„Review – A Most Wanted Man“

AMWM - LogoHamburg, Tor zur Welt, aber auch Einfallstor für Terroristen oder solche, die für welche gehalten werden. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York, die von einer unbemerkten Hamburger Terrorzelle geplant und ausgeführt wurden, wurden die Sicherheitsvorkehrungen immer weiter verschärft. Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman, u.a. The Ides of March – Tage des Verrats, Die Tribute von Panem – Catching Fire) ist Leiter der Spezialeinheit „Hintergrund“ des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz und operiert in einer Grauzone, immer leicht außerhalb der Gesetze. Eigentlich versucht er sich seit Monaten an Dr. Abdullah (Homayoun Ershadi) – Codename: Meilenstein – heranzupirschen. Der islamische Gelehrte sitzt nicht nur im Vorstand zahlreicher muslimischer Hilfsorganisationen, er steht auch im Verdacht, Spendengelder für die Finanzierung islamistischer Terrorgruppen abzuzweigen, ein Mann, der wie es heißt zu fünfundneunzig Prozent Gutes tut und zu fünf Prozent den blutigen Kampf unterstützt. Da taucht plötzlich der halb totgefolterte russisch-stämmige Tschetschene Issa Karpov (Grigori Dobrygin) in Hamburg auf.

AMWM01Mit Hilfe der Menschenrechtsanwältin Annabel Richter (Rachel McAdams, u.a. Sherlock Holmes – Spiel im Schatten) versucht er an die Schwarzgeldkonten seines verhassten Vater bei der Bank des zwielichtigen Tommy Brue (Willem Dafoe) heranzukommen. Bachmann wittert die Chance auf einen fetten Coup. Wenn man Issas Geld durch Dr. Abdullahs Organisation schleust und alles währenddessen durchleuchtet, könnte man an die Hintermänner gelangen und endlich das ganze Bild sehen. Aber als CIA-Agentin Martha Sullivan (Robin Wright, u.a. House of Cards) auftaucht und der Druck auf Bachmann von seinen Vorgesetzen zunimmt, schwant ihm Böses. Wie damals in Beirut, als sein Netzwerk verraten wurde…

AMWM02Ganz in der Tradition von Dame, König, As, Spion, wenn auch nicht ganz so stylisch aber dafür geerdet-dreckiger, liefert Anton Corbijn hier, nach dem Roman Marionetten von John le Carré, eine Liebeserklärung an Hamburg und eine Studie des Scheiterns und des „Schlimmermachens„. Ambivalent, manisch und getrieben lebt A Most Wanted Man dabei von der Strahlkraft seines Hauptdarstellers, Philip Seymour Hoffman, der hier eine seiner letzten, grandiosen Vorstellungen liefert.

AMWM03Dabei fragt man sich eigentlich schon, wieso in Deutschland niemand darauf gekommen ist, einen Film über die Hamburger Terrorzelle oder die Auswirkungen zu machen. Andererseits ist man aber auch sehr froh drüber, dass das nicht passiert ist und sich stattdessen die Briten drum gekümmert haben, was dazu führt, dass Hamburg so gut und so dreckig aussieht, wie selten. Wenn man sich darauf einlässt, dass dieser Thriller nur wenig Action bietet und mehr Drama und Studie ist, dann kann man hier nichts falsch machen. Für den Aficionado sind das eiskalte, hinterhältige 4 von 5 ausgebrannten Spionen. Und trau niemals den Amis…

Interessanterweise hört sich der englische O-Ton teilweise ganz schrecklich „falsch“ an und ich empfehle wirklich stark die deutsche Synchronfassung. Wenn internationale Schauspieler versuchen in Hamburg Deutsche zu spielen, die Englisch mit Fake-Akzent sprechen, wird es teilweise doch sehr seltsam. 😉

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