„Der Vollhonk, Meinungsfreiheit und ein Kartell“

Akif Pirinçci hat ja wirklich hart daran gearbeitet sich selber zur Persona non grata zu schreiben. Persönlich konnte ich ja schon mit den Katzenkrimis von ihm nichts anfangen, aber seit einigen Jahren hat er sich ja in eine ganz andere Richtung bewegt. Im Chor der üblichen Verdächtigen aus dem neurechten Milieu (Kopp Verlag, PI-News, etc.) wurde Pirinçci immer öfter zitiert, denn wenn ein türkischstämmiger Deutscher sowas sagt und man es zitiert, kann man ja kein Nazi sein, nicht wahr? Dabei arbeitete er sich an den klassischen „Angstthemen“ ab, ob nun Gender, Frauenrechte, Entmännlichung, Islam, Homosexualität, Fremde. Allerdings verzierte unser Charles Bukowski für Arme seine Ausbrüche gerne mit sexualisierten Schimpfwörtern, was für puritanische Nationalkonservative doch etwas „too much“ ist. Also rein von der Wortwahl, nicht vom Inhalt😉 Und dann kam der große Werbeauftritt für sein neues Buch „Die große Verschwulung – Wenn aus Männer Frauen werden und aus Frauen keine Männer“ bei der PEGIDA-„Demo“ Mitte Oktober in Dresden. Der dann etwas über Bord ging… [Video-Link: Auf eigene Gefahr!]

Der Vollhonk - LogoWobei der Vorwurf, für den Pirinçci dann öffentlich zerlegt wurde – „Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“ – so wie zuerst berichtet, gar nicht zutraf und aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Allerdings findet man im Rest der Rede eigentlich auch so genug Material, um Pirinçci – berechtigt – medial auseinanderzunehmen. Aber der „Out of Context“ – Satz mit den KZs war wahrscheinlich einfach zu „verlockend„. Was danach folgte war einerseits vorhersehbar, durchaus auch verdient, aber in gewisser Hinsicht auch hoch problematisch. Wenn Leser Pirinçcis Bücher nicht lesen wollen, dann hat er halt Pech gehabt. Wenn Buchhandlungen Pirinçcis Bücher nicht mehr vorrätig haben, dann hat er halt Pech gehabt. Wenn sein Hausverlag ihm kündigt, hat er halt Pech gehabt. Meinungsfreiheit soll vor staatlicher Unterdrückung schützen, es schützt einen nicht vor den Konsequenzen, wenn ein Großteil der Leute jemanden für einen nicht akzeptablen Vollhonk hält.

Was allerdings dann doch extrem bedenklich ist: Wenn Amazon und die kleine Zahl an Großhändlern dann ebenfalls den Vertrieb verweigern – was ziemlich lächerlich ist, weil die alle sonst noch ganz andere Sachen im Programm haben – und damit alleine einen Komplettboykott veranstalten, sprich den GRUNDSÄTZLICHEN ZUGANG zum Vertrieb im Buchmarkt unmöglich machen. Das darf so nicht möglich sein und stellt für alle eine Gefahr dar, denn wer weiß wen es wann wofür als nächstes trifft?

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11 Antworten zu „Der Vollhonk, Meinungsfreiheit und ein Kartell“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Man kann über Pirincci denken was man will und sagen was man will – mit seiner Rede hat er sich ziemlich angreifbar gemacht. Vor allem gegenüber Leuten, die seinen Stil und seine Art nicht kennen. Seine Katzenkrimis waren ganz nett. Sein grober Ton und seine Fäkalsprache in seinen anderen Büchern sind ein Stilmittel – denn Pirincci beherrscht durchaus auch die feinen Töne, auch wenn er das nur selten zeigt.

    Ich persönlich habe sein „Deutschland von Sinnen“ mit großem Vergnügen gelesen. Pirincci kann ausgesprochen klar und sauber differenzieren und tut das in dem Buch auch. Bloß haben das die Rezensenten damals entweder nicht wirklich gelesen oder kannten nur aus dem Zusammenhang gerissene Textfetzen. Ganz zu schweigen, daß sie berücksichtigten, daß Pirincci ein Romancier ist, der gerne mit ordinären, drastischen und beleidigenden Mitteln arbeitet. Der Mann liebt seinen Holzhammer und es macht ihm Spaß zu provozieren. Er zielt genau auf ein paar Stellen wo es der „Political Correctness“ so richtig weh tut. Er erwartet dann – bitteschön – intelligenten Diskurs, der ihm leider verweigert wird. Jetzt, nach Leipzig, wundert er sich etwas über den dumpfen, unreflektierten Hass, der ihm entgegenschlägt. Da hat er wohl was falsch eingeschätzt, wie in diesem Interview zu lesen.

    Seine Meinungsäußerungen sind durchaus angreifbar – aber nicht mit den Methoden, die unsere „Möchtegern-Qualitäts-Medien“ verwenden. Da wird ja fast nur gegeifert und mit Maulkorbforderungen um sich geworfen – also Aberkennung der Meinungsfreiheit und Sanktionen für die Weigerung sich dem medialen Mainstream anzuschließen. Auch wenn seine Meinung teilweise Kacke ist, hat er das Recht sie zu äußern, solange sie nicht strafrechtlich relevant ist. Dumm ist auch, daß er Beifall von der falschen Seite bekommt. Denn die Rechtsradikalen mag Pirincci auch nicht.

    Jedenfalls sind die Vorbestellungen auf sein neues Buches enorm. Ungeachtet des Boykotts der Großhändler und der großen Ketten. Das Ding wird ein Bestseller und er wird gnadenlos verrissen werden, was es für Protestbürger und Neugierige noch interessanter macht. Vielleicht doch ein Trick die Verkäufe anzukurbeln? Aber das ist reine Spekulation.

    Noch ein Artikel zu den Reaktionen des Buchhandels:
    http://www.heise.de/tp/artikel/46/46385/1.html

  2. XD schreibt:

    Wo wir gerade beim umstrittenen Thema der umstrittenen Publikation von umstrittenen Büchern sind, fiel mir ein, dass Ende des Jahres ja das Urheberrecht eines bestimmten Buchs eines ehemaligen deutschen Staatsoberhaupts mit österreichischem Migrationshintergrund ausläuft. Weiß zufällig jemand, ob es da konkrete Publikationsabsichten gibt und wie damit voraussichtlich umgegangen werden soll?

    • sirdoom schreibt:

      Joa, aber nur kommentiert. Unkommentiert bleibt es weiter verboten, also zumindest in DE.

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Was reichlich albern ist. Sogar in Israel bekommt man eine zweisprachige, unkommentierte Ausgabe (hebräisch – deutsch). Von „Raubkopien“ in anderen Ländern ganz zu schweigen. Der Nachdruck/Neudruck war verboten, weil das Copyright beim bayrischen Finanzministerium liegt. Ein Verbot kann man in Deutschland kaum durchsetzen – auch nicht mit der Begründung der Volksverhetzung. Der Schinken ist derart dröge, langweilig und dumm, daß man dadurch nicht zum Nazi oder gar noch radikaler wird als man vorher schon war.

        Statt dessen kriegt man die Reden von Hitler und Göbbels frei serviert. Die sind weit heftiger als alles, was in diesem mystifizierten, wirren und dummen Staubfänger drin steht. Man müsste die Herren Innenminister dazu zwingen dieses Machwerk von vorne bis hinten durchzulesen, damit ihnen klar wird, daß man mit dieser Schlaftablette von Buch heutzutage keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken kann. (Übrigens schon damals nicht).

        Empfehle dazu immer gerne Serdar Somuncu und seine Lesung aus dem inkriminierten Buch. https://www.youtube.com/watch?v=qfsmOxkf9AA
        Die ist wenigstens unterhaltsam und man schläft nicht dabei ein. Man kann über die Dummheit lachen und muß nicht ständig den Kopf darüber schütteln.

  3. XD schreibt:

    Mir wurde vorhin dieser Link zugemailt, den ich zum ursprünglichen Thema des Blogposts passend finde:
    http://www.taz.de/!5246567/

  4. sirdoom schreibt:

    ^^Womit ein weiterer Punkt da ist, warum a) der Akif ein Honk ist, aber b) beim sonstigen Rauschen im Wald unangemessen hart bestraft wurde. Ich wäre ja immer noch für Sozialstunden in der Schwulenbar😉

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