„Das Wort nennt sich berechtigte Vertrauenskrise“

Das große Thema auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2015 war natürlich der Konflikt um die Ukraine, mit Russland und der NATO/EU. Mathias Müller von Blumencron schreibt in der FAZ über einen Teilaspekt dieser Krise. Er fragt sich dabei, wieso Russland anscheinend so einen großen Vorsprung im INFORMATIONSKRIEG und der Desinformation der westlichen Gesellschaft hat, während westliche Sicherheitspolitiker ratlos seien [Link: Der ungleiche Kampf um die Deutungshoheit].

Berechtigte Vertrauenskrise - CoverWir müssen uns damit auseinandersetzen, mit Misinformation, Infiltrierung und Verunsicherung. Ich bin zutiefst besorgt über die Verunsicherbarkeit unserer Gesellschaften.Bundeskanzlerin Angela Merkel

Und natürlich nutzt Russland jede Möglichkeit, seine Sicht der Dinge darzustellen, sprich Propaganda. Aber warum hören so viele Leute darauf, auch wenn ein Großteil von Russia Today offensichtlicher, grober Unfug ist? Und wir reden jetzt ja nicht nur von den Leuten, die schon immer auch die Yeti-Meldungen gelesen haben, sondern dem Einsickern in den Mainstream. Und damit kommen wir zum eigentlichen Haken: Die westliche Welt hat sich beim Thema Glaubwürdigkeit in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ob Massenvernichtungswaffen und Irakkrieg oder Guantanamo Bay, Entführungen und andere Foltergefängnisse. Oder die globale  Bespitzelung von jederman durch die NSA. Oder der bisherige Track Record der EU-Kommission bei Abkommen mit schön versteckten Bösartigkeiten im Anhang. Und die freie Presse hat all das größtenteils erst hinterfragt, als es nicht mehr zu ignorieren war. Es wurde also hart daran gearbeit, dass die Menschen eine Vertrauenskrise haben. Und dann wenden sie sich halt an wen anders.

Wenn bei NATO und EU jetzt die Idee aufkommt, dass man das mit etwas mehr eigener Propaganda schnell wieder lösen könnte, dann wird man eine ziemliche Bauchlandung erleben. Vertrauensbildende Maßnahmen, tiefes Bücken und Geduld wären das Mittel zum Erfolg. Ich vermute allerdings, dass man einfach nur mehr Geld für das übliche Blafasel ausgeben wird…

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6 Antworten zu „Das Wort nennt sich berechtigte Vertrauenskrise“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Klarer Fall von „kognitiver Dissonanz“ → „Wir“ sind die Guten! Die Russen sind die Bösen, waren sie immer schon. Hurra! Wir haben unser altes Feindbild wieder. Der Tag hat Struktur.

    Hab‘ mal wieder ein bisschen in den Wälzern von Bernays geschmökert. Der hat schon 1923 die Methodik der PR und Manipulation auf den Punkt gebracht. Dummerweise haben die Menschen dazugelernt und fallen nicht mehr so leicht auf Propaganda rein. Grade die Deutschen sind da gebrannte Kinder. Und seit wir die Möglichkeit haben, uns über alternative Kanäle zu informieren (teuflisches Internet) haben die die Spin-Doctors halt sehr viel schwerer uns zu belügen.

    Noch können sie uns mittels Emotionen packen, aber auch das ist nicht mehr so einfach wie früher.

    http://mai.truty.org/PDFs/Media/BERNAYS-ManipulatingPublicOpinion.pdf

  2. sirdoom schreibt:

    ^^Bernays haben ich oben hinter PROPAGANDA ebenfalls verlinkt😀

    Wobei ich es abschwächen möchte: Leider wird die Möglichkeit sich woanders zu informieren oftmals genau dazu genutzt sich bei der Propaganda der ANDEREN Seite was abzuholen, was genauso stinkt😦 Das gegeneinander abwägen wird ja dann meist ausgelassen…

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Sehr wahr. Huxleys „Brave New World“ ist längst Realität und parallel läuft Orwells „1984“. Man muß sich seine Wahrheit selbst erarbeiten und das ist heute wie gestern harte Arbeit. Wenn ich mir so ansehe, wie viel Lebenszeit ich schon damit verbracht habe, die Quellen der Quellen der Quellen nachzuprüfen. Zu checken, wer hat die Studie erstellt, wie ist der Hintergrund der Person und wer hat für die Studie bezahlt …

      Gut, hinterher bin ich viel schlauer, aber auch sauer ob der Tatsache, daß mich verdammt viele Leute (von denen sich manche „Wissenschaftler nennen“ verkohlen wollen. Ich muß mich in Gebiete einarbeiten, für die ich überhaupt keine Expertise habe und bin dann immer im Zweifel, ob ich nicht vielleicht doch etwas falsch verstanden habe. Das kann sehr anstrengend sein.

      • pseudo-anonymous schreibt:

        Wäre es da nicht sinnvoll oder zumindest wünschenswert, wenn Sie eine Internetzseite mit Ihren Ergebnissen anbieten würden? Welche Medien Sie wahrgenommen und langwierig untersucht haben und welche Hintergründe Sie haben ausgraben & vielleicht auch entlarven können?😐

        Zumindest ich würde mir so etwas wünschen.:/

  3. pseudo-anonymous schreibt:

    „Die Wahrheit ein Messer ohne Klinge, an dem der Griff fehlt.“
    (Paul Watzlawick)

    Empfohlene Lektüre ebendieses Autors: „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“

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