„Easter Promises – Teil 1 – Der Lauf der Dinge“

…und ist mal wieder so weit. Ich, Pontius Pilatus werde, egal was ich auch tue, mich erneut mit irgendwelchen Unruhen rumplagen müssen. Aber der Reihe nach. Als unser geliebter Kaiser Tiberius mich zum Statthalter Judäas ernannte, dachte ich noch „Was für ein großes Lob„. Erst später habe ich herausgefunden, was für eine Strafe diese Berufung war. Wir Römer bauen den Einheimischen Aquädukte, Schulen und Krankenhäuser und als Reaktion beten sie weiterhin diesen Gott Jahwe an und rebellieren bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie beleidigen und greifen uns an, obwohl wir sie ernähren und für Frieden sorgen.

Wenn die Einheimischen über die chinesischen Licht- und Donnerpulver verfügen würden, würden sie sich wahrscheinlich noch in die Luft jagen, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben, zum größeren Wohle ihres anscheinend ziemlich blutrünstigen, selbstzerstörerischen und anmaßenden Gottes. Es gibt dutzende religiöser Splittergruppen, die sich alle Spinnefeind sind und die rauschebärtigen Tempelpriester sind so korrupt, dass der römische Senat wie ein Sinnbild von Ehrhaftigkeit aussieht. Gehe ich mit Gewalt gegen sie vor, heulen die Frauen tagelang in den Straßen und die Männer rufen zum heiligen Krieg. Lasse ich Gnade walten, gilt dies als Schwäche und eine Welle von gewalttätigen Aktionen bricht über uns rechtschaffende Römer herein.

Jesus vor Pontius Pilatus von Mihály von Mihály von Munkácsy , 1881

Mittlerweile habe ich es ganz gut drauf, die ganzen Fraktionen der Einheimischen gegeneinander auszuspielen, aber ausgerechnet jetzt muss mal wieder ein neuer Prophet und Sohn Gottes auftauchen. Scheint eigentlich ein netter Kerl zu sein und ist für einen Zimmermannssohn gar nicht mal blöd. Die Gewaltlosigkeit seiner Sekte ist eigentlich aus römischer Sicht sogar ganz praktisch und ich habe schon von mehreren Wortgefechten zwischen ihm und den Tempelpriestern gehört, wobei er diese bigotten Betrüger ziemlich nackig gemacht hat. Was natürlich Gegenmaßnahmen zur Folge hatte.

Erst haben sie Jesus Ehefrau Maria als Prostituierte verleugnen lassen, was sicherlich auch für seine Kinder nicht schön zu hören war,  und sind mittlerweile dazu übergegangen ihn bei mir anzuschwärzen und seinen Kopf zu fordern. Dazu kommt auch noch, dass Massalla, unser Stadtkommandant und taube Nuss vor dem Pantheon – „Caesar si viveret, ad remum dareris.“ (Wenn Cesar noch leben würde, wärst Du an ein Ruder gefesselt.) – sich mit einem der Spione der Tempelpriester, irgend so ein schmieriger Kerl namens Judas Ischariot, angefreundet hat. Ich werde wohl nicht drum herum kommen den armen Jesus den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen. Ich hoffe der Junge bekommt wenigstens noch mal was anständiges zu Essen!

Aber bei den Göttern, ich werde dafür sorgen, dass sich diese religiösen Irren dabei selber die Hände schmutzig machen müssen und ich meine eigenen in Unschuld waschen kann. Sollte der Christenkult das Ende seines Anführers überleben, bin ich mal gespannt wie das mit der Gewaltlosigkeit weitergeht, oder ob sich die Tempelpriester nicht warm anziehen müssen! Aber jetzt muss ich mich anderen Dingen zuwenden. Meine Frau will unbedingt eine Komödie zu den Feierlichkeiten aufführen und ich soll einen lispelnden Potentaten spielen, der „B“ und „P“ nicht auseinanderhalten kann. „Werft den Purschen zu Poden“ hat sicherlich das Zeug zum Klassiker, aber ich hoffe mal stark, dass das eine einmalige Sache ist.

Easter Promises

Teil 2 – Das Kreuz mit der Verantwortung

Teil 3 – Schattenspiele

Teil 4 – Sturmfront

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8 Antworten zu „Easter Promises – Teil 1 – Der Lauf der Dinge“

  1. Nogger schreibt:

    *sarkasmus an* Ist das nicht ein bisschen antisemitisch?!? *sarkasmus aus*

    *ernsthaft an* Als bekennender Christ sage ich: Gefällt mir! *ernsthaft aus*

  2. sirdoom schreibt:

    Antisemitismus ist ja gerade wieder am „grass“ieren. Davon ab kann man den Text auch ganz modern antiislamisch lesen. Ansonsten ist es aber eine satirische Allegorie auf Vergangenes und Heutiges.

  3. Ben Teddy schreibt:

    Wirft ihn zu Poden, diesen grass ’n Tichter! (ˇˍˇ)

    Und allen anderen noch ein frohes Osterfest!
    (^-^)

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