„Unter dem Radar“

Am 30.08.2009 finden in Thüringen Landtagswahlen statt. Während die SPD verzweifelt versucht nicht komplett gegenüber der CDU und der Linken unterzugehen, setzt die CDU ganz auf, den wegen fahrlässiger Tötung einer Skifahrerin verurteilten, Ministerpräsident  Althaus und dessen Ausverkauf seines Gefühlslebens an die BILD.

Man hat allerdings noch ein weiteres Eisen im Feuer, was man lieber nicht in der Öffentlichkeit sehen will, um den Spitzenkandidaten der Linken, Bodo Ramelow, zu beschädigen.

Aus einem internen Brief von Mario Voigt, Landesvorsitzender der Jungen Union an den Kreis- und Landesvorstand:

„Weiteres wichtiges Element unserer Kampagne wird das gezielte „Begleiten“ der Wahlkampfauftritte von Bodo Ramelow sein. Hier wollen wir aber in „zivil“ auftreten. Mit dem Versuch, bei Veranstaltungen von Bodo Ramelow über dessen politische Ziele aufzuklären, sollte primär nicht die CDU oder das TEAM THÜRINGEN in Verbindung gebracht werden. Die erste große Aktion hierzu soll der Wahlkampfauftakt der Linkspartei am 1. August in Gera sein. Bitte diesen Termin vormerken! Solche Aktionen sind nur mit vielen Leuten wirksam! Kontrastierende Werbung macht nur die JU! Wichtig für das öffentliche Bild im Wahlkampf ist, dass die CDU und Dieter Althaus mit dem der kontrastierenden Werbung vorrangig nicht in Verbindung gebracht werden. Ebenso soll davon die Marke „TEAM THÜRINGEN“ unberührt bleiben. Die Arbeitsteilung soll so aussehen, dass CDU und TEAM THÜRINGEN für die positiven Botschaften zuständig sind und die Junge Union die kontrastierende Werbung übernimmt. Bitte achtet sehr aufmerksam auf diese Arbeitsteilung, um die werbliche Wirkung zu erhöhen. Wir werden fortlaufend über unsere Kampagne weiter informieren. Wir bitten vor allem die JU-Kreisvorsitzenden bei der Umsetzung der Kampagne in der Fläche intensiv Mitzuwirken.“

[Quelle des gesamten Dokuments wikileaks.org, keine Verlinkung aufgrund von Strafverfolgungsmaßnahmen]

In militärischen Kreisen bezeichnet man so etwas als „False Flag Operation„, die meist aus den folgenden Gründen durchgeführt wird: Verschleierung der Urheberschaft, Erhöhung der Kooperationsbereitschaft bei der Anwerbung oder Abschöpfung von Zielpersonen, Provokation von Zwischenfällen, Destabilisierung, Überprüfung der Loyalität eigenen Personals. Häufig finden False Flag Operations in zusammen mit „Black Propaganda“ und der Verwendung von „Front Organisations“ statt. False Flag Operations wirken übrigens mehr als kontraproduktiv, wenn sie auffliegen, weswegen man normalerweise für eine „glaubhafte Abstreitbarkeit“ sorgt und „deniable assets“ benutzt. 

In anbetracht dieser Vorgehensweise auf lokaler Ebene kann man vielleicht erahnen, was bei einem größeren Ereignis, wie sagen wir mal einer Bundestagswahl, hinter den Kulissen ablaufen wird.

Dieser Beitrag wurde unter imperiale Politik, verbale Diarrhoe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu „Unter dem Radar“

  1. cerbero schreibt:

    passend dazu:
    http://www.zeit.de/online/2009/32/junge-union-ramelow

    Sind da ein paar Leute zuviel aus den rechten Reihen angeworben worden o.O

  2. sirdoom schreibt:

    Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hatte sich am Wochenende von der Aktion des CDU-Nachwuchses distanziert und gesagt: „Ich war nicht informiert und nicht einbezogen.“

    Genau, deswegen gab es ja auch das oben genannte schreiben, um genau DAS behaupten zu können, doof nur wenn es auffliegt…

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