„Review – RoboCop (2014)“

Robocop - LogoDer multinationale Megakonzern OmniCorp besitzt im Jahr 2028 die globale Vormachtstellung auf dem Markt für Robotertechnologie. Mit dem Verkauf seiner weltweit eingesetzten Drohnen erwirtschaftet der Konzern gigantische Gewinne. Aber im Kernland USA bleibt einem der Zugang und garantierte Milliardengewinne dank Anti-Roboter- und Drohnengesetz, dem Dreyfus-Act, verwehrt. Obwohl man Abermillionen in Marketing, Lobbyismus und ganz offene bestechung investiert hat. Sogar der Dauereinsatz von Talkshow-Star Patrick „Pat“ Novak (Samuel L. Jackson) in seiner Hit-Sendung The Novak Element, bringt keine Ergebnisse.

Robocop01OmniCorp sucht deshalb nach einem „menschlichen Gesicht„, um die öffentliche Meinung zu drehen und den Dreyfus-Act zu kippen. Währenddessen wird Alex Murphy (Joel Kinnaman), der versucht die ausufernde Kriminalität in seiner Heimatstadt Detroit zu bekämpfen, bei einem Anschlag so schwer verletzt, dass seine Überlebenschancen gegen Null tendieren. Murphy ist die Gelegenheit für OmniCorps CEO Raymond Sellars (Michael Keaton). Er beauftragt seinen besten Wissenschaftler, Dr. Dennett Norton (Gary Oldman) aus Murphy RoboCop zu machen, der als halb Mensch, halb Maschine nahezu unverwundbar die Straßen Detroits aufräumen soll. Aber wie viel Mensch steckt wirklich noch in Murphy und wer kontrolliert die Maschine wirklich?

Robocop04Nach der ersten Ankündigung, habe ich das Projekt sofort nicht leiden können. Und mit jeder Information über das Remake wurde es nicht besser. Deshalb habe ich RoboCop auch noch mal sacken lassen, bevor ich dazu etwas schreibe. Weshalb wir auch gleich zu den positiven Dingen übergehen: Die Darstellerriege ist nämlich ziemlich gut. Kinnaman gibt einen guten Robo, Keaton spielt den bösen OCP-Exec in der Kalifornien-Steve-Jobs-in-böse-Variante, dazu noch Jackson als Fox News-Propaganda-Onkel und Oldman als ambivalenter Wissenschaftler im moralischen Niemandsland. Dazu gibt man sich wirklich Mühe optische Leckerbissen einzustreuen und etwas politische Relevanz anzustreben. Auch einige Ansätze zu philosophischen Fragen in Richtung Mensch/Maschine sind positiv zu erwähnen. Und dabei kommt dann wohlwollend auch ein durchaus ganz brauchbarer SciFi-Action-Thriller raus.

Robocop02Leider muss sich das Remake auch gegen Paul Verhoevens Original von 1987 behaupten und da sieht José Padilhas Fassung leider ganz wenig Land. Statt Up to Eleven – Gewalt gibt es nur blutleeres Rumgeplänkel, statt einer Welt, in der OCP längst gewonnen hat und Horden von moralisch korrupten Konzern-Execs die Welt verschlimmern, gibt es nur ein paar böse Ausnahmen. Augenöffnend ist Samuel L. Jacksons Imitation eines Fox-News-Propaganda-Onkels, die zwar durchaus „witzig“ ist, aber ganz oft einfach nicht als Satire zünden will, weil Fox News&co mittlerweile schon in der Realität viel weiter gehen. Statt subtil anzudeuten, dass Murphy doch noch in dem Blecheimer existiert, muss es im Remake mit dem Holzhammer verklickert werden. Statt der ikonischen Musik des Originals von Basil Poledouris gibt es austauschbaren Durchschnitt, was besonders deutlich wird, weil man zu Beginn noch Teile der Originalmusik hört.

Was bleibt da am Ende übrig? Alleine betrachtet rangiert der neue RoboCop durchaus im Bereich von 3 von 5 dystopischen Blech-Cops. Im direkten Vergleich ist es eher so 1 von 5 blutleeren, geradezu feigen Plastik-Cops. Sehr schade… Persönliche Anmerkung: Liebe Hollywood-Studios, hört doch bitte damit auf, Filmklassiker mit erwachsenem Inhalt als unispirierte, blutleere und öde Neuauflagen an die Wand zu fahren. Ob nun der sogar noch etwas gelungenere RoboCop oder das Total Recall-Remake: Es klappt so einfach nicht!

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15 Antworten zu „Review – RoboCop (2014)“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Wenn ich dran denke, was für „erwachsene“ Filme in den 80ern gemacht wurden, und was heutzutage so in die Kinos kommt, dann kann ich echt nur noch den Kopf schütteln. Den neuen RoboCop werde ich mir sicher nicht antun. Da greife ich mir lieber zur ungeschnittenen Originalfassung aus meinem DVD-Regal.

  2. sirdoom schreibt:

    Was eindeutig die bessere Wahl ist! Und NICHT daran denken, dass sie an einem PG-13 Starship Troopers „Remake“ arbeiten… *grusel*

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Igitt! Hollywood wird immer dümmer, langweiliger und einfallsloser.

  4. sirdoom schreibt:

    An erster Stelle steht natürlich einfach Geld abkassieren. Bekanntes Franchise, am besten mit einem gewissen Kult-Ruf neu auflegen und drauf hoffen, dass alteingesessene Fans nicht widerstehen können und man neue anlockt. Das kann sogar funktionieren, aber wenn einem das Quellenmaterial vollkommen egal ist und es keinerlei künstlerische Vision/Aussage dahinter gibt, bzw. das nun mal ein Film für Erwachsene ist und zwanghaft auf „jugenlich“ runtergefahren wird, dann ist der Ausgang ja leider absehbar…

    Bei Starship Troopers habe ich aber noch eine ganz andere Befürchtung. Ich mag zwar den Roman sehr gerne, aber Heinlein schreibt sich da teilweise bös in die protofaschistische Ecke. Insofern war es ein Glücksfall, dass das nicht 1:1 auf Film umgesetzt wurde, sondern mit Verhoeven eine bitterböse Action-Satire drauß geworden ist. Bei einer PG-13 – Neuauflage vermute ich, dass das staubtrocken und „ernst“ umgesetzt wird, also ideologisch FSK18+, dafür aber die ravioliroten Schauwerte ausbleiben, ebenso nackte Tatsachen oder eine Beschäftigung mit dem Thema dahinter. Aber ich lass mich wie gesagt gerne eines Besseren belehren, hat aber bei Robocop auch schon nicht geklappt…

  5. lawgunsandfreedom schreibt:

    I beg to differ – Heinlein beschreibt in Starship-Troopers eine Utopie/Dystopie. Das ist nicht das, was Heinlein im Privatleben vertreten hat 😉
    Die englische Wikipedia ist da wieder mal sehr viel ausführlicher als der deutsche Artikel dazu: http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_A._Heinlein

    Heinlein war Libertarier, etwas was bei seiner Romanfigur und seinem Teilzeit-Alter-Ego „Lazarus Long“ weit besser rüber kommt. Auch muß man die Zeit bedenken, in der der Roman geschrieben wurde. Heinlein ist 1907 geboren und schrieb Starship Troopers 1959. Heinlein wurde für das Buch heftig angefeindet aber auch bewundert, hat aber über die Leute gelacht, die daraus auf seine Meinung und Charakter geschlossen haben. Sowohl Gegner wie Bewunderer haben ihn da größtenteils völlig falsch verstanden/eingeschätzt. Wer seine anderen Bücher kennt (und die habe ich alle auf deutsch und auf englisch) wird kaum auf die absurde Idee kommen, daß Heinlein pro-faschistisch eingestellt war. Heinlein war in frühen Jahren eher Sozialist und kandierte sogar für die Sozialisten in Californien. Später war er eher in der republikanischen Ecke zu verorten, aber die sind auch nicht pauschal „rechts“. (Aber um das zu wissen, müsste man sich intensiv mit der USA und ihrem Parteiensystem befassen. Etwas, was den Rahmen hier sprengen würde).

    In Heinleins Romanen kommen sämtliche politischen Ideologien vor. Damit spielte er schon immer gerne – Social Science Fiction mit Hard-Tech-Touch. Aber er persönlich hat jede Form von totalitärer Ideologie (kommunistisch, faschistisch, religiös) immer abgelehnt und in die Pfanne gehauen. Er hatte auch zeitlebens gegen die Verlogenheit, Bigotterie und Sexualmoral angeschrieben, die er als Jugendlicher (im Bible-Belt aufgewachsen) erlebt hatte. Man hat das seinen späten Romanen besonders angemerkt. Denn die Sexualmoral war grade in den ’80ern schon sehr viel weiter. Das wirkte in den Romanen dann ein bisschen aufgesetzt.

    Daß er vom Militär kam hat er nie verleugnet. Allerdings gibt’s viele Romane von ihm, die deutlich gegen den militärischen Kadavergehorsam und irrsinnige Bürokratie gerichtet waren – genau so wie Romane, die kräftig auf jegliche totalitären Strukturen eindreschen. Dabei bleibt er aber immer ziemlich unterhaltsam und seine eigenen Überzeugungen scheinen oft nur am Rand durch, während er eine Gesellschaft beschreibt, die er selbst ganz sicher nicht haben wollte. In anderen Romanen dagegen, ist der Kampf gegen Totalitarismus sogar zentraler Bestandteil der Story.

    Die Verhoeven-Verfilmung wurde in den USA übrigens weit weniger als Satire/Parodie begriffen als in Europa. Und ja – ich habe auch die Befürchtung, daß eine PG-13-Version eher Richtung Hurra-Patriotismus aufgebaut sein wird.

    Verhoeven hat genau das richtige gemacht – denn er hatte Heinlein auch richtig verstanden. Man muß bei diesem Buch zwischen den Zeilen lesen. Genau so ist es angelegt und das ist im Original etwas offensichtlicher als in den mäßigen Übersetzungen, die eben das nicht vermitteln können. Vielleicht bringt diese Rezension etwas mehr Licht ins Dunkel:
    http://www.tor.com/blogs/2012/01/for-whom-the-space-beacon-tolls-another-look-at-robert-a-heinleins-starship-troopers

    Verhoeven hat natürlich überzeichnet, damit es auch die dümmsten Amis kapieren. Aber es gab noch mehr als genug, die den Sarkasmus und die Satire nicht begriffen haben.

    Und als Heinlein-Fan sollte man unbedingt das hier lesen:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Grumbles_from_the_Grave

  6. lawgunsandfreedom schreibt:

    Ah – das ist auch noch ziemlich gut: A world that works„: fascism and media globalization in Starship Troopers.

    Vielleicht sogar besser als die Rezension, die ich oben verlinkt habe.

    [Admin-Edit/Link-Fix]

  7. sirdoom schreibt:

    Thx 🙂 Wobei ich Heinlein da auch persönlich nix Böses unterstellen wollte, aber als Autor hat er sich imho bei ST etwas in die Ecke geschrieben – und ich mag das Buch. Das Problem ist aber auch mehr wie Starship Troopers heute von einem gewissen Spektrum vereinnahmt und gedeutet wird. Und insofern befürchte ich ein HOORAY!-YEAH!-Wir meinen das ernst!-Star Ship Troopers 😉

    ^^Der letzte Link ist irgendwie broken…

  8. lawgunsandfreedom schreibt:

    Nicht Heinlein hat sich „in die Ecke geschrieben“ – die Kritiker haben ihn da hingeschoben, weil sie nicht zwischen Werk und Autor unterscheiden wollten oder konnten. Was eher ein Urteil über die Kritiker als über Heinlein zulässt 😉

    Und angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und militärischen Aggressivität der USA geben die Remake-Pläne wirklich Anlaß zu Bedenken.

    Der letzte Link ist zu lang für WordPress. Hätte ihn in einen URL-Shortener schmeißen sollen. Hier nochmal: http://bit.ly/YFmR7V

  9. sirdoom schreibt:

    ^^Der „A world that works“ – Artikel ist wirklich richtig gut, thx 🙂

  10. lawgunsandfreedom schreibt:

    … und erklärt vor allem, warum der Roman so ambivalent rüberkommt. 😉

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