„Out of Context – Science-Gate: Von Wissenschaft, AktivistInnen und Medien“

Sir Richard Timothy (Tim) Hunt, Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin, sollte angeblich auf der World Conference of Science Journalists in Seoul einige unangemessene, frauenfeindliche Bemerkungen über Frauen und Wissenschaft gemacht haben. Denn diese wären u.a. „ablenkend“ [„Three things happen when they are in the lab; you fall in love with them, they fall in love with you and when you criticize them, they cry.„]. Daraufhin kam ein, nach damaligem Kenntnisstand, berechtigter Shitstorm. Dass seine Universität, das University College London (UCL) Hunt in keinster Weise geschützt hat und umgehend zum Rücktritt gedrängt hat, war allerdings schon komplett übertrieben. Nun kamen allerdings immer mehr Zweifel am tatsächlichen Ablauf der ganzen Affäre auf. Hunt soll eindeutig selbstironisch und warmherzig von „Monsters like me“ gesprochen haben, die die Anwesenden überwinden würden und die AktivistInnen, welche die Geschichte ins Rampenlicht gebracht haben, sollen gewaltig Tatsachen verdreht haben.

Out of Context - Science-Gate - LogoDas ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine Katastrophe. Zuerst einmal für Tim Hunt persönlich, der vielleicht wirklich etwas ungelenk ist, aber diese Behandlung so sicher nicht verdient hatte und dessen verkappter Rauswurf zügigst rückgängig gemacht gehört. Aber auch die Medien müssen sich fragen, inwiefern sie ihre Prüfpflichten sträflichst vernachlässigt haben. Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Gleichberechtigung der Frauen und dem Kampf gegen den real existierenden Sexismus in der Wissenschaft, der dadurch natürlich eine derbe Delle erleidet. Denn während sich Don Alphonso in der FAZ [FAZ Blogs: Der „Fall“ Tim Hunt] noch fast zurückhält, schreien in anderen Ecken die „Männerrechtler“ nach Rache und blutigem Kampf gegen die eingebildete, millionenstarke Armee der „Feminazis„, die uns alle auslöschen wird, wenn Frauen nicht wieder Haus und Herd hüten. o.O Fazit: Überall Verlierer!

Davon ab bin ich absolut dafür die Kampagne #distractinglysexy unabhängig davon fortzuführen. Deren Ziel und Machart ist nämlich ganz unabhängig von Hunt zugeschriebenen Aussagen lobenswert.

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Eine Antwort zu „Out of Context – Science-Gate: Von Wissenschaft, AktivistInnen und Medien“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Oh, den #Aufkreisch hatte ich völlig überlesen. Ob die Twittersturmtruppen der Feminazis tatsächlich Millionen zählen, kann ich nicht sagen. Es besteht allerdings kein Zweifel, daß es eine kleine, aber laute und viel zu einflußreiche Truppe gibt, die mit Verleumdungen und Guerillamethoden ihre totalitaristischen und kollektivistischen Ansichten durchsetzen will. Diese hirnlosen Krakeeler machen grade all das kaputt, was die sehr berechtigte 1. Welle des Feminismus erreicht hat. Wenn ich mir die Elaborate der Netzfeministinnen so durchlese, dann frage ich mich echt wie so was Dummes frei rumlaufen kann. Alles Worthülsen, Phrasen und Emotionen – keine Substanz, wenn man deren Behauptungen erst mal auf wissenschaftliche Validität abgeklopft hat. Da kenne ich einige Feministinnen, die mit beiden Füßen auf dem Boden stehen und einen riesigen Groll auf diese Witz-Figuren haben.

    Inzwischen ist eine Aufzeichnung von der Konferenz auf der Tim Hunt gesprochen hat aufgetaucht, aus der hervor geht, daß da so ein paar vernagelte Extremfeministen wieder was in den falschen Hals bekommen und das Narrativ an sich gerissen haben. Die Rede auf der Konferenz war wohl völlig harmlos. Man hat also den falschen abgeschossen – übrigens nicht zum ersten mal.

    Was das Extrem-Feminismus- und Gender-Theater angeht, so informiere ich mich bevorzugt hier:
    http://sciencefiles.org
    Das ist eine der wenigen seriösen Seiten im Netz. Auch, wenn der Ton manchmal etwas bissig ist, geht es hauptsächlich um belegte Tatsachen und wissenschaftlichen Anspruch. Die Betreiber sind liberal/libertär und Dr. habil. Heike Diefenbach ist einer der ganz wenigen guten, tatsächlich wissenschaftlich arbeitenden Soziologen, die es gibt.

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