„Publicani: Manche Privatisierungen sind keine gute Idee“

Ist es eine gute Idee HOHEITLICHE AUFGABEN (u.a. Steuererhebung, Ordnungspolitik, Strafverfolgung oder Bauaufsicht) zu privatisieren? Spoiler: NEIN, es ist immer eine verdammt blöde Idee, wie man auch schon an den PUBLICANI (mehrere schlossen sich oft zu einer Societas Publicanorum zusammen) sehen kann, die im Römischen Reich auf Staatsaufträge geboten haben, um dann nach Vorkasse an den Staat die Betroffenen abzuziehen.

SPQRball - Publicani - Manche Privatisierungen sind keine gute Idee - LogoDer Wettbewerb zwischen verschiedenen Bietern führte hier leicht zu Übersteigerung, sprich zu Aufwendungen, die dann nicht mehr gedeckt werden konnten. Da die Eintreibungsrechte nur einen gewissen Zeitraum lang galten, wurden die örtlichen Ressourcen GEPLÜNDERT, ohne sich um die Folgen zu kümmern oder auf örtliche Ereignisse Rücksicht zu nehmen. Natürlich gab es keine staatliche Aufsicht oder Missbrauchskontrolle und das Verhalten der PUBLICANI als allmächtige Herrscher vor Ort führte zu zahlreichen Konflikten.  Was dafür gesorgt hat, dass die Betroffenen sich gerne jedem äußeren Feind Roms anschlossen. Ähnliche System gab es auch im Königreich Frankreich (bis zur Französischen Revolution) und im Osmanischen Reich, mit ähnlichen, nachteiligen Ergebnissen. MERKE: Niemand zahlt „gerne“ Steuern an den Staat, aber von Privatschlägern abkassiert werden ist weitaus schlimmer. 😉

Und was macht der lila „Pontosball“ (Königreich Pontos) da eigentlich? Der pfeift unschuldig vor sich hin und erhitzt Gold, bis es flüssig wird. 🙂 Der pontische König Mithridates VI hielt Manius Aquillius für den eigentlichen Kriegstreiber und behandelte ihn angemessen grausam. Aquillius wurde durch die kleinasiatischen Städte geschleppt, auf einen Esel gefesselt Zuschauern präsentiert, in einen Käfig gesperrt und schließlich in Pergamon auf Mithridates’ Befehl getötet. Die Hinrichtung erfolgte in der Weise, dass der König Aquillius GESCHMOLZENES GOLD in den Mund gießen ließ; eine Strafe, durch welche die unersättliche Gier des Römers nach Gold angedeutet werden sollte. Womit ihr jetzt auch wisst, was das Vorbild für eine spezielle Szene in Game of Thrones war. 😉 Mithridates‘ Kampagne gegen Rom war auch deswegen so erfolgreich, weil die Publicani in den kleinasiatischen Provinzen Asia und Cilicia so gewütet haben, dass ihm die einheimische Bevölkerung scharenweise zulief und in der sogenannten Vesper von Ephesos kein Problem damit hatten, zwischen 70.000 und 90.000 Römer und Italiker zu massakrieren. o.O

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Eine Antwort zu „Publicani: Manche Privatisierungen sind keine gute Idee“

  1. lawgunsandfreedom schreibt:

    Wenn man sich z.B. ansieht, wie Nestlè an manchen Orten in Sachen Wasserversorgung wütet …

    Man könnte schon an Privatfirmen auslagern. Aber halt mit Regeln.
    – Kostendeckendes Preisgefüge
    – festgelegtes Leistungsspektrum
    – etc.

    Aber das klappt halt nicht, weil die Gier nach immer neueren Tricks suchen lässt. Ich bin sehr liberal, aber ich berücksichtige die Psychologie, die menschliche Natur, die wiederum von allen Ideologien ignoriert wird.

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