„China: Tian’anmen hat nicht stattgefunden und wenn doch war es gerechtfertigt“

HEUTE vor 30 Jahren ereignete sich in China das Tian’anmen-Massaker (was eigentlich eine falsche Bezeichnung ist, weil direkt auf dem Platz, niemand vom Militär umgebracht wurde, dafür aber im Rest der Stadt Säuberungen stattfanden, die 3000 bis 10.000 zivile Opfer forderten) und beendete den kurzen,  kleinen Pekinger Frühling (normalerweise werde damit die Lockerungen 1977/1978 und 1997/1998 #Hongkong bezeichnet).

China - Tian'anmen - nicht stattgefunden aber gerechtfertigt - Logo

Die chinesische Bewegung war u.a. von den Reformbestrebungen in der Sowjetunion inspiriert #Perestroika. Aufgrund der Besetzung des Platzes hatte die Regierung zuvor schon den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow nicht auf dem Platz empfangen können, da die Studenten in ihm einen Hoffnungsträger sahen. Die wegen des Staatsbesuchs zahlreich anwesende internationale Presse machte die chinesische Demokratiebewegung und ihre Forderungen weltweit bekannt und erhöhte damit das Gefahrenniveau in den Augen der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) noch weiter. Während in der Sowjetunion und in Osteuropa eine weitgehend friedliche Reform gelang, scheiterte dieser Versuch in China krachend. Nachdem es bereits am 3. Juni erfolglose Räumungsversuche gab, trafen um 00:00 Uhr am 4. Juni die ersten Soldaten am Tian’anmen-Platz ein, der jetzt nur noch von etwa 5000 Studenten besetzt war. Um 1:00 Uhr rollten Transportpanzer von Norden an den Platz. Die ersten wurden von Aufständischen mit Molotowcocktails angegriffen. Die Panzer und LKW zogen sich etwas zurück; bis 3:00 Uhr morgens hielt die Armee den Platz umzingelt und bereitete sich auf die Räumung vor, bis sich die Studenten am frühen Morgen zurückzogen und die Säuberungen in allen Teilen der Stadt begannen. Danach gab es eine Bestrafungswelle mit zahlreichen Todesurteilen, die dann IN China umschlug in ein „Es ist nichts passiert!“ oder lustigen WeChat/Weibo – Einträgen wie „1989 – Das Jahr zwischen 1988 und 1990!„. Nach Außen erzählt man eine andere Geschichte und meldet sich nochmal zum 30. Geburtstag mit:

Der Einsatz der Sicherheitskräfte war gerechtfertigt. Die Regierung hat damals korrekt gehandelt, indem sie Maßnahmen ergriff, um die politischen Turbulenzen zu stoppen. Deshalb ist China stabil. Ich kann nicht verstehen, wieso  China immer noch vorgeworfen wird, den Vorfall nicht korrekt gehandhabt zu haben.
Verteidigungsminister Wei Fenghe beim Shangri-La-Dialog 2019 in Singapur

Währenddessen wissen viele junge Chinesen buchstäblich nicht, was damals eigentlich passiert ist und hunderte Überwachungskameras beobachten jeden Winkel des Tian’anmen-Platzes und sobald mehr als drei bis vier Leute zusammenstehen, schreiten Beamte des Ministerium für öffentliche Sicherheit (MPS) sofort ein, um im Ansatz eine eventuelle Demonstration zu verhindern. Es liegt am Rest der Welt, das Gedächtnis für dieses Ereignis zu sein und nicht vor der KPCh einzuknicken.

 

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