„Mehr als 2“

Viele Menschen halten es für gegeben, dass es nur zwei verschiedene, recht eindeutig definierte Geschlechter gibt, was sicherlich auch an den Bio-Schulbüchern der letzten Jahrzehnte liegen mag und weil nicht sein darf, was nicht sein darf. Rein wissenschaftlichund wir klammern hier „Gender Studies“ gleich schon mal aus, bevor dieser Kultur- und Glaubenskrieg vom Thema ablenkt😉 – ist das aber nicht haltbar. Statt zweier eindeutig definierter Geschlechter gibt es da äußerst komplexe Abstufungen.

Mehr als 2 - Logo„[…] Doctors have long known that some people straddle the boundary — their sex chromosomes say one thing, but their gonads (ovaries or testes) or sexual anatomy say another. Parents of children with these kinds of conditions — known as intersex conditions, or differences or disorders of sex development (DSDs) — often face difficult decisions about whether to bring up their child as a boy or a girl. When genetics is taken into consideration, the boundary between the sexes becomes even blurrier. Scientists have identified many of the genes involved in the main forms of DSD, and have uncovered variations in these genes that have subtle effects on a person’s anatomical or physiological sex. What’s more, new technologies in DNA sequencing and cell biology are revealing that almost everyone is, to varying degrees, a patchwork of genetically distinct cells, some with a sex that might not match that of the rest of their body.“ [NATURE: Sex redefined]

Weswegen ein drittes Geschlecht jetzt eigentlich keine allzu große Hürde darstellen sollte, es gibt ja sogar eine Reihe historischer Präzedenzfälle. Seit 1. November 2013 gibt es in Deutschland z.B. für Neugeborene die Möglichkeit, geschlechterlos zu bleiben, zumindest auf dem Papier. In der Geburtsurkunde steht dann nicht weiblich oder männlich, sondern gar nichts. Haken: Leute die vorher geboren wurden, können ihre Eintragung bislang nicht ändern lassen. Weswegen die Kampagnengruppe „Für eine dritte Option“ nun Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht hat. [Link Allgemeine Zeitung: Anerkennung von Intersexualität] Dass das überhaupt nötig ist, ist ziemlich schade und auch wissenschaftlich unverständlich. Mal schauen, ob es was bringt.

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17 Antworten zu „Mehr als 2“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Teure und nicht wirklich nötige Sonderregelungen wegen einer verschwindend geringen Minderheit im Promillebereich … nun ja …

    Manche Minderheiten fordern derart viel Toleranz und Sonderrechte für sich, daß für die Mehrheit und andere Minderheiten nichts mehr übrig bleibt. Da fällt es mir schwer, mein Gefühl für Toleranz und Gerechtigkeit zu bewahren. Ich gehöre auch einigen (im Vergleich erheblich größeren) Minderheiten an, die diversen Diskriminierungen und Stigmatisierungen unterworfen sind – teils sogar aktiv von Medien, Politik und alten – längst widerlegten – Vorurteilen befeuert. Allerdings bekomme ich keine Unterstützung von irgendwelchen lauten und einflußreichen „Lobby-Gruppen“.

    Diese Welt ist ein Tollhaus …

    • sirdoom schreibt:

      Wobei es ja eigentlich ein Witz ist, dass das in diesem Fall erst so teuer werden muss (Verfassungsgerichtsklage), denn neben mann/frau ein inter/divers anzubieten dürfte glaube ich nicht besonders umständlich sein. Eigentlich…😉

      Wenn man fragen darf: Welcher Minderheitenproblematik unterliegst du denn so? Ich hab da eine Vermutung, will aber nicht voreilig sein^^ Ich bin Killerspielspieler und Atheist😉

      Und die Welt ist schon immer ein Tollhaus gewesen, wir bekommen nur mehr davon reingedrückt. o.O Ich glaube „Filter Bubble“ ist keine neue Erfindung, sondern die gab es früher noch weitaus ausgeprägter, wenn auch analog😀

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Wenn man sich mal die Diskussion um Mikrominderheiten ansieht, die alle eine Extrawurst haben wollen, dann frage ich mich, wo das enden soll? Ich kriege als Aspie (jeder 70ste ist im autistischen Spektrum) auch keine gesetzliche Extrawurst gegenüber NTs und als Waffenbesitzer werde ich sogar öffentlich, aktiv stigmatisiert und diskriminiert.

        Nee – mein Verständnis gegenüber einem „dritten“ Geschlecht“ – was soll das sein, das Geschlecht derer, die sich nicht entscheiden können/wollen? – hält sich in Grenzen. Von mir aus sollen die ihre „safe spaces“ und „neutralen Toiletten“ haben. Ist mir wurscht. Mich stört nur, daß das so ein Bohei drum gemacht wird.

        • sirdoom schreibt:

          Ich hab den Verdacht, dass sehr vielen Betroffenen auch lieber wäre, wenn es da nicht so ein Bohei drum geben würde/müsste. Außer natürlich denen die daraus ein Geschäft gemacht haben, das ist ja immer eine bedauerliche Begleiterscheinung.^^😉

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Da wird heftig instrumentalisiert – und viel zu selten zum tatsächlichen Nutzen der Betroffenen. Je lauter gebrüllt wird, desto häufiger sind kommerzielle Interessen daran beteiligt.

            Was manche Hilfsdienste-/Hilfsorganisationen/NGOs am Leid anderer Leute verdienen ist schon obszön zu nennen. Nach außen gut gemeint, naiv-doofe Fußtruppen (Gutmenschen) werden mißbraucht und vorgeschickt, damit Glaubwürdigkeit verbreitet wird … sieht man dann, was hintenrum vorgeht, bekommt man das kotzen. Heuchelei, Bigotterie, Verschwendung, Unterschlagung, Förderung schädlicher Methoden … (Ok, das ist jetzt ein sehr pauschaler Rundumschlag, aber je größer der Wasserkopf der Nutznießer, desto korrupter die Organisation).

    • Antara schreibt:

      Promilebereich? Intersexuellität ist so häufig wie Diabetes….
      Nur wurden und werden diese kinder in Deutschland schon in Babyalter verstümmelt und die Eltern darauf gedrillt dies bloß zu verschweigen.

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Die Intersexuellen-Vertreter postulieren ein 1:100-Verhältnis, die Medizin eins von 1:5000. Andere Quellen behaupten ein Verhältnis von 1,7 und 4 %.

        Seit 2013 gibt’s neue Gesetze zur operativen „Eindeutigkeit“. Inwiefern sich da in der Realität etwas ändert, darüber gibt es noch zu wenige verlässliche Informationen.

        Da hätte ich schon gerne genauere und eindeutigere Zahlen bevor ich eine Behauptung glaube.

  2. XD schreibt:

    Grundrechte gewähren ist eigentlich kostenneutral. Dagegen ist unnötige aktive Diskriminierung ja ein Aufwand, der Zeit und ggf. Geld frisst. Hier werden ja gerade eben keine Sonderregelungen sondern Gleichbehandlung gefordert. Mit nur einer Gesetzesänderung könnte der Bundestag all dies erledigen und es wäre gut. Aber dies wurde bislang versäumt und stattdessen kommen solche Sachen wie das Transsexuellengesetz, bei dem auch schon einiges für verfassungswidrig erklärt werden musste. Nun gibt es zwar eine Art Kommission der zuständigen Ministerien, die das Themenfeld bearbeitet (bzw. in Form von in Auftrag gegebenen Studien bearbeiten lässt – siehe unten aufgeführte Links), aber ich befürchte hier auch wieder so einen Schuss in den Ofen. Daher begrüße ich diese Kampagne.

    http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=215952.html
    http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=220164.html
    https://plone.rewi.hu-berlin.de/de/lf/ls/bae/forschungprojekte/laufende-projekte/index.html

    • lawgunsandfreedom schreibt:

      Gerade das BMFSFJ ist ein Hort von Paternalisierung, Ungleichbehandlung, Stigmatisierung und Diskriminierung (sieht man schon daran, daß in der Ministeriumsbezeichnung die Männer ausgeklammert sind). Sicher ist vieles gut gemeint, was die da treiben, aber häufig völlig abstrus, was die sogenannten „Experten“ dann umsetzen wollen. Da stecken teilweise auch ganz andere Interessen dahinter.

      Zwischen „Gleichberechtigung/Gleichbehandlung“ ungeachtet des Geschlechtes, der sexuellen Ausrichtung, der Religion, der Ethnie, der politischen Überzeugung, etc. und „Gleichstellung“ gibt’s einen wichtigen Unterschied. Letzteres führt häufig zu Ungleichbehandlung, weil eben die vorgenannten Kriterien dazu genutzt werden, um eine faktische Besserstellung zu erreichen. Bei uns ist es noch nicht so gravierend, wie in anderen Ländern, aber es wird dran gearbeitet.

  3. pseudoanonymus schreibt:

    Ein Glück, daß wir keine anderen Probleme haben, als das Geschlecht eines Neugeborenen zu bestimmen oder zu verweigern. Was die Akzeptanz von mittlerweile (immer noch?) 64 verschiedenen Geschlechtern anrichtet, läßt sich aus dem Werdegang zahlreicher „geschlechtslos aufgewachsener“ Menschen auf dem Nordamerikanischen Kontinent extrapolieren.
    Warum würfeln wir bei Geburt nicht einfach einen hundertseitigen Würfel und tragen das dann als Geschlecht ein? Wir müssen nur sicherstellen, daß die Zahlen und Ziffern überhaupt keine Bedeutung haben, weil wir sonst schon wieder Gefahr laufen, zu diskriminieren.

    • sirdoom schreibt:

      Oh, wir haben ganz viele andere Probleme, aber eine dritte Option beim Geschlecht im Personalausweis/Geburtsurkunde ist nun etwas was man eigentlich sehr leicht lösen könnte, ohne dass es irgendwem Nachteile bringt.😉

      • lawgunsandfreedom schreibt:

        Es gibt ja schon eine gesetzliche Option – zwar erst seit 2013, aber immerhin (§ 22 Abs. 3 PStG). Das Geschlecht wird leer gelassen, wenn keine eindeutige Zuordnung möglich ist.

        Bei den 64 Facebook-„Geschlechtern“ handelt es sich um sexuelle Vorlieben/Einstellungen und nicht um das biologische Geschlecht.

        Biologisch gesehen gibt’s bei Menschen 2 Geschlechter. Alles andere ist eine biologisch/genetische Entgleisung. Blöd für die Betroffenen, aber kein Problem für die Mehrheit. Richtig übel wird es, wenn die Betroffenen sich von Leuten mit psychischen Problemen (Ideologie, Sendungsbewusstsein, Narzissmus, Helfersyndrom und überdrehtem, aber realitätsfremdem Gerechtigkeitssinn) instrumentalisieren lassen.

        Intersexuelle beklagen sich inzwischen offen, daß sie von anderen Interessengruppen instrumentalisiert werden – von Gruppen, die ganz andere Interessen im Sinn haben, als Intersexuellen zu ihrem Recht zu verhelfen. Den Schwulen geht’s ähnlich und inzwischen merken sie es auch. (Bei denen habe ich wesentlich mehr im Bekanntenkreis und kriege auch mehr mit).

        Hadmut Danisch hat da einen Beitrag zum Themenkomplex:
        http://www.danisch.de/blog/2016/04/09/anruf-eines-zwitters/

        • sirdoom schreibt:

          Dass das mit den Geschlechtern wirklich BIOLOGISCH so eindeutig ist, ist ja gerade zweifelhaft, siehe NATURE-Artikel von oben #science🙂 Aufgrund der feineren Textmöglichkeiten wird es übrigens auch vermehrt zu „interessanten“ Textergebnissen im Sport kommen.

          Die Änderung ist aber nicht möglich für Leute, bei denen vor 2013(? *grübel*) schon was anderes drinstand. Wie gesagt, alles leicht zu ändern, wenn man wollen würde und bringt auch keine Nachteile für irgendwen.

          Bei den XYZ-FB-Auswahlmöglichkeiten muss ich auch etwas den Kopf schütteln o.O aber was solls. Ich bin übrigens schockiert, dass ich Danish da durchaus in einigen Punkten zustimme o.O😛

          • lawgunsandfreedom schreibt:

            Evolutionsbiologisch sind halt nur 2 Geschlechter sinnvoll. Und die entsprechenden Studien und Artikel habe ich inzwischen gelesen (und mehr). Da gibt’s nämlich auch heftige, begründete und gut belegte Widersprüche, gegen das „dritte“ Geschlecht. Ein Teil der Befürworter und Gegner agieren ideologisch und würzen das mit „wissenschaftlich klingenden Versatzstücken“. Da geht’s ja fast so schlimm zu, wie bei den Gender-Studies, wenn auch häufig auf akademischer Ebene (die inzwischen auch schon ideologieverseucht ist – sonst gibt’s nämlich keine Forschungsgelder).

            Und ja – man könnte einfach entsprechende Gesetze machen. Aber das dauert. Schwule haben auch verdammt lange dafür kämpfen müssen, daß ihre biologische Prägung nicht mehr strafbar ist. Je kleiner die Minderheit, desto schwieriger wird es, zum eigenen Recht zu kommen. Und ohne entsprechende Lobby ist es fast unmöglich. Da geht’s halt um Moral, Sitten und Gebräuche und Gleichberechtigung (die ich strikt von „Gleichstellung“ unterschieden haben will.

            Schlimm, der alte Polterer Danish, nicht wahr? Seine Verbohrtheit und Rechthaberei in einigen Bereichen nervt (da werfe ich nicht den ersten Stein – im Bereich Waffenrecht verhalte ich mich gerne und absichtlich ähnlich. Wenn man nicht poltert, wird man nicht gehört, leider). Aber Danish gräbt immer wieder interessante Entgleisungen aus und seinen Einsatz gegen den Genderismus schätze ich.

            Was die interessanten Ergebnisse im Sport angeht, da hat Danisch auch was dazu😉
            http://www.danisch.de/blog/2016/08/21/intersexuell-schlaegt-frau/
            Da lag ich erst mal auf dem Boden vor Lachen😀

            • pseudoanonymus schreibt:

              Vielen Dank für die treffenden Antworten!
              Meiner Meinung nach geht es bei diesen politischen Bewegungen fast nie um Gleichberechtigung oder -stellung, sondern um Selbstbeweihräuchern der vermeintlichen moralischen Überlegenheit, es geht um das Befrieden der eigenen Profilneurosen, es dient Minderwertigkeitskomplexkompensierern als Präsentationsplattform, daß sie die schönsten, einzigartigsten Schneeflocken von allen sind und sind schlußendlich politisches Erpressungsinstrument von professionellen Opfern.
              Aber was weiß ich schon.😉

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