„Stellvertreterkriege – The Next Generation“

Da die altegediente Kunst der Stellvertreterkriege gerade ein Revival erlebt, kann es ja nicht schaden da mal einen kleinen, informativen Blick drauf zu werfen. Stellvertreterkriege sind Kriege in dem sich zwei oder mehr in Konflikt befindliche Großmächte nicht direkt militärisch auseinandersetzen, sondern diese militärische Auseinandersetzung in einem oder mehreren Drittstaaten austragen. Ursprünglich bezog sich dies nur auf die vermehrt nach dem Zweiten Weltkrieg aufkommenden Kriege während des Kalten Krieges. Darunter fallen u.a. der Koreakrieg, der Vietnamkrieg oder auch der Afghanistankrieg von 1979.

Stellvertreterkrieg - LogoDiese Form der Kriegsführung zeichnet sich dadurch aus, dass ein meist bereits bestehender Konflikt, Bürgerkrieg oder Krieg zu den jeweils eigenen Zwecken der involvierten Großmächte instrumentalisiert und – sofern dieses noch nicht der Fall ist – zu einem militärischen Konflikt ausgeweitet wird. Primäres Ziel der Großmächte ist dabei der Erhalt bzw. die Erweiterung der jeweiligen Interessensphäre auf Kosten der anderen Großmächte. Die Kriegsparteien im Drittstaat erhalten dabei direkte und/oder indirekte Unterstützung mit dem Ziel, der jeweils geförderten Kriegspartei zum Sieg zu verhelfen. Die Unterstützung kann sowohl militärischer als auch logistischer, finanzieller oder anderweitiger Natur sein. Die Hauptursache für einen Stellvertreterkrieg ist im allgemeinen der Umstand, dass die beteiligten Großmächte eine direkte militärische Konfrontation nicht wollen. So sollen mögliche Eskalationsstufen zwischen den eigentlichen Kriegsparteien vermieden werden. Die Stellvertreterkriege ermöglichten eine halbwegs kontrollierte, konventionelle Kriegsführung, ohne die Gefahr nuklearer Eskalation.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion ging man eigentlich davon aus, dass diese Praxis der Vergangenheit angehört. Allerdings ging es auf einem kleineren Niveau, meist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Weltöffentlichkeit, natürlich weiter. Erst mit Beginn der Wiedererstarkung, manch einer sagt auch gestiegenem Größenwahn, Russlands und dem Arabischen Frühling drang diese Praxis annähernd wieder in Größenordnungen vergangener Zeiten vor. Schon Libyen kann man zur neuen Welle der Stellvertreterkriege zählen, aber der wirklich große Testfall war und ist der Fleischwolf Syrien. In der Ukraine fand hingegen jahrelang ein diplomatischer Schatten-Stellvertreterkrieg statt, bei dem Russland und die USA/EU Millionen für Propaganda und Aufbau von Strukturen bereitgestellt haben. Und mittlerweile ist dieser dieser Schattenkrieg in Richtung heißer Krieg eskaliert. Am anderen Ende der Welt stellt sich die Frage, wann China sich für imperiale Abenteuer bereit hält. Denn auch hier stünde eine Welle an neuen Stellvertreterkriegen an. Was für die Mode gilt, gilt auch für Konfliktmodelle: Kommt alles wieder…

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4 Antworten zu „Stellvertreterkriege – The Next Generation“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    War by proxy – immer sehr bequem. Man drückt jemandem ’ne Waffe in die Hand, zeigt auf jemand Anderes und sagt: „Das ist der Böse!“ Schon hat man einen wunderbaren Konflikt. Man kann nebenher noch prima Waffen und Dienstleistungen verkaufen.

    Konzerne machen das auch schon länger nach dem Motto: „Wie, das sind Eure Bodenschätze? Das sind unsere Bodenschätze und da drüben stehen unsere „Sicherheitsexperten“ mit dem Finger am Abzug. Also macht Euch vom Acker!“

    Der „militärisch-industrielle Komplex“ ist halt schon lange nicht mehr nur auf die Rüstungsindustrie beschränkt. Rohstoff- und Energie-Konzerne spielen das Spiel, genau so wie Lebensmittelkonzerne.

  2. sirdoom schreibt:

    Leider rückt einen auch nur die Erwähnung des Begriffes in die Nähe von „Verschwörungstheoretikern„, wobei das ein Jahr nach Snowden ja eigentlich nicht negativ besetzt sein kann, aber da hat die Abteilung Propaganda ganze Arbeit geleistet.

    Man kann aber an einer etwas neueren Entwicklung das Grundmodell wunderbar anschaulich machen. Stichwort: War on Drugs, bei dem eine Militarisierung zur Aufrüstung auf beiden Seiten und einer blutigen Eskalation geführt hat, die aber eine ganze Branche „beflügelt“ hat. Eigentlich dürfte Leuten in der Branche die Schnappatmung befallen bei dem Gedanken, dass es wirklich einen endgültigen Sieg gegen die Drogenkartelle geben könnte… 😉

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Da haben die Spin-Doctors wieder feine Arbeit geleistet. Dabei sind „Stellvertreterkrieg“ bzw. „War By Proxy“ bestens belegt. http://en.wikipedia.org/wiki/Proxy_war

  4. sirdoom schreibt:

    Das war auf militärisch-industrielle Komplex bezogen, aber Stellvertreterkriege sind auch Verschwörungstheorie, zumindest so lange bis sie jeweils zu Ende gegangen sind.^^

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