„Feuerwaffen-Nachverfolgung: Das kann jetzt etwas dauern!“

We ain’t got a registration system. Ain’t nobody registering no damn guns.

Feuerwaffennachverfolgung - LogoWenn in US-Krimiserien eine „Tatwaffe“ gefunden wurde, dann wird kurz der Computer befragt und kurz darauf hat man die ganze Geschichte der Waffe vorliegen. Was in echt gar nicht funktioniert. 😛 Man kann sich nur an eine ominöse Untereinheit des ATF (Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives) namens National Tracing Center (NTC) irgendwo in West Virginia wenden und kräftig hoffen. Denn Computer sind dort ungern gesehen und stattdessen darf die standardmäßig unterbesetzte Abteilung mit Aktenordnern und Mikrofilm arbeiten. Was alles Absicht ist. Denn die NRA hat dafür gesorgt, dass es keine durchsuchbare, nationale Datenbank für Waffen und ihre Besitzer geben darf. Und wenn man davon ausgeht, dass eine totalitäre Diktatur unmittelbar bevorsteht, ergibt das ja irgendwo sogar Sinn. 😉 Also arbeitet man 2016 mit Mikrofilm, Pappkartons und Hinterhertelefonieren. Ein überaus spannender, etwas obskurer und sehr lesenswerter Artikel aus den Eingeweiden des ATF! 🙂

[Link: Inside the Federal Bureau Of Way Too Many Guns]

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3 Antworten zu „Feuerwaffen-Nachverfolgung: Das kann jetzt etwas dauern!“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Eine Waffenregistrierung scheint bei oberflächlicher Betrachtung eine gute Idee zu sein. Nur … Verbrecher registrieren ihre Waffen nicht und Besitzer legaler Waffen mißbrauchen diese eher sehr selten (auch wenn die Medien gerne etwas anderes suggerieren). Weswegen eine Suche nach registrierten Waffen über ein – wie auch immer geartetes – System eigentlich ziemlich sinnlos ist.

    Auch bei gestohlenen Waffen kann man eigentlich nur den letzten legalen Besitzer ermitteln – nicht den eigentlichen Täter.

    Weswegen die vielen CSI/NCSI Folgen erst recht unrealistisch sind, weil sie halt weit an der Wirklichkeit vorbei gehen und grade in diesem Fall mit Wunschdenken arbeiten Washington und der District of Columbia haben übrigens eine digitale Datenbank. So was gibt’s teilweise auch in anderen Bundesstaaten, die ein strengeres Waffenrecht haben. Die sind aber normalerweise nicht über die Staatsgrenzen hinaus vernetzt. Washington hat innenpolitisch nicht besonders viel zu melden und die Federales wie ATF, FBI, etc. sind auch nicht überall gerne gesehen, da sie sich zu häufig in die inneren Angelegenheiten der Bundesstaaten einmischen – was sie nicht ohne spezielle Einladung dürfen. Von dem Behördengeplänkel kriegt man in den TV-Serien nur Bruchteile mit. Die werden nämlich teilweise sehr erbittert geführt.

    Die spezielle ATF-Datenbank machen halt die Federales und die haben in den Bundesstaaten eher wenig zu sagen. Selbst wenn es eine funktionierende Waffenregistrierung geben würde, sie würde so gut wie immer ins Leere laufen. BTW: Waffengesetze sind in den USA Sache der Bundesstaaten. Die USA als Staatenverbund haben kein eigenes Waffengesetz (nur dumme Versuche per präsidialem Erlass, die keinerlei Sicherheitszuwachs brachten). Und in den einzelnen Bundesstaaten gibt es alles – von extrem lax bis hin zum Totalverbot. Bundesstaat, County, City – ca. 20.000 unterschiedliche Regelungen, die sich sogar innerhalb desselben County massiv widersprechen können. In Georgia gibt’s eine Stadt, die rigorose Waffengesetze/Verbote inklusive Registrierung hat und nur ein paar Dutzend Meilen weiter gibt’s Kennesaw.

    Wer in den USA eine Kanone will, der wird einem gründlichen FBI-Background-Check unterzogen. Weswegen Verbrecher sich ihre Waffen – wie überall sonst auf der Welt auch – im allgemeinen auf dem gut bestückten Schwarzmarkt besorgen. Nach üblen Anlaufproblemen läuft das System inzwischen seit vielen Jahren recht zuverlässig.

    Warum es eine schlechte Idee ist, eine Waffenregistrierung zu haben, durften in totalitären Staaten übrigens die politischen Gegner, unerwünschte Personen und natürlich im 3. Reich die Juden erleben. Die Reichskristallnacht ging mit einer darauf folgenden deutschlandweiten Waffenkonfiszierung und Waffenverboten einher. Unsere braven jüdischen Mitbürger hatten als gesetzestreue Menschen natürlich ihre Waffen alle registriert. Zu dem Thema kann ich das hier empfehlen: http://www.berlinstory.de/verlag/programm/drittes-reich/Fatales-Erbe/

    tl;dr

    Lange Rede, kurzer Sinn: Verbrecher kommen immer an Waffen. Waffengesetze und Registrierung treffen in der Regel nur Leute, die man nicht unter der Rubrik Verbrecher/Terrorist subsummieren kann. Es geht nicht um Waffen – sondern um Kontrolle.

  2. sirdoom schreibt:

    Thx für den informativen Beitrag 🙂

    Das mit den „Datenbanken“ ist übrigens immer so eine Sache. In den Niederlanden haben die Nazis damals prozentual auch mehr Juden erwischt, auch weil die Niederlande ein erstklassig gepflegtes Religionsregister hatten^^

    „Amsterdam gilt seit jeher als Musterbeispiel gelungener Stadtplanung. Bereits 1851 begann die Stadt, systematisch Daten der Bevölkerung zu erheben, um optimal ihre Ressourcen zu verteilen. Fürs „Bevolkingsregister“ gaben die Einwohner bereitwillig Beziehungsstatus, Beruf und Religionszugehörigkeit an. 1936 stieg man sogar auf die Datenerfassung mit einem hochmodernen Lochkartensystem um. 1939 aktualisierte eine Volkszählung das Stadtregister nochmals.

    Im Mai 1940 rissen die einmarschierten deutschen Besatzer das Register an sich und ermittelten anhand dieses Datenschatzes in wenigen Tagen fast alle jüdischen Einwohner. Ein Großteil der rund 100 000 Amsterdamer Juden wurde ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von einem Tag auf den anderen entschied ein Marker im Big-Data-Pool über Leben und Tod. Zuvor hatte 90 Jahre lang niemand etwas zu verbergen gehabt – schließlich diente die Erfassung ja dem Wohl aller.“ [Quelle]

    Weswegen man mit Daten IMMER sparsam sein sollte! o.O

    Was die Waffen angeht, könnte ich mir vorstellen die Waffen selber zu registrieren, aber nicht die Besitzer – die haben ja gesondert – ohne Verknüpfung – einen Hintergrund-Check.

  3. lawgunsandfreedom schreibt:

    Jo. Datensparsamkeit ist wichtig, weil Daten immer gestohlen und/oder mißbraucht werden können – häufig vom erhebenden Staat selbst. Das mit dem Register in den Niederlanden wusste ich. War noch ein Grund, gegen überbordende Datensammlungen zu sein.

    Die Waffen sind – so modern (Manufaktur/Industrie) hergestellt – sowieso immer registriert. Schon seit weit über 100 Jahren. Die Firmen haben ihre Seriennummern in ihren Handelsbüchern. Anfangs gab’s da auch keinen Bezug zu den Käufern, außer vielleicht auf der Rechnung vom Waffenhändler. Das hat viele, viele Jahre bestens funktioniert.

    Das deutsche „Nationale Waffenregister“ ist auch so eine handwerkliche Katastrophe. Es trägt nicht zur Sicherheit bei und es gibt Probleme, weil zu viele Personen wenig kontrollierten Zugriff darauf haben. Der Datenbestand der Waffenbehörden, der da eingepflegt ist, ist eigentlich nur Kraut und Rüben, der mühsam bereinigt werden muß.

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