ Hier komm ich zu einem ähnlichen Fazit. Der Westen wird meckern, aber am Ende werden die Russen mit ihren Zielen durchkommen. Die Ukraine kann im schlimmstenfall als ökonomisch schwaches Land dem Süden und dem Osten beraubt, in die EU beitreteten, was dann auch sehr schnell gehen könnte.

  9. sirdoom schreibt:

    ^^Also so eine Trägerkampfgruppe der USA wird sich von der Türkei und dem Vertrag von Montreux im Notfall nicht aufhalten lassen. 😉 Aber von so einem Fall sind wir noch weit entfernt und den politischen Fallout will auch wirklich keiner.

  10. japan001 schreibt:

    Eben, ich denke auch der Westen kann nichts wirklich machen. Man macht jetzt Symbolpolitik lässt die Russen aber gewähren. Vielleicht dachte die EU dass Russland zwischen NATO und EU trennt, aber für Moskau scheint beides eine Invasion wert zu sein. Wir leben halt wieder im 19. Jahrhundert.

  11. XDragoon schreibt:

    Die Türkei als NATO-Bündnispartner würde da vermutlich schon mal ein Auge zudrücken. Aber es müsste auch nicht unbedingt ein Träger da durch. Der könnte bequem im Mittelmeer bleiben und von da seine Jagdbomber losschicken und dabei außer Reichweite der russischen Granit bleiben. Außerdem können auch vom Boden der Türkei aus Flieger starten. Die türkische Regierung könnte das sogar von sich aus anbieten um sich mal wieder im Westen etwas beliebter zu machen. Aber man kann den Vertrag von Montreux ja auch als Ausrede nutzen weshalb man nicht militärisch eingegriffen hat.
    Und genau das ist meine Erwartung. Es wird keinen neuen Krimkrieg geben.

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  13. XDragoon schreibt:

    Noch eine Neuigkeit:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-krise-weissrussland-bittet-russland-um-kampfjets-a-958286.html
    Irgendwie sehe ich so langsam wieder die alten Grenzen der Sowjetunion in leuchtendem Rot auf den Landkarten – vielleicht bis auf die Ukraine, die komplett rot leuchtet.

  14. sirdoom schreibt:

    Tja, einige Falken sind ja sogar auf beiden Seiten ganz scharf drauf… *grlm*

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