„Review – The Interview“

TInt - LogoDave Skylark (James Franco, u.a. Planet der Affen – Prevolution und Your Highness) ist der schmierige, etwas unterbelichtete, aber eigentlich herzensgute Moderator der erfolgreichen Promi-Trash-Talkshow Skylark Tonight. Skylark und sein bester Kumpel und Produzent, der sich für viel zu schlau haltende Aaron Rapaport (Seth Rogen, u.a. leider Green Hornet), wollen noch mehr. Mehr Erfolg, etwas mehr Anspruch und einen richtigen Coup. Wie der Zufall so will, ist Skylark Tonight bei der nordkoreanischen Führungsschicht sehr beliebt und so flattert unverhofft eine Intervieweinladung mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un (Randall Park) ins Haus.

TInt02Damit steht dem journalistischen Megaerfolg und ernsthafter Anerkennung eigentlich nichts mehr im Weg. Dann tritt allerdings die CIA in Form der Agentin Lacey (Lizzy Caplan) an die beiden Freunde heran, denn dieses Interview böte die einzigartige Gelegenheit, die Kim-Diktatur zu stürzen, was gerade recht hoch auf der To-Do-Liste steht, da Nordkorea anscheinend funktionierende Interkontinentalraketen entwickelt hat. Skylark und Aaron müssten Kim Jong-un „nur“ umbringen und einem US-gefälligen Regime Change stünde nichts mehr im Weg. Nachdem man in einem Anfall von Patriotismus zustimmt, kommt es schnell zu Problemen vor Ort, denn neben der eigenen Stümperhaftigkeit, kommen Skylark und Kim-Jong-un überraschend wunderbar miteinander aus… Burning down the House!

TInt01THE INTERVIEW wird meistens leider nur noch im Zusammenhang mit dem Sony-Hack/Nordkorea betrachtet (Stichwort „Overshadowed by Controversy„) und ist entweder böse, dumme, imperialistische Propaganda oder aber ein genialer Film, den man sehen muss, weil FREIHEIT und so. Wenn man das mal gekonnt ausblendet, wartet immer noch eine gewisse Überraschung auf einen, denn Seth Rogen und Evan Goldberg liefern hier einen bitterbösen Film ab, der hemmungslos und abrupt zwischen reichlich albernen Pippkacka-Witzen und messerscharfer und durchdachter Medien- und Machtsatire schwankt, ab und an unterbrochen von Cluster F-Bombs und kleinen Splattereinlagen. David Franco spielt dabei mit sichtlicher Freude und munterem Overacting den im Endeffekt gar nicht so debilen Talkmaster, während Seth Rogen den geerdeten Gegenpart gibt, wobei die Chemie zwischen den beiden einfach passt.

TInt03Dazu durften Rogen und Goldberg mit einem anständigen Budget spielen und das sieht man auch an für eine solche Satire fetten Spezialeffekten und schicken Kulissen. Und überraschenderweise funktioniert das Ganze sogar halbwegs als Film und nicht nur als Nummern-Revue, auch wenn zwischendurch doch mal etwas die Luft ausgeht. Ansonsten ist The Interview sogar ziemlich altmodisch, denn eine so derbe Dosis an Anarchie, Travestie, Satire und Slapstick findet heute normalerweise weder das Budget noch eine Veröffentlichung. So schwankt THE Interview am Ende zwischen 2 und 4 von 5 subversiven, nordkoreanischen Interkontinentalraketen, je nachdem in wie weit man sich auf das Gesamtkonzept einlassen kann und will und die Durchhänger verschmerzen kann. Ich rate zumindest zum Versuch😉 Und ich empfehle stark die Originalfassung, da die deutsche Synchro hier mal wieder versucht, jeden Witz noch dümmer und platter zu machen und wirklich wortwitzzersägend ist… In diesem Sinne, Wind of Change!🙂

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7 Antworten zu „Review – The Interview“

  1. The Nightwatcher schreibt:

    „Ich will nicht abstreiten, dass „The Interview“ einige sehr (sehr) nette Non-Political-Correctnes-Witze auf der Haben-Seiten verbuchen kann, aber die schaffen es schlicht nicht sich über die Laufzeit von ca. zwei Stunden zu retten. Es ist als wollte man zu wenig Butter auf einem zu großen Stück Brot verteilen und weil man schon ab der Hälfte der Scheibe merkt, dass es zu wenig ist, fängt man an sie möglichst dünn überall hin zu kratzen. Dafür passiert schlicht zu wenig. Wäre „The Interview“ hingegen eine „Family Guy“ Doppelfolge, dann wäre er – mit den entsprechenden Anpassungen – eine absolute Granate.
    So bleiben zwei eher weniger witzige Protagonisten, die sich bemüht lustig durch die Handlung hampeln, ein Film, den ich morgen sicher schon wieder zum Großteil vergessen haben werde und ein Showdown, der nur zeigt, dass man sich nichts Witziges hat einfallen lassen können und daher zu einem bisschen Action-Krachbumm gegriffen hat.

    Fazit:
    Zu lang, zu unspannend aber mit ein paar netten Gags.
    4 von 10 Punkte“

  2. sirdoom schreibt:

    ^^ Ich halte diese Einschätzung für durchaus nachvollziehbar, bin aber etwas gnädiger und positiver gestimmt🙂 Wind of Change, Baby!😉

  3. Pingback: Leaving the comfort zone #18: Impressionen aus Nordkorea, einer gar fremden Welt… | AnitaBaronLine

  4. AnitaBaronLine schreibt:

    Hat dies auf AnitaBaronLine rebloggt und kommentierte:
    Weil der Artikel zu meinem letzten passte, wird er gleich mal rebloggt…

  5. Linda schreibt:

    Ich weiß nicht, der Trailer bringt mich irgendwie nicht zum Lachen und die ganze Thematik darum, naja (…)

  6. sirdoom schreibt:

    Die Mischung aus bitterböser, schwarzer Satire und ganz platten Witzen ist auch nicht für jeden was. Man muss den ja jetzt auch nicht mögen😉

  7. Pingback: “Double Feature Review – Spotlight – Steve Jobs” |

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