„Mordfall Peggy – Kiesewetter?“

Am 7. Mai 2001 verschwindet die damals neunjährige Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg. Ihre sterblichen Überreste werden erst fünfzehn Jahre später in einem Waldstück in Thüringen entdeckt, rund zwölf Kilometer Luftlinie von ihrem Wohnort entfernt. Bei dem Polizistenmord von Heilbronn wurde die Polizeivollzugsbeamtin Michèle Kiesewetter am 2007 auf der Theresienwiese in Heilbronn mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Seit 2011 wird das Verbrechen aufgrund von Waffenfunden der rechtsterroristischen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund zugeordnet. Das sieht erstmal nicht so aus, als ob es da eine Zusammenhang geben würde, oder? Bis man dann meint die DNS/DNA von Uwe Böhnhardt am Fundort der Kinderleiche zu finden. Was wahrscheinlich eine sogenannte „Wattestäbchenpanne“ ist [Link: DNA-Fund wahrscheinlich Ermittlerpanne]. Aber selbst wenn sich diese DNA-Verknüpfung wirklich als nicht zutreffend herausstellt, fängt man an sich zu wundern, denn es gibt da erstaunlich viele Berührungspunkte… o.O

mordfall-peggy-kiesewetter-logoDer gesamte Nazi-Untergrund war nämlich sehr aktiv, was Kindesmissbrauch anging und es kam bereits im Umfeld dieser Gruppe zum Verschwinden von Jugendlichen [Link]. Auch bislang ignorierte Zeugenaussagen werden plötzlich relevant: „Eine ebenfalls als geradezu erfunden geltende Beobachtung hatten die Ermittler schnell zur Seite gelegt: Zwei Nachbarn wollen Peggy an der Hand einer dunkelhaarigen jungen Frau gesehen haben, die mit ihr über eine Wiese in der Nachbarschaft lief. Die Polizei ging jedoch davon aus, dass es die Frau entweder nie gab oder dass es sich um eine Mutter aus dem Ort handelte, die mit ihrer Tochter unterwegs war.“ [Link] Beate Zschäpe anyone? Oder eine Art Bekennerschreiben aus der Nazi-Szene, welches lange nur Staub im Aktenschrank angesetzt hat: „Der Brief stammt dem Bericht zufolge aus Peggys Ermittlungsakten. Die Ermittler hätten ihn abgefangen und elf Tage nach dem Verschwinden der damals Neunjährigen an die Mutter des Mädchens übergeben. Er sei maschinengeschrieben auf pergamentartigem Papier. Der Inhalt des Briefes soll auf den Übertritt der Mutter zum Islam anspielen und darauf, dass sie mit einem Türken zusammenlebte und manchmal ein Kopftuch trug. [Auch] heißt es darin, die Mutter habe ein so ‚arisches Kind wie Peggy‘ nicht verdient.“ [Link]

Aber wo ist da jetzt der DIREKTE Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin Kiesewetter? Da in diesem ganzen Komplex anscheinend absolut NICHTS zu absurd oder weit hergeholt ist, wird man auch hier fündig: „So war an der Suche nach Peggy eine Polizistin aus Thüringen beteiligt, die eine enge Freundin von Kiesewetter war. Diese Freundin und Kollegin war 2001 von der ‚Soko Peggy‚ aus Bayern damit beauftragt worden, in Thüringen an Seen nach der Leiche des vermissten Mädchens zu suchen. Später wurde die Polizistin vorübergehend aus dem Dienst suspendiert, weil sie interne Informationen weitergegeben haben soll – an ihren Lebensgefährten, der eine Security-Firma betreibt, bei der wiederum Neonazis arbeiten sollen. Zuvor war die Polizistin mit Kiesewetters Patenonkel liiert gewesen. Dieser hatte 2007 – nur wenige Tage nach dem Mord in Heilbronn – eine bemerkenswerte Aussage getätigt: Kiesewetters Patenonkel behauptete, die Tat in Heilbronn stehe im Zusammenhang mit den bundesweiten ‚Türkenmorden‘.“ [Link] o.O -_- Natürlich ist das immer noch kein Beweis für einen Zusammenhang, hinreichend verdächtig ist es aber schon… 😉

UPDATE Februar 2017: Es ist immer noch nicht geklärt, wie die DNA dort hingelangen konnte. Stattdessen hat man sich mal einige alte Kindesmordfälle näher angeschaut. o.O Denn gegen Böhnhard und ein anderes Jugendgangmitglied gab es schon vorher Ermittlungen. Beide hatten KEIN Alibi und waren dringend tatverdächtig. Die Staatsanwaltschaft hat sich erstmal totgestellt und dann jemand anderen abgehört, obwohl dieser ein Alibi hatte…

Noch Jahre nach dem Mord hielten die Ermittler deshalb den jungen Mann aus Jena-Lobeda für dringend tatverdächtig.Immer wieder schrieben sie der Staatsanwaltschaft, die über eineinhalb Jahre lang auf die Schreiben der Polizei nicht reagierte. Und das, obwohl ein weiterer Zeuge T. schwer belastet hatte: T. habe ihm gegenüber den Mord an einem Kind zugegeben. Die Polizei hielt den Zeugen für glaubhaft und schlussfolgerte: „Die wesentlichen Spuren sind alle in Bezug zum Verdächtigen, Herrn T., zu bringen.“ Trotzdem versandete die Spur. Die zuständige Staatsanwaltschaft entschied sich vielmehr dafür, intensiv gegen einen Mann zu ermitteln, der wegen mehrerer Sexualdelikte vorbestraft war und in Tatortnähe gearbeitet hatte. Er wurde zeitweise abgehört und durch das Mobile Einsatzkommando observiert. Allerdings wussten die Ermittler, dass er ein Alibi hatte. So endete diese Spur zwangsläufig in der Sackgasse. Bei Enrico T. indessen sind solche Maßnahmen – intensives Abhören, Observationen – nicht zu erkennen. Es findet sich keine Erklärung dafür, warum man irgendwann von T. abgelassen hat. Unklar ist, ob ihn irgendein Indiz entlastet hat.“ [Link: NSU-Komplex – Tod eines neunjährigen Jungen]

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