„Review – Exodus: Götter und Könige“

EGK - LogoIm 13. Jahrhundert vor Christus lässt Pharao Sethos (John Turturro) die Israeliten, Fremde in seinem Land, versklaven und, um ihre Anzahl einzudämmen, deren männliche Nachkommen im Nil ertränken. Nur ein Junge überlebt: Moses wird in einem Körbchen auf dem Nil ausgesetzt, von der Familie des Pharaos gefunden, adoptiert und wächst zusammen mit Kronprinz Ramses auf. Jahre später sorgt eine Prophezeiung für böses Blut zwischen den Brüdern Moses (Christian Bale, u.a. Terminator – Die Erlösung, The Fighter, American Hustle und natürlich The Dark Knight Rises, wo er Batman spielt, was noch wichtig wird) und Ramses (Joel Edgerton) und Moses wird ins Exil geschickt. Während die Lage für die Israeliten in Ägypten immer schlimmer wird, begegnet Moses Gott, der ihn beauftragt die Israeliten zu befreien. Der Bruderkampf beginnt.

EGK01Ridley Scotts große Bibelverfilmung EXODUS: GÖTTER UND KÖNIGE erfordert eine etwas andere Heransgehensweise als sonst üblich. Weshalb wir uns hier einige wichtige Punkte der Handlung nochmal etwas genauer und abseits der üblichen Handlungszusammenfassung anschauen: Pharao Ramses II. ist anscheinend der erste Bond-Bösewicht. Moses war ein ganz bescheidener Schäfer. Keine Dinosaurier und Steingolems. Moses ist Batman – Batman ist Moses – Eine wirklich schwerwiegende Erkenntnis! Aber Moses ist nicht nur Batman, er ist auch noch US-Amerikaner und William Wallace: „FREIHEIT!“ „RECHTE!“ Nur um daraufhin erstmal mit asymmetrischer Kriegsführung arme, anständige Ägypter zu terrorisieren, was leicht ironisch ist. Zwischenbemerkung: Ridley Scott schafft es auch bei EXODUS wieder IRGENDWIE Explosionen einzubauen. Gott wird übrigens von einem arroganten verzogenen Kind dargestellt, was nur Batman-Moses sehen kann. Die Zehn Plagen scheinen auch eher hausgemacht zu sein, sprich zu lasche Umweltschutzgesetze. Die Minen von Moria liegen übrigens auch in Ägypten. Der Heuschreckenschwarm sieht fast aus wie ein Fledermausschwarm. #batman HohepriesterIn sein und den Fluss monatelang nicht von den Plagen reinigen zu können ist nicht unbedingt förderlich für die Gesundheit. Ab diesem Zeitpunkt fängt übrigens auch Ramses an mit Personen zu reden, die offensichtlich nicht da sind. Alle Erstgeborenen, die der abrahamitische Gott tötet, sind übrigens dunkelhäutig; sicherlich nur ein Zufall. Nun beginnt ein bedrohlicher Asylanten-Treck nach Kanaan.

EGK03Ramses überlegt es sich natürlich anders und verfolgt sie doch. Pfff, Elefanten über die Alpen? Lahm! Streitwagen über die „Golanhöhen“ schieben rockt! Sir Ben Kingsley taucht VOLLKOMMEN WILLKÜRLICH in der Handlung auf und verschwindet dann wieder. Womit die nächste William-Wallace-Rede von Batman-Moses ansteht. Zum Glück kommt jetzt das große „Golanhöhen“ Downhill-Rennen mit Streitwagen! Was recht bald zum Demolition-Derby wird und uns einen epischen Blick von Ramses einbringt! So in die Richtung „Echt jetzt?„. Und dann gibt es wirklich viel, fein animiertes Digitalwasser zu sehen. Wären die Ägypter übrigens einfach Vollgas weitergeritten, statt wegen etwas wiederkehrender Flut umzudrehen, dann wäre es das gewesen mit den Israeliten. Was zu einem interessanten Dialog zwischen Batman-Moses und seinem 2nd in Command führt: „Wir sind EIN Volk!“ „Ja noch, aber wenn wir unser Ziel so bald erreichen, dann auch noch?“ Anscheinend ist Batman-Moses mit den Israeliten anschließend absichtlich jahrezehntelang durch die Wüste gelaufen, um einen Gründungsmythos und gemeinsame Strukturen zu schaffen! Am Ende feiern die Israeliten das Ende ihrer Knechtschaft und Gott schaut missbilligend herab, nachdem er sie hat leiden lassen. Und lässt dann Batman-Moses IN EINER HÖHLE Steintafeln meißeln. Wer aufgrund dieser Details auf die Idee kommt, dass dieser Film eigentlich ganz gut und unterhaltsam klingt: Dem ist nicht so.

EGK02Es bieten sich natürlich noch verschiedene, moderne Interpretationen an: Obama-Ramses versklavt lauter hart arbeitende, moralische Weiße und verbietet ihnen Waffen zu tragen! Deswegen rebelliert man gegen Pi-Ramesse/Washington und wandert in den Wilden Westen. Ohne Krankenversicherung! Oder Kapitalisten-Ramses versklavt Arbeiter und lässt Wolkenkratzer für Reiche statt Häuser für die Armen bauen. Das Kollektiv erhebt sich im Glauben an den Kommunismus und zusammen schaffen sie es den imperialistischen Horden zu entkommen, sie gar zu besiegen. In einem fernen Land schaffen sie ein syndikal-anarchistisches Utopia! Oder Ramses milde Herrschaft ist zu milde und der Extremismus wuchert. Statt Wissenschaft und Bildung wird GOTT IST GROSS gebrüllt. Ramses begeht den Fehler und lässt die Extremisten zu lange gewähren. Die dann einen Terrorkrieg gegen das arme ägyptische Volk führen. Großmütig lässt er sie gehen, aber dann fällt ihm ein, dass diese Bande ja woanders genauso ein Blutbad und Chaos anrichten wird. Deshalb verfolgt er sie und versucht sie gefangen zu nehmen. Auf die harte Tour muss er lernen, dass religiöser Fanatismus nicht so einfach zu besiegen ist und nur mit der Zeit eventuell vergeht. So lässt er die Fanatiker doch ziehen und kehrt zurück in das ägyptische Hochreich. — FIN! —

So sehr man da auch rumwitzelt und sucht, mehr als 2 von 5 lahmenden Streitwagen lassen sich bei EXODUS: GÖTTER UND KÖNIGE leider nicht finden.

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15 Antworten zu „Review – Exodus: Götter und Könige“

  1. Cunningham schreibt:

    Unfassbar, Christian Bale in einem schlechten Film… gut ich bin jetzt eh nicht so der Freund von Bibelverfilmungen aber gerade bei heutigen Filmbugets und technischen Möglichkeiten müsste es doch theoretisch möglich sein, eine vernünftige Bibelverfilmung herzustellen. Wenn man denn Lust dazu hat…

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Vernünftige Bibelverfilmung? Das Ding ist teilweise Regelwerk, teilweise Genealogie, teilweise Chronik und größtenteils Propaganda. Archäologen (denen ich mehr vertraue als den Bibelschreiberlingen) haben keine Bestätigungen für die großartigen Geschichten gefunden – und wenn sie mal ein paar Übereinstimmungen fanden (durch cross-referencing mit ägyptischen, babylonischen, usw. Aufzeichnungen – vor allem Handelsbüchern), dann war es ganz anders als in diesem ziemlich überschätzten Werk behauptet wird.

      Versteh‘ mich nicht falsch – die alten Israeliten waren großartige Geschichtenerzähler. Aber historisch korrekt ist an dem alten Schinken kaum was.

      Da gibt es zwei schöne – und natürlich höchst umstrittene – Bücher dazu. „Keine Posaunen vor Jericho“ und „David und Salomo“.

  2. sirdoom schreibt:

    Also man sieht schon, dass die fett Kohle in die Hand genommen haben, siehe auch Golanhöhen-Downhill-Rennen und Meeresteilung, etc. Aber viel Geld war noch nie ein Garant für einen guten Film, auch wenn es durchaus hilfreich sein mag😉

  3. XD schreibt:

    Und das ist auch kein Aprilscherz, der einen Tag zu früh publiziert wurde?

  4. sirdoom schreibt:

    Nope, mit BATMAN macht man keine Scherze!😛

  5. lawgunsandfreedom schreibt:

    Den Schinken hätte ich auch ohne die höchst angemessene Rezension verweigert. Dieses alte Märchenbuch wird maßlos überschätzt und die Verfilmungen – auch die alten – sind allesamt Schrott.

    Darf ich mich evtl. demnächst über Rezensionen von „The Barber“ und „Kill Me Three Times“ freuen?

  6. sirdoom schreibt:

    The Barber bislang eher nicht, aber Kill Me Three Times recht sicher^^🙂 Aber vorher kommt noch Hunger Games Mockingjay und Blackhat als Rezi und…😛

    Und NOAH war eine richtig gute „Bibel“-Verfilmung😀

    • sirdoom schreibt:

      Kill Me Three Times ist übrigens durchaus ganz witzig. Gutmütige, schwarze Actionkomödie, deren Dreiteilung etwas gezwungen wirkt und der zwischendurch auch mal die Puste ausgeht. Simon Pegg ist ganz klasse, ebenso wie Bryan Brown als korrupter Bulle. Ist aber etwas wenig Fleisch dran, bei genauerer Betrachtung.

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Ist aber nette Sonntag Nachmittag Unterhaltung. Mir hat er gefallen, aber ich hatte auch nicht viel erwartet. Bisschen bemüht, aber ich erkenne die Bemühung an. ^_^

        • sirdoom schreibt:

          Joa, also mir hat er ja auch gefallen. Aber ich hatte nachdem Trailer die leise Hoffnung, dass das ne echt kleine Geheimgranate werden könnte. Dem ist halt nicht so. Unterhaltsam und auch gut gespielt ist der trotzdem^^🙂

  7. Cunningham schreibt:

    Hm, Noah habe ich mir auch noch nicht angesehen, obwohl Russel Crow mitspielt…

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