„Pflugscharen zu Schwertern und ein Pastor“

Joachim Gauck, evangelisch-lutherischer Pastor/Kirchenfunktionär, aktiv in der DDR-Bürgerrechtsbewegung und jetziger Bundespräsident, ist immer wieder für eine Schlagzeile gut. Ob er nun die Banken und Manager liebevoll und zurückhaltend mahnt, wobei die Streicheleinheiten überwiegen [Link], oder ob er eine stärkere Beteiligung Deutschlands in der internationalen Sicherheitspolitik, vulgo Kriege, fordert [Link].

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Letzteres hat er jetzt bei einem Besuch in Norwegen bekräftigt [Link]. Der Bundespräsident betonte, es gehe dabei nicht um ein „deutsches Dominanzgebaren“ wie in vergangenen Jahrhunderten. „Das Gegenteil ist gemeint. Es ist im Verbund mit denen, die in der Europäischen Union oder in der Nato mit uns zusammengehen, ein Ja zu einer aktiven Teilnahme an Konfliktlösungen im größeren Rahmen.“ Er sagte weiterhin, es habe früher eine „gut begründete Zurückhaltung der Deutschen“ gegeben, sich international entsprechend der Größe oder der wirtschaftlichen Bedeutung des Landes einzulassen. Das könne er verstehen. „Aber heute ist Deutschland eine solide und verlässliche Demokratie und ein Rechtsstaat. Es steht an der Seite der Unterdrückten. Es kämpft für Menschenrechte. Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen.“

Einerseits hat er damit natürlich recht. Andererseits könnte man dann fragen, wann wir endlich Saudi-Arabien befreien? Oder Nordkorea? Oder in Afrika aufräumen? Oder wann wir aus der NATO austreten und endlich aktiv gegen die Überwachungsprogramme der USA vorgehen? Oder man könnte auch nachhaken und fragen, ob sich für die „gut begründete Zurückhaltung der Deutschen“ nicht immer noch „gut Gründe“ finden lassen. Gauck wird sicherlich nicht in der Tradition von Admiral Sir Edward Hobart Seymour an ein „Germans to the Front“ denken. Aber bei dem Thema dürfte etwas Bedachtsamkeit sicherlich nicht falsch sein.

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9 Antworten zu „Pflugscharen zu Schwertern und ein Pastor“

  1. xdragoon schreibt:

    Womit hat er denn recht? In dem Zitat kann ich überhaupt garnichts zustimmen.

  2. sirdoom schreibt:

    Na ja, Deutschland ist nicht gerade dabei neue Kolonien zu besetzen und ist im Vergleich zu einem Großteil der Regierungen dieser Welt wirklich eine Demokratie und ein Rechtsstaat. 😉

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Es gibt halt so ein paar Sprüche, die nicht stimmen. Dieses „Schwerter zu Pflugscharen“ mag ein netter pazifistischer Slogan sein, aber lädt zur Unterdrückung ein. Richtiger muß es heißen:

    „Wer seine Schwerter zu Pflugscharen schmiedet, der wird für diejenigen pflügen, die dies nicht getan haben.“

    Trotzdem kann ich dem Pastor und Bundeshampelmann nicht wirklich zustimmen. Mal abgesehen davon, daß er erst bürgerrechtsbewegt wurde, als die Sache für ihn ungefährlich war. Wir haben laut Grundgesetz eine Verteidigungsarmee und die hat nicht mal zu „humanitären“ Einsätzen was im Ausland zu suchen. Vor allem wenn diese humanitären Katastrophen vor allem durch Wirtschaftsinteressen, Machtpolitik, sowie religiösen und ideologischen Fanatismus anderer Parteien geschaffen wurden.

  4. xdragoon schreibt:

    Demokratie und Rechtsstaat sind für mich keine Komparative.

  5. sirdoom schreibt:

    Theoretisch stimme ich dir zu, praktisch sieht das aber schon anders aus, nicht wahr?

  6. sirdoom schreibt:

    Es wäre ja auch was anderes, wenn man mal eingestehen würde, dass „Nation Building“ nicht nur 2 Wochen dauert, sondern Jahrzehnte und auch nicht gerade billig ist, es allerdings wesentlich teurer ist mit den Folgen von Failed States zu leben. Und man für sowas eine längerfristige Strategie braucht und nicht so einen Clusterfuck wie aktuell im Irak.

    Und bei Gauck stört es mich einfach, wenn der Pastor so leichtfertig ist.^^

  7. lawgunsandfreedom schreibt:

    Nach dem 2. Weltkrieg war’s für die Amis leicht mit dem Marshall-Plan Wiederaufbau zu organisieren. Alle Vorzeichen waren günstig. Westliche Normen, bekannte Gesellschaftsform, Religion, etc. Das alles gab es in den anderen Ländern, in denen die USA ihre Kriege führten halt nicht. Man glaubte, den Marshallplan in modifizierter Form auch einfach auf andere Länder, die man zuvor kaputtgemacht hatte, anwenden zu können.

    Die Ergebnisse sehen und ertragen wir heute.

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