„Bayern: Frauen dürfen auch fischen“

Der Fischertag ist ein traditionelles Fest der Stadt Memmingen. Dabei wird der Stadtbach ausgefischt, um abgelassen und gereinigt zu werden, und ein Fischerkönig ermittelt. Verantwortlich für das Fest ist der Fischertagsverein Memmingen e.V., der sowohl männliche wie weibliche Mitglieder hat. Beim eigentlichen Ausfischen durften bislang allerdings nur Männer ran. Warum?

Bayern - Frauen dürfen auch Ausfischen - Logo>> Die Verfechter der Männertradition berufen sich auf das jahrhundertealte Brauchtum. Man lege eben großen Wert auf die „Detailtreue der Historie“ [SIEHE UNTEN!!!], sagt der Vorsitzende des Fischertagsvereins. Einen Wandel kann man sich kaum vorstellen – wie und ob es überhaupt mit dem Fischertag weitergeht, sollte die Klage Erfolg haben, kann man nicht sagen. Es sei schade dass ein familienfreundlicher Verein so schlecht dargestellt würde, seitdem „diese Sache“ in der Welt sei. Immerhin dürften Frauen ja Mitglied werden und seien auch sonst überall dabei – nur eben nicht beim Fischen. << [LINK]

Schauen wir uns diese „Tradition“ und das „historische Detail“ doch mal genauer an. 😀  Vollkommen überraschend stellt sich nämlich heraus:

>> Historisch ist der Fall aber nicht eindeutig, so hängt etwa im Memminger Stadtmuseum eine Zeichnung aus dem Jahr 1878, die den Fischertagsumzug zeigt und auf dem auch Fischerinnen zu sehen sind. << [LINK]

Tja. Darauf angesprochen beruft sich die Vereinsleitung plötzlich auf das „Selbstbestimmungsrecht“ des Vereins und historische Korrektheit spielt KEINE Rolle mehr. Was halt darauf hindeutet, dass es ganz einfach frauenfeindliche Diskriminierung ist. Und ebenfalls vollkommen überraschend sieht das zuständige Gericht dies in der ersten Runde ganz genauso.

>> Richterin Katharina Erdt sagte bei der Urteilsverkündung, der gemeinnützige [!!!] Verein mit rund 4500 Mitgliedern habe in Memmingen eine besondere soziale Machtstellung inne und sei an den Grundsatz der Gleichberechtigung im Grundgesetz gebunden. Eine männliche Tradition sei kein zulässiger Grund für Diskriminierung. Die juristische Auseinandersetzung dürfte mit dem Urteil noch nicht beendet sein. Der Fischertagsverein hatte zuvor angekündigt, im Fall einer Niederlage die nächsthöhere Instanz anrufen zu wollen. [LINK] Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ergebe sich zudem aus dem Steuerrecht. Als gemeinnützige Organisation sei der Fischertagsverein steuerbegünstigt. Steuern zahlen aber Männer und Frauen, Vereinsbeiträge ebenso. Es sei nicht ersichtlich, wieso bei dem Ereignis dann ein Geschlecht nur eine untergeordnete Rolle spielen dürfe. Auch das Argument der Vereinsanwälte, dass das Ausfischen nur ein kleiner Teil des gesamten Festtags mit Frühshoppen und anderen Veranstaltungen sei, ließ die Richterin nicht gelten. „Es ist das Hauptereignis der ganzen Geschichte.“ Somit könne ein Eingriff in die im Grundgesetz festgeschriebene Gleichberechtigung nur noch gerechtfertigt werden, wenn Frauen körperlich nicht zu der Aufgabe befähigt wären, was beim Ausfischen, an dem auch Jungen im Grundschulalter teilnehmen, ersichtlich nicht der Fall ist. Und auch der Verweis auf die Tradition zählt laut Richterin nicht, gerade weil der Verein seine Tradition in anderen Punkte bereits mehrfach gebrochen hat: So können inzwischen auch Männer am Ausfischen teilnehmen, die nicht mehr in der Stadt gemeldet sind. [LINK] <<

Was deren Anwalt freuen dürfte #Kaching, aber ansonsten bei einem als GEMEINNÜTZIG eingetragenen Verein kein anderes Urteil bringen wird. Mal schauen, ob da irgendwer noch aufwacht und die Notbremse zieht, um es viel zu spät mit irgendeinem Kompromiss versucht. 😉

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2 Antworten zu „Bayern: Frauen dürfen auch fischen“

  1. XD schreibt:

    Und dann braucht es irgendwann noch eine weitere Klage für Diverse und noch eine dritte für Nicht-Binäre, weil das Gericht anscheinend auch nicht konsequent vorgeht.

  2. sirdoom schreibt:

    Kann sein, kann nicht sein. 😉 Entweder weil der Verein nach den nächsten zwei Runden vor Gericht nicht mehr existiert oder weil man schlau genug wird und allgemein Geschlecht / Gender nicht mehr als Ausschlussgrund nimmt oder weil es in Memmingen keinen Nicht-Binären gibt der klagt.

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