„Der deutsche Ausländer“

Es gibt Geschichten, die sind vom Satirefaktor einfach zu gut, um wahr zu sein. Zum Glück gibt es immer wieder Leute, die sich dafür einsetzen, mir trotzdem dieses Geschenk zu machen. Diesmal waren die Schweizer Nachbarn so freundlich.

Die Schweizer SVP-Politikerin Natalie Rickli hat in einer Diskussionssendung die große Anzahl der deutschen Arbeitskräfte in der Schweiz als Problem für die Schweiz dargestellt und die Anwendung der sogenannten Ventilklausel gefordert, die im Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union verankert ist, um so die Einwanderung von Deutschen in die Schweiz zu beschränken. Die ungewaschenen deutschen Horden, mit ihren fremdländischen Sitten und Gebräuchen, fallen nämlich in großer Zahl in die Toblerone-Republik ein, nehmen dort den Einheimischen, aufrechten Arbeitern die Wohnungen und Jobs weg – und natürlich auch die Frauen. Dazu sprechen sie ein vollkommen unverständliches Kauderwelsch und bilden so Parallelgesellschaften, womit sie den sozialen Frieden der Schweiz gefährden. Ich habe keinen blassen Schimmer, inwieweit irgendwas von Ricklis Behauptungen zutreffend ist, aber ich liege immer noch lachend am Boden, wenn ich mir mal vorstelle, wie der über die bösen Polen und Türken lästernde Deutsche, der allen anderen überlegen ist, in der Schweiz als Parasit angesehen wird.  Einfach zu herrlich, wenn Fremdenfeindlichkeit mal in beide Richtungen funktioniert…

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13 Antworten zu „Der deutsche Ausländer“

  1. Nogger schreibt:

    Ja, als ich das gelesen habe hab‘ ich auch so richtig gefeiert… ist ja auch nur konsequent, wenn man die Ausländer aus dem Osten „ventiliert“, dann auch die aus dem Norden.

  2. Cunningham schreibt:

    Die verdammten Schweizer, die haben doch nur Angst, dass wir mit uns… ähm ihren Land genau so verfahren wie die Amerikaner mit Texas seinerzeit… http://de.wikipedia.org/wiki/Texanischer_Unabh%C3%A4ngigkeitskrieg 🙂

    Wobei Frau Rickli sieht so richtig niedlich aus… aber dank Piraten machen wir in Sachen Ansehnlichkeit der Politikerinnen ja bald deutlich was gut. 😀

  3. sirdoom schreibt:

    ^^Alter, „Anschluss“ darf man gar nicht sagen und Annexion ist nur marginal besser, du bist Deutschland 😉

  4. 3-6 schreibt:

    … meanwhile, in Berlin: Deppen die darüber streiten, wo die Einwanderer herkommen sollen.

    Die Auswanderung zu stoppen, darauf kommt keiner. Das geht nämlich nicht mit sozialpolitischen Geschenken an vermeintliche Randgruppen, sondern vor allem mit Steuersenkungen. Und die sind ja hundepfui…

  5. sirdoom schreibt:

    Ich würde Steuersenkungen gar nicht per se als DEN Punkt festmachen, sondern das Gesamtpaket betrachten. Angemessene Steuersätze, Verlässlichlichkeit, Infrastruktur, usw… und da bröckelt es ja an allen Enden…

    Neues von Frau Rickli!

  6. Cunningham schreibt:

    @Arclight:
    Mit Steuersenkungen wirst Du nur leider die Kellnerinnen, die in die Schweiz geflüchtet sind, nicht zurück nach Deutschland locken können, die dürften davon relativ wenig haben…

  7. Andai schreibt:

    Wie wäre es mal damit ausgebildete Fachkräfte in dieser Bananenrepublik auch zu beschäftigen, anstatt sie als billige LuZen einzusetzen oder durch *externe* Dienstleister aus dem Ausland zu ersetzen? Wäre mal fein, wenn die Politik da etwas gegensteuern würde….schon komisch, dass Arbeit da ist, aber kein *fester* Vertrag bzw. Arbeitsplatz…..

    Dann kann man auch das Thema *einwanderung/Auswanderung* etwas eindämmen. Arbeit in Deutschland lohnt sich doch stellenweise immer weniger, weil man entweder kaum Zukunftsperspektiven oder zu wenig Geld hat, zumindest der Großteil und bevor wer meckert, dass ich nicht wüsste wovon ich spreche: ich kenne natürlich das Große Ganze nicht, doch frage ich mich folgendes:

    Wenn Firma A, die Weltweit operiert und eine der Größten in D-Land ist, Firma B gründet, um ihre Nachwuchskräfte nah am Unternehmen zu halten, wenn sie ihnen nicht sofort einen Arbeitsplatz bieten können. Firma A daraufhin nach einigen Jahren Firma B ausgliedert und zu 51% verkauft, nur um dann ihre ehemalugen Nachwuchskräfte für niedrige Löhne und als LuZ einzustellen, obwohl ein Arbeitsplatz da ist. Nein die Nachwuchskraft wird nicht eingestellt, denn so ist es viel bequemer, so leistet sie dieselbe Arbeit, für weniger Geld und was viel schlimmer ist: zittert jedes Mal ob ihr Vertrag nicht doch beendet wird bzw. nicht verlängert. Schön, dass es die Option gibt als LuZ wenigstens Berufserfahrung zu sammeln, schlecht, wenn die Konzerne dies eiskalt ausnutzen, um billige, ausgebildete Fachkräfte zu bekommen und hinzu kommt, dass eine im dualen System ausgebildete Fachkraft scheinbar nicht mal den feuchten Schiss wert ist, den die hohen HErren da oben täglich produzieren. Ich höre nur noch: Ach Ausbildung ist doch nichts mehr wert, mach ein Studium….da wäre mir auch nach auswandern und auch aus der Schweiz gab es sehr gute Jobangebote…leider hängt diese Entscheidung auch von meiner besseren Hälfte ab…sonst wär ich schon längst weg hier, obwohl ich das Land liebe.

  8. sirdoom schreibt:

    Also flüchten Deutsche in die Schweiz um dem Lohndumping zu entkommen und sorgen dann vor ort für Lohndumping. Und wenn es so weiter geht, wird der schwarze Peter immer weiter gereicht, bis irgendwann dann doch wem auffällt, das westliche Hightech-Industrienationen beim Lohn nicht mit Vietnam mithalten können…

  9. Agent Pöhlemann schreibt:

    Liebe Schweizer Politiker, bitte versucht nicht eure Deutschen Kollegen in der öffentlichen „Medienarbeit“ zu kopieren.
    WENN ihr euch für Quark einsetzt, dann macht es in der einheimischen Form: Unter dem Deckel in der Lobby-Halle des Parlaments.
    Sich mit kritischen Aussagen aus dem Fenster lehnen ist schon gewagt genug – man muss sich nicht noch öffentlich blamieren indem man es in einer Art und Weise tut die man nur aus dem Fernsehen kennt. Provinzposse…

    Zum Inhaltlichen kann ich nur sagen:
    Prinzipiell hat die gute Dame sogar recht. Nur: Lohndumping ist meines Erachtens nicht die Ursache, sondern die hausgemachte Folge. Eher ist es so, dass Schweizer nicht zu den angebotenen Löhnen sogenannte „niedere“ Jobs machen wollen. Ergo MUSS man Arbeitskräfte von irgendwo sonst holen.
    Und wenn diese dann finden dass die Löhne sogar richtig gut wären: Tja, Pech gehabt, liebe Schweizer. Dann bleiben sie halt…

  10. Andai schreibt:

    Irgendwo kurios ich weiß, aber manchmal ticken Menschen nicht richtig. Ich sag auch nicht, dass Lohndumping der einzige Grund ist, aber irgendwie kommt man sich doch heutzutage nur ausgebeutet und benutzt vor, glaube egal wo. Manchmal scheinen andere Länder eine gewisse Verlockung auszuüben und wenn ich mich dann frage *wer* in die Schweiz ausgewandert ist, nund wenn es sich ähnlich dem verhält, was die Türken (die aus der Türkei) über ihre Auswanderer sagen, dann kann es kaum gut sein ^^.

    Und ich denke die Schweiz hat auch *Deutsche* von denen sie profitiert…glaube die sind dann wiederum gut genug, siehe ja die Aussage, dass die gute Dame nicht *alle* Deutschen meint, sondern nur die Masse. (nIchts desto trotz..nahezu jedes Land macht so etwas, nur wir deutschen dürfen nicht, weil N-Keule usw. *kopfschüttel*)

  11. Andai schreibt:

    Gut für die Schweiz kann ich es nicht beurteilen, aber so ganz unterschreiben mag ich das nicht. Einerseits stimmt es wohl, dass manche Menschen sich zu *fein* sind für niedrige Löhne zu arbeiten..nur die Frage ist wo zieht man die Grenze?
    Ein 40 Stunden Job für 5 Euro reicht heutzutage doch gerade mal zum *überleben*, muss man sich als gelernte Fachkraft auf so etwas einlassen (meiner Meinung nach nicht mal als ungelernte).
    Ich verdiene aktuell 9 Euro die Stunde, das ist ok, auch wenn ich mir nicht wirklich viel davon leisten kann, so reicht es in Kombination mit dem Gehalt meiner Verlobten zum brauchbaren Leben. Hätte ich jetzt noch ein Auto, würde das keineswegs mehr reichen. Urlaub ist auch nicht drin, große Ausgaben (200 Euro +) müssen langfristig geplant werden usw.
    So möchte ich nicht den Rest meines Lebens verbringen und wenn ich dann noch an die Rentenzeit denke…ja haha..ich denke ich schmeiß mich mit 70 vor einen Zug, bekomm doch eh keine Rente und wenn kann ich davon gleich unter die Brücke ziehen und Egon an der Tonne das schenken, da hat er mehr von..
    Sprich, was ist mein Problem? Keine Entwicklungschancen, keine Zukunft, stagnierende Löhne, während die Lebenshaltungskosten steigen.
    Wenn das in der Schweiz auch so ist…dann verstehe ich manches (nicht alles).
    Die Frage ist: weiß einer wie das Verhältnis von Lebenshaltungskosten und Löhnen dort zueinander ist? Udn wie es sich entwickelt hat? Und ja ich weiß, dass Durchschnittswerte kacke sind…denn wenn einer 3999 Euro verdient und einer 1 Euro, haben beide im Durchschnitt ja 2000 Euro……(irgendwie makaber)

    Aber alles in allem, ist es wie Peer sagt: wir jammern hier über die Einwanderer, die uns ja alles wegnehmen und in anderen Ländern sind wir halt die *Scheiss Ausländer* ^^

  12. Agent Pöhlemann schreibt:

    @Andai:
    Bei einer (offiziellen) Arbeitslosenquote von rund 3% würde ich schon davon ausgehen dass sich diese 3% teilweise „zu fein“ sind jeden Billigjob anzunehmen der zur Verfügung steht.
    Dies zumindest wenn ich es mit Nachbarländern vergleiche (Quote gegen 10% bis sogar 20%, je nach Altersschicht), da erscheint es mir eher dass der Kampf darum geht überhaupt einen Job zu kriegen – Rentabilität oder Prestige sekundär.

    Dies natürlich nur meine, unfachliche Interpretation der Dinge.

  13. Andai schreibt:

    Ohne Frage, aber fakt ist, dass Arbeit sich auch lohnen sollte und nicht nur getätigt werden sollte, weil sie da ist. Manche Menschen arbeiten in zwei Jobs udn nehmen defacto einem anderen damit einen Job weg, wie verfährt man mit denen?

    Ich denke in den 3% versteckt sich auch eine Ziffer an Leuten, die keinen Job kriegen (weil zu alt, falsche Qualifikation, zu teuer, zu fein usw. usf.) wobei ich denke, dass der *zu fein* Teil recht gering ausfällt.
    Wenn ich überlege auf wie viele Jobs ich mich beworben habe, egal wie gut oder schlecht bezahlt und ich aus diversen Gründen nicht genommen wurde (einer war sogar eine einjährige Arbeitslosigkeit vor vier Jahren…..geil oder? Zitat: “ Sie haben ja Hartz IV bezogen, da denke ich ist ihre Arbeitsmoral ja nicht sehr hoch!“
    Und DAS wurde übrigens durch die Blume genau so gesagt….

    Wo fängt man also an? Ich finde es verkehrt die Schuld nur den Arbeitslosen zuzuweisen….
    Und was ist mit den LuZen, die sich ohen Zukunftsperspektiven und Minimallöhnen die Finger wund schuften, um bloß nicht Arbeitslos zu sein?

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