„NUHR keinen Ärger!“

Der früher mal ganz witzige Kabarettist Dieter Nuhr, bekannt als „George Clooney der deutschen Comedy„, hat sich eine Strafanzeige wegen Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen eingefangen. Der Kläger merkt an, wenn sich jemand über den Islam lustig machen würde, habe er nichts dagegen. Nuhr hingegen würde unter dem Deckmantel der Satire eine „blöde, dumme Hetze“ gegen eine gesellschaftliche Minderheit betreiben [Link: Dieter Nuhr – Strafanzeige wegen Islambeleidigung]. Und natürlich ist die Aufregung groß. Denn wenn Minderheiten sich auf Recht und Gesetz, auch wenn dieses dringend abgeschafft werden müsste, berufen, dann hört der Spaß auf.

Nuhr keinen Ärger - LogoSo regen sich insbesondere diejenigen auf, die Carolin Kebekus für ihr satirisches Musikvideos „Dunk den Herrn“ gerne auf dem Scheiterhaufen hätten brennen sehen. Muss man jetzt nicht witzig finden, genausowenig wie Dieter Nuhr, aber es zeigt das Problem des Gummiparagraphen Blasphemie, der entweder für alle gilt oder gar nicht. Kurt Tucholsky meinte zu diesem „mittelalterlichen Diktaturparagraphen„: „Ich mag mich nicht gern mit der Kirche auseinandersetzen; es hat ja keinen Sinn, mit einer Anschauungsweise zu diskutieren, die sich strafrechtlich hat schützen lassen.Markus Söder, der damalige CSU-Generalsekretär, forderte übrigens noch 2006 eine „drastische Verschärfung des Paragraphen„. Nebenbei: Das Strafgesetzbuch der DDR enthielt keine vergleichbare Regelung. Lediglich „religiöse Handlungen“ waren gemäß § 133 geschützt. Dieter Nuhr kann dabei trotzdem ganz froh sein in Deutschland zu sein, denn hier bekommt er damit riesiges Medieninteresse und muss eventuell ein paar Cent an die Staatskasse abdrücken. In Irland wäre das etwas sehr viel teurer [Link: Ungläubiges Staunen über Gesetz gegen Gotteslästerung] und in Saudi-Arabien, unserem Partner und Verbündeten, würde man ihm den Kopf abschlagen…

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8 Antworten zu „NUHR keinen Ärger!“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Nuhr fand ich mal gut … ist lange her.

    Wer Witze über seinen eigenen Glauben nicht aushält, hat keinen Humor. Etwas, was vor allem Leute auszeichnet, die außer Glauben nicht viel haben. Da Fanatiker und andere Blindgläubige oft keinen (oder wenig) Humor haben, nehmen sie Witze auch schnell persönlich. Selbst wenn die Verarschung zu 100% zutrifft, sind sie dann beleidigt. Kommt davon wenn man einen Spiegel vorgehalten bekommt und das Spiegelbild nicht erträgt. Da braucht man dann Sonderrechte und „Schutzzonen“ aus denen man dann ungehindert auf die Ungläubigen und Angehörige anderer Glaubensrichtungen schießen kann. Erinnert mich ein wenig an den Radikalfeminismus. Da hat man dasselbe Muster.

    Mal abgesehen davon – wenn man das Strafgesetzbuch mal konsequent auf die Bibel (vor allem altes Testament, im jüdischen der Tanach) und auf den Koran anwenden, dann kann man da wunderbare Aufrufe zum abschlachten von Leuten mit anderen Bekenntnissen finden. Das ist wohl nicht genug um den Frieden zu stören, bei zum Teil sehr eindeutigen Aufrufen zu Gewalt, Mord und Totschlag gegen Andersgläubige? (Warum müssen eigentlich immer die Heiden die Abrahamiten auf die Stellen ihrer eigenen Glaubensbekenntnisse hinweisen, in denen ganz klar zum Verstoß gegen deutsches Recht und Gesetz aufgerufen wird? Ist ihnen das etwa peinlich, daß ihre eigene „Friedensreligion“ solche mörderischen Passagen enthält? Heidnische Religionen kennen so was wie Religionskriege gar nicht. Da gibt’s auch keine allgemeingültige Wahrheit, die die abrahamitischen Religionen für sich reklamieren).

    Wenn ich mir die sogenannten „moderaten Muslime“ ansehe, dann wundert mich nicht, daß der radikale Islam aus der muslimischen Welt so gut wie keinen Gegenwind bekommt. Es ist eine primitive Religion, die im Gegensatz zum Christentum keine Aufklärung hatte. Es gibt keinen moderaten Islam. Es gibt nur moderate Gläubige, die die Gesetze des Landes, in dem sie leben, befolgen, die aber oft die Scharia genau so gut finden würden, wenn sie erlaubt wäre. (Ich kenne etliche Ausnahmen, fast ausschließlich Intellektuelle, die zwar nominell Muslime sind, den Glauben aber genau so wenig leben wie die Majorität unserer Papierchristen).

    Hätten wir keine Aufklärung gehabt, dann hätten wir in sogenannten christlichen Ländern genau die selben Zustände wie in manchen muslimischen Ländern – nur mit christlichen Vorzeichen. Sieht man sich die christlichen Fundamentalisten an … die wollen genau da hin wo muslimische Fundamentalisten schon sind – zurück ins finstere Mittelalter.

    Darüber will ich lachen dürfen. Über die Religion und die Religioten – als Religiöser kann ich sogar über meinen eigenen Glauben und meine eigenen Ansichten lachen, die mit der Realität, Wissenschaft und Logik überhaupt nichts zu tun haben.

  2. sirdoom schreibt:

    Darüber darfst du aber nur lachen, wenn sich keiner aufregt, denn BLASPHEMIE! 😉

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Das ist ja das lustige an der Sache. Wenn sich keiner aufregt, ist es ja nicht witzig. Es gibt doch nichts lächerlicheres als einen Kultisten, der alles bierernst und seine persönlichen Märchenbücher wörtlich nimmt. (BTW ist das Christentum eine jüdische Häresie und der Islam ist aus einer christlichen Häresie entstanden. Wie komisch ist das denn?) 😀

    Ich persönlich finde „Blasphemie“ witzig. Wären die postulierten Gottheiten wirklich allmächtig, dann könnten sie sich angesichts einer Beleidigung selbst um die Sache kümmern. Für mich ein Beleg, daß es die Götter nicht kümmert, oder daß sie drüber stehen. Oder noch besser, wie es ein Jesuit mir gegenüber mal ausdrückte: „Gott ist ein großartiger Komödiant. Schade, daß sich sein Publikum nicht zu lachen traut.“

  4. lawgunsandfreedom schreibt:

    Ach ja – wenn man sich die hebräischen/aramäischen Urtexte vornimmt, dann findet man da auch (nur minimal modifizierte) religiöse Texte der Ägypter. Ich könnte mich kringeln vor Lachen 😀

  5. sirdoom schreibt:

    Es wird noch witziger wenn man im Zirkelschluss zum deutschen Blasphemieparagraphen kommt: Denn in Deutschland greift der Blasphemie-Paragraph nur, wenn du wen findest, der sich aufregt.

    „…die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Wenn du also wen ^^unwitzig beleidigst, so dass es keinen stört, dann darfst du Religionen auch in DE beschimpfen! #absurd 😉

  6. lawgunsandfreedom schreibt:

    +1
    Deshalb gehört das Ding auch ersatzlos gestrichen. Laizismus wäre nett.

  7. nina schreibt:

    laizismus wie ihn attatürk vorgesehen hat – da könnte sich der deutsche staat am türkischen eine scheibe abschneiden. um so schlimmer das der augenblicklich regierende oberosmane die fortschrittlichkeit seines staates ad absurdum führt und einen gottesstaat einführen will.
    wo man hinschaut nur religioten.

  8. lawgunsandfreedom schreibt:

    In einer komplizierten, komplexen Welt wendet man sich gerne einfachen, überschaubaren Strukturen mit klaren Regeln zu. Das bietet die Religion. Da hat man ein Buch, mit einfachen Gesetzen, denen man nur folgen braucht, damit man ein guter Mensch ist (oder sich selbst als solchen bezeichnen kann). Man muß keine schwierigen Entscheidungen treffen (da hilft der Imam), man hat keine Selbstzweifel … gut und böse, Moral und Tugend, richtig und falsch, sind klar definiert.

    Ich habe den Koran komplett gelesen. Auch in der Übersetzung lässt das Werk keinen Zweifel daran, daß es fast ausschließlich ein Buch mit Gesetzen und Regeln für ein gottgefälliges Leben ist, obwohl sich viele Stellen – z.B. den Alkohol betreffend – massiv widersprechen. http://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholverbot_im_Islam

    Abrahamitische Religionen bieten allgemein eine gute Ausrede für Leute, die nicht selbst denken und auch keine Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen wollen. „Deus Io Vult“ haben schon die Kreuzfahrer geschrien, bevor sie wehrlose Leute abgeschlachtet haben. Diese schöne Tradition führen jetzt die Salafisten von der IS fort und deren Vertreter hier in Deutschland wollen das hier auch haben. Da sich das aber gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet, darf dem keinerlei Raum gegeben werden; Toleranz dafür schon gar nicht.

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